Legosteine und mein Temperament

Zwischen den beiden Extremen scheues Reh und Alleinunterhalter gibt es viele Abstufungen. Selten trifft man einen Menschen, dessen Temperament ganz in diese oder jene Richtung ausfällt. Deshalb spreche ich lieber von Tendenzen: Es gibt eher extrovertierte und eher introvertierte Menschen.

Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Sein und Schein passen nicht unbedingt zusammen. Für viele wirke ich extrovertiert und souverän, bin aber vom Typ her eher introvertiert. Das klingt widersprüchlich, ich weiß, aber so bin ich und ich weiß, dass es viele gibt, die ähnlich empfinden. So sehr ich’s gerne anders hätte, ich lebe mit dieser Widersprüchlichkeit, die für mich jede Menge Herausforderungen mit sich bringt.

Ich wende mich in diesem Blog an introvertierte Menschen. Sollten Sie vom Temperament extrovertiert sein, dann lesen Sie doch einfach untenstehende Gedanken als Anregung zum besseren Verständnis Ihrer andersgearteten Mitmenschen.

Legosteine

Sicher sind Sie mit Lego vertraut, diesem wunderbaren dänischen Spielzeug, mit dem Sie und ich viele glückliche Stunden in der Kindheit verbracht haben. Legosteine kann man in allen Formen, Farben und Größen kaufen. Nach wie vor hat der Standardbaustein zwei Viererreihen mit Noppen oben darauf. Aber es gibt die Kunststoff-Klötzchen auch in zahllosen Varianten.

Die Technik ist denkbar einfach: Die Noppen der Legosteine bilden die Kontaktflächen, mit deren Hilfe feste Verbindungen zu anderen Klötzchen hergestellt werden können. Je nach Stein können einzelne oder viele andere Klötzchen verbunden werden.

Das Bild der unterschiedlichen Legosteine hilft mir, den Unterschied zwischen tendenziell extrovertierten und introvertierten Menschen zu verstehen. So, wie es Klötzchen mit vielen Noppen und solche mit wenigen gibt, haben manche Menschen von Natur aus viele Kontaktflächen und andere nur wenige.

Mit meinem Temperament ist nur eine begrenzte Kapazität für soziale Kontakte vorhanden. Sind meine Kontaktflächen belegt, fehlen mir der Elan und die Freude, auf weitere Menschen zuzugehen. Ich habe dann das Bedürfnis, mich zurückzuziehen, alleine zu sein. Die unterschiedlichen Legosteine haben mir geholfen zu verstehen, dass das kein Manko ist. Nein, ich bin so gebaut und das ist gut so.

Die Herausforderung öffentlicher Anlässe

Für einen Introvertierten bedeutet die Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung, die eigene Komfortzone verlassen zu müssen. Man fühlt sich wie Falschgeld und ist froh, wenn man wenigstens ein Glas hat, an dem man sich festhalten kann!

Der Gedanke, auf fremde Menschen zuzugehen und mit ihnen zu reden, kann zu Stress führen. Nicht, weil man Angst vor der Begegnung mit Menschen hat, nein, als introvertiert veranlagter Mensch sehne ich mich nach Begegnung. Es ist in meinem Fall vielmehr die Angst vor nichtssagendem Geplapper, dem Austausch von Belanglosigkeiten, das gemeinhin auch als Konversation bezeichnet wird.

Ich habe gelernt, dass ich mit Hilfe eines kleinen Tricks meine Veranlagung überwinden kann, ohne mich dabei zu verbiegen. Wenn Sie ähnlich gebaut sind, könnte Ihnen dieser Trick helfen.

Ich suche mir eine Aufgabe und “verstecke” mich hinter dieser Rolle. Beispielsweise stelle ich mich bewusst an die Tür und begrüße ankommende Gäste. So ist meine Rolle klar abgesteckt. Ich weiß, was ich zu tun und zu sagen habe. Im Nullkommanix bin ich im Element, scherze, lache und freue mich mit den eintreffenden Gästen, die sich augenblicklich willkommen und wertgeschätzt fühlen. Selbst später, im Verlauf der Veranstaltung, gibt es natürliche Anknüpfungspunkte. Jeder im Raum weiß, dass ich sie bereits begrüßt habe. Da das Eis bereits gebrochen ist, kann ich Belanglosigkeiten getrost vernachlässigen.

Um möglichst lange in Ihrer Komfortzone sein zu können, empfehle ich ihnen, im Vorfeld einer Veranstaltung zu überlegen, welche Rolle(n) Sie ausfüllen könnten. Mit ein bisschen Nachdenken lassen sich mehrere finden, die Sie bei einer Veranstaltung übernehmen könnten.

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