Wie kann ich mit Verlust gut umgehen?

Podcast: Wie kann ich mit Verlust gut umgehen?

Ich möchte über ein Thema nachdenken, auf das mich der Pädagoge Tim Elmore gebracht hat. In einem Artikel stellt er die Frage: Wie werde ich in diesem Jahr mit Verlust umgehen?

Nachdem ich kurz innegehalten und die Frage reflektiert habe, ist mir aufgefallen, wie relevant sie ist.

Beispielsweise haben wir dieses Jahr in der erweiterten Familie bereits den zweiten Trauerfall zu beklagen. Beide Male waren es unerwartete, schmerzhafte Verluste. 

Es muss aber nicht gleich der Tod eines lieben Menschen sein. Vielleicht werde ich mich in diesem Jahr mit einer größeren beruflichen Veränderung auseinandersetzen müssen. Sei es durch Umstrukturierung, Stellenabbau oder den Eintritt in den Ruhestand, ich werde mich mit einschneidenden Veränderungen arrangieren müssen. Das kann Verlusterfahrungen auslösen.

Unter Umständen werde ich Abschied nehmen müssen von etwas, das mir zurzeit noch selbstverständlich scheint. Ich denke an meine finanziellen Möglichkeiten oder die Gesundheit. Beides kann sich von einem Moment auf den anderen ändern.

Deswegen ist es gut, wenn ich mir vorher überlege, mit welcher Haltung ich eventuellen Verlusten begegnen will. Ich sehe drei Möglichkeiten:

  1. Der Verlust definiert mich fortan. 
  2. Er begrenzt mich künftig.
  3. Er kann mir aber auch guttun. 

Nachfolgend möchte ich zu jedem der genannten Möglichkeiten ein paar Denkanstöße formulieren. Damit verbinde ich den Wunsch, dass Sie weiterdenken und eigene Schlüsse ziehen. 

1. Verlust definiert mich

Beispielsweise kann eine Verlusterfahrung im Beruf dazu führen, dass mein Selbstbild leidet.  Mal angenommen, ich habe einen Auftrag versemmelt oder aber in einer kritischen Situation nicht die Leistung abrufen können, die man von mir erwartet hatte. Mit anderen Worten: Ich weiß um meine Minderleistung. 

Auch wenn ich mir das nicht anmerken lasse, kann dieses Eingeständnis dazu führen, dass ich mich im Stillen anklage. Mehr noch, ich empfinde mich als Versager, der oder die zurecht die Verlusterfahrung macht. Mitunter rede ich mir etwas ein, dass objektiv betrachtet, überhaupt nicht zutrifft. Ich halte mich unqualifiziert für bestimmte Tätigkeiten.

Und genau diese Haltung kann mich über die Zeit lähmen. Wenn es schlimm kommt, gerate ich in eine gedankliche Abwärtsspirale, an deren Ende das Hochstapler-Syndrom steht. 

Das Hochstapler-Syndrom, auch als Imposter-Syndrom bekannt, beschreibt die unbegründeten, aber äußerst realen, angstvollen Gedanken, als unfähig entlarvt zu werden. 

Was kann ich dagegen tun? 

Was kann ich dagegen tun? Wie kann ich dem vorbeugen? Gibt es einen Weg aus dieser gedanklichen Sackgasse heraus? 

Ich bin davon überzeugt, dass es in solchen Momenten angemessen ist, sich eine kurze Auszeit zu nehmen. Das kann ein Spaziergang sein oder aber ein längerer Zeitabschnitt. Wichtig ist lediglich, dass ich mich herausnehme aus der Situation und inneren wie äußeren Abstand gewinne.

Meine Einstellung analysieren

Dann konzentriere ich mich auf meine Einstellung zu dem, was geschehen ist. Ob mir eine aktive oder passive Rolle zufällt, ich tatsächlich versagt habe oder mir etwas weggenommen wurde, ist unerheblich. Es geht lediglich darum, dass ich mir darüber klar werde, welche Haltung ich einnehme. 

In einem weiteren Schritt vergegenwärtige ich mir, dass ich meine Identität nicht aus dem beziehe, was mir weggenommen werden kann. Es kommt auf das an, was in mir steckt!

Wichtig ist, dass ich mir über folgendes klar werde: Ich bin weder mein Versagen, noch bin ich ein Opfer. Ich bin auch nicht meine Verlusterfahrung. 

Und noch etwas: Was vor mir steht, ist wichtiger als das, was hinter mir liegt. Das eine kann ich beeinflussen, das andere nicht mehr. 

Merke: Wenn ein Verlust mich definiert, schmälert er meinen Sinn für Identität. Wenn ein Verlust mich einschränkt, schränkt er mein Gefühl für meine Fähigkeiten ein. Das bringt mich zu meinem nächsten Punkt: 

2. Verlust begrenzt mich 

Jetzt geht es um mein Potenzial, also das, was tatsächlich in mir steckt und darum, dass ich meinem Gestern erlaube, mein Morgen zu begrenzen. 

Ich gebe mich mit wenig zufrieden, lasse mich durch das einschränken und vielleicht sogar behindern, was gewesen ist. 

Als Ausrede lege ich mir zurecht, dass ich realistischer geworden bin. In Wahrheit bin ich pessimistischer, was meine Aussichten angeht, und schränke mich freiwillig in dem ein, was ich versuchen werde. 

Tim Elmore empfiehlt bei solchen Gelegenheiten, sich an die „guten Tage“ zu erinnern. Er schreibt: „Nach einem Verlust verbringe ich Zeit damit, über meine wichtigsten Errungenschaften nachzudenken. Ich lese Dankesbriefe, die ich erhalten habe, und sage mir sogar laut, was ich über mich weiß. Das mag zwar kitschig klingen, aber es verhindert die mentalen Einschränkungen, die durch die negativen Erzählungen um uns herum entstehen.“

Anstatt mich durch meine Gedanken begrenzen zu lassen, erlaube ich mir eine andere Einstellung, nämlich die eines Lernenden. Ich frage mich: Was macht diese Erfahrung möglich?

Das führt mich zu meinem dritten Punkt:

3. Kann Verlust mir guttun?

Es gibt im Englischen eine schöne Redewendung. Sie lautet „work in progress“ und lässt sich am besten mit „Hier wird gearbeitet“ übertragen.

Auf das Thema Umgang mit Verlust bezogen, bedeutet das: Ich bewerte einen eingetretenen Verlust und gestatte ihm eine positive Rolle in meinem persönlichen Wachstum zu spielen. Das kann ich deshalb tun, weil ich mich in einem Prozess des Werdens begreife. Ich bin „work in progress“, und das ist gut so! 

Tim Elmore hat eine, wie ich finde, kreative Haltung entwickelt. Er sieht Verlusterfahrungen nicht als Straßensperren, die das Weiterkommen unmöglich machen. Vielmehr begreift er sie als Mautstellen, die zwar ärgerliche Hindernisse darstellen. Aber ist der Preis einmal entrichtet, kann ich meine Reise ungehindert fortsetzen. 

Frage: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? 

Jetzt interessiert mich, welche Erfahrungen Sie mit diesem Thema gemacht haben. Schreiben Sie mir bitte. Besonders einfach geht das hier: https://leitenundleben.de/kontakt

Bildquellen

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