Was eine herzhafte Keilerei mich gelehrt hat

Podcast: Was eine herzhafte Keilerei mich gelehrt hat

Vor einigen Tagen habe ich in der Nähe von London an einer internationalen Konferenz teilgenommen. Abends haben sich einige von uns zusammengetan und das Rugby-Länderspiel zwischen Südafrika (dem amtierenden Weltmeister) und Irland im Fernsehen angeschaut. – Es war sehr unterhaltsam, nicht nur das Spiel zu verfolgen, sondern auch unsere irischen und südafrikanischen Freunde zu erleben. 

Meine Güte! Was für ein Kampf! Was für eine Leidenschaft! Am Ende haben die »Men in Green« aus  Irland zwar glücklich gewonnen, aber es war ein hartes Stück Arbeit gewesen. 

Während ich das für meine deutschen Augen fremde Spiel beobachtet habe, ist mir einiges aufgefallen, über das ich habe nachdenken müssen. In der Rückschau stellen sich mir ein paar Fragen, über die ich gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen möchte: 

1. Die Mischung macht’s!

Oberflächlich kann man den Eindruck gewinnen, dass Rugby im Grunde genommen eine große Keilerei von Muskelmännern ist. In Wahrheit lebt das Spiel jedoch mehr von taktischen Finessen und vor allem der sensationellen Entschlossenheit seiner Spieler. 

Interessant für mich war die Erkenntnis, dass muskelbepackte, „schwere Jungs“ im Team ebenso Platz haben wie ihre drahtigen Mannschaftskameraden mit flinken Beinen. Das Erfolgsgeheimnis liegt in der Zusammensetzung der Mannschaft. 

Übertrage ich das auf eine Führungssituation, stellt sich mir die Frage: Wie ist das in meinem Team? Ist es ausreichend breit aufgestellt? Kenne ich die Stärken jedes Einzelnen?

2. Den Überblick behalten

Anders als beim Fußball kann ein Spieler sich den Ball schnappen und damit der gegnerischen Grundlinie entgegenstürmen. Weit wird er mit seinem Vorhaben allerdings nicht kommen, denn mehrere Verteidiger werden sich ihm buchstäblich in den Weg werfen und ihn zu Boden reißen. 

Voran kommt man einzig und allein, wenn man den Ball weiterspielt. Und weil im Rugby der Ball nur zur Seite oder nach hinten geworfen werden darf, müssen mehrere Teammitglieder den Angreifer unterstützen, indem sie gleichauf oder unmittelbar hinter ihm laufen. 

Das bringt mich zu der Frage: Wie ist das um mein Spiel bestellt? Zeichnen mich Umsicht und Teamgeist aus? Bin ich bereit, einen Sprint mitzulaufen, um eventuell den Ball zu übernehmen oder weiterzuspielen? 

3. Denkmuster überwinden

Besonders für das südafrikanische Team ist dieser Punkt in der Vergangenheit bedeutsam gewesen. Lange war Rugby ein von der weißen Minderheit dominiertes Spiel gewesen. Erst im Jahr 2018 wurde der schwarzafrikanische Spieler Siya Kolisi zum Kapitän ernannt. Kolisi führte sein Team – die Springboks – in 2019 zum 3. Weltmeistertitel.

In seinem Buch Rise, schreibt Siya Kolisi:  

„I wanted to change their perception of what is possible.[1] – Ich wollte ihre Wahrnehmung auf das richten, was möglich ist. 

Mit anderen Worten: Es geht um Wahrnehmung und althergebrachte Vorstellungen. Die soll ich hinter mir lassen und mich stattdessen mutig öffentlichen Empfindlichkeiten entgegenstellen, wenn das nötig sein sollte. 

Ich frage mich, welche Denkmuster mich eingrenzen. Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit? Sehe ich die Chancen? Was muss ich aus meiner Gedankenwelt oder der meiner Teamkollegen entsorgen? 

4. Unbedingt siegen wollen

Am irischen Spiel hat mir der unbedingte Wille zum Sieg imponiert. Das haben die Zuschauer im Stadium und in der Sportbar, wo ich meinen Abend verbracht habe, verstanden. Dementsprechend feuerten sie ihre Mannschaft an.

Ich bin davon überzeugt, dass Motivation und Leistungsbereitschaft ansteckend sind. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich: Solche Teams begeistern Sie. 

Eine Frage: Wenn ich auf mich und meinen Verantwortungsbereich schaue, treibt mich dieser unbedingte Wille zum Sieg an? Wie geht es Ihnen? Erleben Sie, wie Ihre Motivation und Leistungsbereitschaft auf andere überspringen? Und wenn nicht, woran könnte das liegen?

Apropos Denkmuster. Ich habe zu diesem Thema vor einiger Zeit geschrieben. Sie finden den Artikel Vorsicht vor 5 fatalen Denkmustern, wenn sie auf diesen Link klicken.


[1] Rise: The Brand New Autobiography, Siya Kolisi, Seite 46

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