Was kann ich tun, wenn sich Sorgen auftürmen?

Die Klage ist des Kaufmanns Gruß. So lautet ein alter und sehr wahrer Spruch. Oder kennen Sie einen, der auf Ihre Nachfrage mit strahlendem Gesicht sagt: Mir geht‘s prächtig. Ich weiß gerade nicht, wohin mit all dem Geld, das ich verdiene.

Klagen, und sei es auf hohem Niveau, gehört zum Geschäft. 

Aber neben dem Klagen gibt auch es berechtigte Sorgen: Wenn ich nachts nicht schlafen kann, weil mich die wirtschaftlich prekäre Situation des Unternehmens umtreibt, ich nicht weiß, wie die Gläubiger bedient werden können oder ich mich vor einer ärztlichen Diagnose ängstige. 

Sorgen treiben mich um, rauben mir den Schlaf, nehmen die Luft zum Atmen, machen über kurz oder lang krank. Sorgen sind vor allem eines: Sie sind sehr real. Und es nützt mir überhaupt nichts, wenn mir irgendwer jovial mit den Worten auf die Schulter klopft: Kopf hoch! Ist alles halb so schlimm. 

Große Sause in Sachsen

Das Gegenteil eines sorgenvollen Lebens hatte ich vor ein paar Tagen vor Augen. Wir waren in Dresden. Unser zweiter Enkel wurde eingeschult. In Sachsen ist die Einschulung ein großes gesellschaftliches Ereignis. Traditionell eigentlich nur mit der Konfirmation in den alten Bundesländern zu vergleichen. 

Es wurde eine große Party geschmissen mit Freunden und Verwandten. Mitten drinnen ein strahlender Bub, der sich über die vielen Geschenke freute und voller Erwartung dem Abenteuer Schule entgegensah.

 Für einen kurzen Moment habe ich ihn beneidet, denn seine Welt ist noch so rein und so einfach. 

Während ich die Ereignisse rund um das vergangene Wochenende reflektierte, fiel mir auf, dass Sorgen das Motto des 15. Sonntag nach Trinitatis sind. – „Wie passend“, schoss es mir durch den Kopf! 

Der historische Kontext

Der für diesen Tag ausgewählte Bibelvers stammt aus der Feder eines Mannes, der heute den Spitznamen „The Rock[1]“ tragen würde. Simon, der Sohn eines gewissen Johannes, der Bibellesern als Petrus bekannt ist, hat ihn vermutlich in Rom niederschreiben lassen. Und dieser Petrus rät mir:

„Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ 1. Petrus 5,7 (Luther Übersetzung 2017). 

Was heißt das?

Zunächst einmal freut mich der Umstand, dass Sorgen in der Bibel nicht ignoriert oder wegdiskutiert werden. Sie gehören auch für einen der profiliertesten Männer der frühen Christenheit zum Leben dazu. 

Dann ist da die Rede von „werfen“. Also Sorgen nicht ablegen oder verstecken. Vielmehr soll ich sie mit aller Kraftanstrengung in eine bestimmte Richtung werfen. 

Ich verstehe das so, dass es in Ordnung ist, aktiv nach Wegen zu suchen, wie ich das loswerden kann, was mich bedrückt. 

Salopp formuliert: Jeder hat seine eigene Wurftechnik. Hauptsache, die Richtung stimmt. Und die ist laut Petrus Jesus Christus. 

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Geteiltes Leid ist halbes Leid, besagt ein Sprichwort. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Sorgen tatsächlich leichter anfühlen, wenn ich sie mit jemandem teilen kann, beispielsweise einem Kollegen, meiner Ehefrau oder einer anderen Person meines Vertrauens. 

Aber ich weiß auch, dass ich nicht mit jeder Sorge zu jedem gehen kann. Manches, was mich bewegt, unterliegt der Geheimhaltung. Andere Sorgen sind mir einfach zu peinlich. Darüber will ich nicht sprechen. Auch nicht im vertrauten Rahmen. 

Und doch macht Petrus mir Mut, mich an Jesu Christus zu wenden. Das kann im Gebet geschehen, also in der inneren Einkehr. Dann, wenn ich allein bin. 

Petrus begründet seinen Rat mit dem Hinweis: „…denn er sorgt für euch.“ 

Dieses zweite Sorgen könnte man auch mit „kümmern“ übersetzen. Eine Bibelübersetzung (Revidierte Elberfelderer) formuliert es so: „…indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft! Denn er ist besorgt für euch [oder: ihm liegt an euch].“

Dieses Besorgtsein setzt zweierlei voraus: 

  1. Ich stehe in einer tragfähigen Beziehung zu meinem Gegenüber. 
  2. Der andere hat Interesse an mir.

Ein Satz kommt mir in den Sinn. In dem nach Matthäus benannten Evangelium wird Jesus einmal mit den Worten zitiert: 

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matthäus 11,28

Demzufolge kann ich, wenn ich meine Lasten auf Jesus werfe, damit rechnen, dass er mich erfrischen und wieder aufrichten wird. Das jedenfalls legt die Zusage Jesu nahe. 

Allerdings bedeutet das auch: Wenn ich meine Sorgen ihm hinwerfe, sollte ich es tunlichst vermeiden, die Sorgen wieder an mich zu nehmen und weiter mit mir herumzutragen. Würde ich das tun, wäre die ganze Übung umsonst. 

Bleibt zum Schluss die Frage: Wie stelle ich das an? Drei Gedanken scheinen mir in diesem Zusammenhang wichtig:

  1. Ich muss mein Gegenüber – Jesus – als den anerkennen, wer er ist. Nämlich der Auferstandene und sehr lebendige Herr im Himmel.
  2. Es braucht Raum und Zeit, um das Gespräch mit ihm zu führen. Die Bibel nennt das Beten. Das geht nicht im gestreckten Galopp. Dazu ist Ruhe nötig.
  3. Schließlich muss ich bereit sein, das zu hören und umzusetzen, was mir in dieser Begegnung deutlich wird. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Papier und Stift hilfreiche Werkzeuge sind. Wenn ich zu Papier bringe, was mich umtreibt, hilft mir das, mich zu fokussieren und es entschleunigt mich. 

Mir bleibt zum Schluss nur eines: Ihnen heute und wann immer Sorgen Sie drücken, „fröhliches Werfen“ zu wünschen. 

Bevor ich schließe, noch schnell der Hinweis, dass sich weitere spirituelle Impuls hier finden. Folgen Sie einfach diesem Link.


[1] Nein, ich meine nicht Dwayne Johnson, den US-amerikanisch-kanadischer Schauspieler und ehemaliger Wrestler.  „The Rock“ ist die wörtliche Übersetzung von Kephas. Auf Deutsch klingt die Übersetzung aus dem Aramäischen wenig spektakulär „Der Fels“ und ist der Beiname des Apostels Petrus.


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