Zufrieden am Arbeitsplatz

Die niederschmetternde Diagnose

Stellen Sie sich für einen Moment vor, Ihr Arzt würde Sie mit folgender Diagnose konfrontieren: Sie haben einen seltenen Gendefekt (von-Hippel-Lindau-Syndrom, kurz, VHL-Syndrom), der unweigerlich zu Ihrem Tod führen wird. Sie werden in den nächsten Jahren an mehreren Formen von Krebs leiden und schließlich sterben. Welche Erkrankungen es sein werden, ist nicht klar, aber Sie haben bestenfalls eine Lebenserwartung von etwas mehr als zehn Jahren. 

Bei einer solchen Diagnose würde ich vermutlich innerlich verzagen. 

Tom Rath musste sich als junger Mann dieser Diagnose stellen und mit den Folgen leben. Er ist in den zurückliegenden Jahren in medizinischer Hinsicht durch die Hölle gegangen, hat an den unterschiedlichsten Formen von Krebs gelitten und sich zahllosen chirurgischen Eingriffen und Chemotherapien unterziehen müssen. Gesundheitlich ist sein Leben eine einzige Herausforderung gewesen.

Und doch ist die Geschichte von Tom Rath größer als der Leidensweg, den das VHL-Syndrom ihm aufgezwungen hat. Es gibt es eine Seite an ihm, die mich tief beeindruckt: Dieser Mann ist weder verbittert noch hat er sich seinem Schicksal ergeben. Nein, Tom Rath hat sich ins Leben geworfen. Hat die Schwierigkeiten seiner genetischen Prädisposition angenommen, über 20 Jahre gegen die Folgen angekämpft und das Beste aus seiner Situation gemacht. Heute arbeitet er für das amerikanische Marktforschungsunternehmen Gallup und hat sich als erfolgreicher Sachbuchautor (Strengths Finder 2.0, u.a.m.) profiliert. Und das alles zwischen einer gerade erst überstandenen und der nächsten Krebserkrankung.   

Die Botschaft eines Kämpfers

Wenn ein Mann mit einer solchen Geschichte sich öffentlich äußert, interessiert mich, was er zu sagen hat. 

In seinem neuesten Buch »Life’s Great Question. Discover How You Contribute to the World« verrät Tom Rath wertvolle Tipps, wie Arbeit und Leben gelingen können. Er tut das auf die für ihn typisch durchdachte,  gründliche Art. 

Die Ergebnisse weitreichender Studien und die eigene Lebenserfahrung haben Tom Rath davon überzeugt, dass eine neue Perspektive aufs Leben und Arbeiten vonnöten ist. 

Mit eine Rolle spielt dabei die Erkenntnis, dass Arbeit viele Menschen krank macht, ja, regelrecht umbringt, sei es aus Langeweile oder infolge von zu viel Stress. Dabei sollte Arbeit, ginge es nach dem Autor, genau das Gegenteil ermöglichen. Sie sollte die Voraussetzungen für ein gutes Auskommen, also Leben schaffen. 

Was ist zu tun? 

Was empfiehlt Tom Rath? “Ich kann nicht alles werden, was ich möchte”, schreibt er, “aber ich kann eine Menge mehr werden, als ich bereits bin.” Wie das gelingen kann, hängt von meiner inneren Ausrichtung ab. Ich muss mich verändern, mich von mir abwenden und stattdessen mich meinen Nächsten zuwenden.

Menschen sind soziale Wesen, schreibt Tom Rath. Deswegen spielt Ihr Beitrag für das Gemeinwohl eine herausragende  Bedeutung für ihr eigenes Wohlbefinden. Folglich liegt der Schlüssel für die eigene Entwicklung darin, die persönlichen Fähigkeiten dort zu investieren, wo sie den größten Ertrag für andere bringen. Ggf. muss ich meine Ausrichtung so verändern, dass mein Nächster in den Fokus gerät.    

Der Schlüssel zur Zufriedenheit beim Job

Ich finde diese Sicht bemerkenswert. Sie widerspricht der weit verbreiteten Auffassung, dass ich lediglich mich selbst verwirklichen muss, also meinen Leidenschaften, Träumen und Sehnsüchten nachzujagen brauche, um ein glücklicher Mensch zu werden. Mit den Worten von Tom Rath: “Instead of following your passion, find your greatest contribution.” – Anstatt der eigenen Leidenschaft zu folgen, finde deinen größten Beitrag. 

Tom Rath folgend, ist Arbeit dann besonders befriedigend, wenn sie als persönlicher Beitrag zum Ganzen verstanden und erlebt wird. Wenn ich beispielsweise meinen Beitrag zum Arbeitsergebnis des Teams erkenne und beitragen kann, spüre ich am ehesten Sinn in meiner beruflichen Tätigkeit. 

Beim Nachdenken fällt mir auf, dass ich es tatsächlich so erlebt habe. Jene Beiträge, mit denen ich die Arbeit eines Teams unterstützen konnte, waren diejenigen, die mich am nachhaltigsten zufrieden gestimmt haben. 

Im zweiten Teil seines Buchs wird Tom Rath praktisch. Er geht der Frage nach, wie mein Beitrag aussehen kann. Welchen sinnvollen Beitrag könnte ich zum Ganzen leisten? 

Er unterscheidet 3 Tätigkeitsfelder mit insgesamt zwölf verschiedenen Möglichkeiten, einen Beitrag leisten zu können. 

Tätigkeitsfeld 1: schöpferische Aktivitäten

Tätigkeitsfeld 2: soziale Aktivitäten

Tätigkeitsfeld 3: steuernde Aktivitäten 

Zum schöpferischen Tätigkeitsfeld gehören initiierende, herausfordernde, lehrende und visionsgetriebene Beiträge.  Zu den sozialen Tätigkeitsfeldern zählt er  beeinflussende, verbindende, belebende und wahrnehmende Beiträge. Zur dritten Gruppe, den steuernden Aktivitäten, gehören organisierende, vollendende, anpassende und skalierende Beiträge. 

Fazit

Wenn ich einen Schritt zurücktrete und Tom Raths Botschaft einen Moment lang wirken lasse, nehme ich für mich Folgendes mit:  

Je nach persönlicher Veranlagung können meine Beiträge unterschiedlicher Natur sein. Entscheidend ist ihre Zielrichtung. Bin ich der (heimliche) Hauptnutznießer meiner Arbeit oder profitieren die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, ebenfalls?  Ist letzteres der Fall, habe ich ein Rezept für deutlich mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz in der Hand.

Bildquellen

  • Bild-ID 1454809352: INDz / shutterstock.com

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