Wenn es im Leben ordentlich stürmt

Erinnern Sie sich noch an Kyrill? Ich meine den Sturm, der Mitte Januar 2007 über Deutschland hinweggefegt ist und der in bestimmten Landstrichen schlimmste Verwüstungen angerichtet hat. 

Meine Schwiegereltern wohnten damals im Sauerland. Hinter ihrem Haus plättete die Sturmwalze ein riesiges Stück Wald: Auf 500m Breite und mehreren Kilometern Länge lagen alle Bäume, wie Streichhölzer umgeknickt, in Reihe und Glied. Der Schaden war immens. 

Stürme sind aber nicht nur Wetterphänomene. Es gibt sie auch im normalen Leben. Ich rede von Lebensabschnitten, die aufgrund schwerer Ereignisse alles andere als gemütlich sind: Ich denke an ernste Erkrankungen, Unfälle, handfeste finanzielle Probleme oder familiäre Nöte.   

Der Sturm Kyrill erinnert mich beispielsweise an die schwere Krankheit eines unserer Kinder. 

Unsere zweite Tochter war mit einer ernsten Nierenkrankheit zur Welt gekommen. Als gerade einmal vier Wochen altes Baby wurde sie damals in der Medizinischen Hochschule in Hannover operiert. Es war ein schwerer Eingriff, in dem es um nicht weniger als Leben und Tod ging.   

Mich hat dieser Lebenssturm mächtig durchgeschüttelt. Rückblickend kann ich sagen, dass diese Zeit einer der schwersten Abschnitte meines Lebens gewesen ist. Aber, und das mag Sie jetzt in Erstaunen versetzen: Ich möchte diese Erfahrung nicht missen. Dieser Sturm hat mich in gewisser Weise beschenkt. 

Beispielsweise habe ich es damals schätzen gelernt, dass Menschen mir gegenüber Liebe praktiziert haben. Während meine Frau über viele Monate in der Uniklinik in Hannover bei unserer Tochter ausharrte, öffneten Menschen ihr Haus und zeigten mir so ihre Fürsorge. Hier ein Mittagessen, dort ein gemeinsamer Abend am Kamin oder ein Sonntagnachmittag mit Freunden. Ich habe das erleben dürfen. Dafür bin ich bis heute dankbar. 

Man sagt zu Recht, dass geteiltes Leid halbes Leid ist. Wahr ist aber auch, dass geteiltes Glück doppelt glücklich macht.  

Der christliche Glaube hat eine vertikale und eine horizontale Dimension. Jesus hat einmal gesagt, dass wir Gott von Herzen lieben sollen und unseren Nächsten wie uns selbst. Ich bin der Überzeugung, dass die Qualität der vertikalen Beziehung zu Gott sich in der horizontalen Beziehung zu meinem Nächsten spiegelt. – Liebe ist praktisch.  

Wie wäre es, wenn Sie und ich uns für heute vornehmen, unseren Glauben praktisch werden zu lassen? Das muss nichts Großes sein. Ich rede von einer kleinen Aufmerksamkeit hier oder einem aufmunternden Wort dort, wo Sie den Eindruck haben, dass es passen könnte. Vielleicht wird gerade das für einen Menschen, der in einer inneren Not steckt, zum Segen.  

Und – sollten Sie selber gerade einen dieser schlimmen Lebensstürme durchleiden müssen – dann versuchen Sie bitte nicht, alleine zurecht zu kommen. Öffnen Sie sich für Ihre Mitmenschen und lassen Sie zu, dass andere Ihnen helfen; Ihnen etwas Gutes tun, Ihnen Liebe erweisen. Das Erstaunliche an der christlichen Nächstenliebe ist nämlich, dass der Segen, den Sie auf diese Weise empfangen, auch auf die Geber zurückfallen wird.  

Soweit mein Impuls für heute. Wie gewohnt werde ich noch ein kurzes Gebet sprechen. Wenn Sie mögen, können Sie in der Stille mitbeten: 

Allmächtiger Gott, durch Jesus Christus komme ich zu dir. Danke, dass ich in schweren Zeiten nicht alleine bin. Es tut mir gut, das zu wissen. Ich bitte dich, zeige mir Menschen, denen es nicht gut geht. Zeige mir, wie ich ihre Last erleichtern , ihnen zum Segen werden kann. Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag. Seien Sie gesegnet,

Ihr Wolf-Dieter Kretschmer 

Bildquellen

  • microphone-bild-impuls: Robert Fischer

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