Was motiviert Menschen etwas zu tun?

Diese Frage stelle ich mir immer wieder: Was setzt Menschen in Bewegung? Was motiviert sie, etwas zu tun oder zu lassen? 

Bei Kindern ist das leicht zu beobachten. Ihre Wissbegierde und Entdeckerfreude treibt sie an. Dazu kommt das Lob der Eltern und häufige Erfolgserlebnisse. Wenn alles seinen guten Verlauf nimmt, wächst ein gesunder und fröhlicher Erdenbürger heran, der offen für Neues ist. 

Leider verliert sich diese natürliche Motivation und wird ersetzt durch andere, zahllose Anreize. Hier sind fünf Gruppen, der sich die meisten Motive zuordnen lassen: 

  • Angstgesteuerte Motivation 
  • Extrinsische Motivation 
  • Intrinsische Motivation 
  • Kreativität und die Fähigkeit, die eigene Genialität zu leben.
  • Liebe 

Mehr dazu können Sie lesen bei Jim DethmerDiana Chapman und Kaley Warner Klemp in ihrem Buch „The 15 Commitments of Conscious Leadership.

An dieser Stelle möchte ich meine eigenen Überlegungen äußern. 

Angstgesteuerte Motivation

Empfundene Schuld, sei sie real oder nur eingebildet, ist ein machtvoller Antrieb. 

Menschen haben ihre Karriere an den Nagel gehängt und sich einer guten Sache verschrieben. Andere waren zu außerordentlichen Opfern bereit, weil sie ihr Schuldgefühl als innere Verpflichtung umgedeutet hatten. Sie wollten etwas (soweit das überhaupt möglich war) zurechtrücken. 

Scham kann nicht minder zur Antriebsfeder einer Handlung werden. Vor allem bei Mitgliedern einer Schamkultur, in der beispielsweise die Wahrung des eigenen Gesichts oder die der Familienehre eine wichtige Rolle spielt. Die Angst, nicht mehr als der oder die in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, die man meint zu sein, wird zur Triebfeder. 

Auch Unterstellungen oder vermutete Beschuldigungen können zu angstgesteuertem Handeln motivieren. 

Extrinsische Motivation

Der Wunsch nach mehr steckt in den meisten von uns. Vor allem die Aussicht auf mehr finanzielle Mittel spornt an. 

Aus der Höhe der eigenen Bezüge lässt sich in der Regel leicht die tatsächliche Wertschätzung des Arbeitgebers ablesen. 

Aber auch Titel und öffentlicher Status sind erstaunlich machtvolle Motivatoren. Wie anders lässt sich erklären, dass intelligente Menschen mit Hochschulstudium der Versuchung erliegen, mit Plagiaten zu promovieren? 

Ein weiterer Antrieb ist der unausgesprochene Wunsch nach Macht. Beides ist darin eingeschlossen: über weitgehende Entscheidungsbefugnisse zu verfügen und in der einen oder anderen Form über Menschen regieren zu können. 

Intrinsische Motivation

Ist für die grundsätzlichen Bedürfnisse gesorgt – ich verweise auf die Maslowsche Bedürfnispyramide – treten andere Motivatoren auf den Plan, die nicht minder wirkmächtig sind. Hierzu zählen unter anderem die inneren Antriebe. 

Bei vielen ist der Wunsch nach Selbstständigkeit eine starke Triebfeder. Eigenverantwortlich agieren und Entscheidungen treffen zu können, sind sehr attraktiv. Das gilt auch für angestellte Mitarbeiter. Wem es gelingt, ihnen Freiraum zu ermöglichen, wird erleben, dass dies dankbar angenommen wird und positiv auf die Leistungsbereitschaft wirkt. 

Ein weiterer Motivator ist der Wunsch zu lernen. Also die eigenen Fertigkeiten oder das Wissen auszubauen, Grenzen zu erweitern. 

Nicht unerheblich ist der Wunsch nach Erfüllung in der beruflichen Tätigkeit. Ich denke an Führungskräfte, die ihre hoch bezahlte Anstellung infolge einer Lebenskrise verlassen haben. Ihnen war bewusst geworden, dass das Leben viel zu kurz und wertvoll für Kompromisse ist. Sinn und Erfüllung wurde ihnen wichtiger als Geld, Macht oder Einfluss. 

Kreativität und die Fähigkeit, die eigene Genialität zu leben

Sie kennen die geringschätzige Haltung, die von der „brotlosen Kunst“ spricht? Was mancher nicht weiß, ist die Tatsache, dass Künstler im Zweifelsfall ihrer Kreativität den Vorzug vor einer scheinbar gesicherten (aber langweilig anmutenden) Existenz einräumen würden. 

Ich sage es einmal so: Applaus stillt zwar nicht das Hungergefühl im Bauch, aber er sättigt die Seele. Deshalb kann Kreativität helfen, manche wirtschaftliche Durststrecke zu überwinden. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Ausleben der eigenen Genialität. Wenn ich tiefe Befriedigung in dem finde, was ich schaffe. Wenn mir bewusstwird, dass ich herausragend gut bin, vielleicht sogar einzigartig. Wenn ich den Rausch der Arbeit – den berühmten „Flow“ – erlebe, dann wird eben dieser Zustand zum Antrieb für künftige Projekte. 

Liebe

Der deutsche Begriff „Liebe“ ist zu unscharf für das, worum es mir geht. Die alten Griechen kannten verschiedene Worte: 

  • Eros – die erotische, begehrende Form der Liebe. 
  • Philia/Storge – die freundschaftliche Liebe, die auf gegenseitiger Anerkennung basiert.
  • Agape – die wohlwollende, uneigennützige Liebe göttlichen Ursprungs. 

Alle drei genannten Formen der Liebe können Menschen auf höchst unterschiedliche Weise zu Außerordentlichem motivieren. 

Wie ich das sehe

Wenn Sie einen kritischen Blick auf Ihre eigenen Motive werfen: Wo würden Sie am ehesten fündig werden? 

Ich habe für mich erkennen müssen, dass Status und öffentliche Reputation durchaus eine Rolle bei mir gespielt haben. Sich dem ehrlich zu stellen, war nicht einfach. Aber es hat mir geholfen, mich neu zu sortieren. 

Im Übrigen teile ich die Einschätzung der o. g. Autoren: Die beiden zuerst genannten Motivlagen, Angst gesteuerte und äußere Motivationen haben ein „Geschmäckle“. Da bleibt etwas übrig, was auf die Dauer gesehen nicht trägt oder für den Betreffenden nachteilig ist. 

Deshalb bin ich davon überzeugt, dass mit innerer Motivation, Kreativität und Liebe bessere Führungsergebnisse zu erreichen sind als mit Geld, Status oder wie auch immer gearteter Angst. 

Zum guten Schluss möchte ich darauf verweisen, dass Sie mehr zum Thema Motivation hier finden: Nein, Motivation ist nicht alles.

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