Wer braucht Wildschweine im Garten?

Was für ein Mist! Die Sportflieger in unserer Kleinstadt sind nicht zu beneiden. Seit ein paar Wochen hat eine Rotte Wildschweine den Landestreifen für sich entdeckt. Auf der Suche nach Essbarem „vertikutieren“ die Viecher mit großer Sorgfalt die Start- und Landebahn. Sehr zum Ärger der Hobbypiloten. 

Am Unglück ist natürlich die Pandemie schuld. Wer denn auch sonst?! Seit zwei Jahren sind Treibjagden untersagt und weil die Tiere in Deutschland keine natürlichen Feinde kennen, explodieren die Wildbestände förmlich. 

Dass es gelegentlich zu unangenehmen Momenten kommen kann, hat meine Frau vor einiger Zeit erlebt. Als Krankenschwester muss sie früh zum Dienst. Eines Morgens wurde sie von einem Wildschwein in unserm Garten „begrüßt“. Da beide nicht auf die Begegnung vorbereitet gewesen waren, führte das hier wie da zu erhöhtem Puls. 

Was tun, wenn sich Ärger einstellt?

Leider ist es in unserer Gesellschaft üblich geworden, zunächst einmal lautstark zu schimpfen und dann einen Schuldigen zu suchen. Gefühlt findet sich – je nach Anlass – in Berlin, bei „denen da oben“ oder bei ominösen Dunkelmännern schnell ein Sündenbock. Träger von Aluhüten kommen noch zu ganz anderen Ergebnissen.

Dass manche Umstände sich einfach ereignen, ist für den einen oder die andere nur schwer zu akzeptieren. Der Gedanke, dass bestimmte Probleme das logische Ergebnis von Entwicklungen und Zusammenhängen sind, die sich lange zuvor angekündigt haben, ist noch schwerer zu ertragen. Die Titanic lässt grüßen! 

Die Frage drängt sich auf: Wie kann ich mit einer Krise oder Herausforderung angemessen umgehen?

Der erste Schritt: Die Sofortmaßnahme

In der Notaufnahme geht es darum, den Patienten zu stabilisieren und eventuelle Blutungen einzudämmen. Bei einem Stromausfall muss die USV sofort greifen. Das schleudernde Fahrzeug braucht eine ruhige Hand, um wieder auf die richtige Spur zu gelangen, Rettungsboote müssen schnell von einem sinkenden Schiff zu Wasser gelassen werden. Ein Ertrinkender muss schnellstens aus dem Wasser gezogen werden. Mir bekannte IT-Experten raten zum Neustart des Rechners, wenn mein Notebook wieder „spinnt“ und sie nicht weiterwissen … 

Hinschauen und analysieren

Der Notmaßnahme muss schnell die nüchterne Analyse folgen. Nun sind allerhand teils unangenehme Fragen zu stellen: Wie ist der Schaden beschaffen? Wie hoch ist er? Warum ist dieses Problem aufgetreten? Hätte es verhindert werden können? Ist angemessen reagiert worden? Wenn lernen wir für das nächste Mal? 

In einem Blog habe ich vor einiger Zeit ausgeführt, dass man gelegentlich stromaufwärts nach der Ursache eines Problems suchen muss: Wie man nachhaltig Probleme löstDan Heath hat zu diesem Thema ein wertvolles Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Upstream – The Quest to Solve Problems Before They Happen“. Leider ist das Buch nur in englischer Sprache verfügbar. Hier ist ein Link zum Audiobuch

Verantwortung übernehmen und zielgerichtet handeln

Nachdem Notmaßnahmen und eine erste Bestandsaufnahme des Schadens abgeschlossen sind, zeichnet eine Person mit Führungsqualitäten aus, dass sie bereit ist, auch in einer unübersichtlichen Lage weiterhin Verantwortung zu übernehmen, indem sie handelt. 

Im Falle des von Dan Heath beschriebenen Beispiels, in dem ständig ertrinkende Menschen aus dem Fluss gezogen werden, fragt er oder sie sich, wie man das Problem flussaufwärts lösen könnte und macht sich auf den Weg, um dafür zu sorgen, dass anderswo die Leute nicht ins Wasser fallen. 

Natürlich ist die Übernahme von Verantwortung riskant. Misslingt der Lösungsversuch, wird man zum Teil des Problems erklärt. Viele wissen das und halten sich deshalb zurück. Merke: Vom Balkon aus für jene zu klatschen, die auf Corona-Stationen Leib und Leben riskieren, mag eine nette Geste sein, ist aber letztlich billig, weil es einem nichts abverlangt. Menschen mit Führungsqualitäten beschränken sich nicht aufs Klatschen. Sie packen umsichtig und sorgfältig zu. 

Belohnen und Maßnahmen ergreifen

Aus dem Projektmanagement kenne ich den flotten Spruch: „Suche einen Schuldigen, bestrafe einen Unschuldigen und belobige einen Unbeteiligten.“ – Der Satz ist humorvoll gedacht, ich weiß, enthält aber mehr Wahrheit, als einem lieb ist. 

Deshalb möchte ich ihm etwas entgegensetzen, was nach meinem Dafürhalten einer gesunden Kultur der Ehre Rechnung trägt. 

Dazu gehört nachzufragen, wer die von Wildschweinen verunstaltete Landebahn wieder planiert hat. Wo die stillen Helden sind, durch deren Einsatz noch größerer Schaden vermieden werden konnte. Und es gehören auch vorausschauende und unpopuläre Maßnahmen dazu, damit ähnlichen Ereignissen künftig vorgebeugt werden kann. 

Bildquellen

  • Wildschweine auf der Landebahn: privat

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