Unterwegs mit den Schnellsten

In diesem Sommer finden die Olympischen Spiele in Tokyo statt. Für mich werden in der Leichtathletik die 4 x 100 m Staffelläufe der Männer und Frauen zu den Höhepunkten zählen. Wie in den zurückliegenden Jahren werden vermutlich die Teams der USA, Jamaikas und Großbritanniens bei den Herren die ersten drei Plätze unter sich ausmachen. Bei den Frauen mischen die Schweizerinnen und Belgierinnen noch mit. Alle anderen Nationen scheinen dazu verurteilt zu sein, diesen Teams hinterherzulaufen. 

Der Staffellauf fasziniert mich in vielerlei Hinsicht. Zum Einen begeistert mich die Leichtathletik. Zum anderen erkenne ich im Staffellauf Parallelen zu meiner Arbeit. Deswegen möchte ich mir einen Moment Zeit nehmen und über diese Sportdisziplin und ihren Bezug zum Leben und Arbeiten nachdenken.

1. Es kommt auf die Abläufe an

Es sieht alles ganz einfach aus. Acht Mannschaften treten gegeneinander an. In jedem Team starten vier Läufer, jeweils verteilt über die Stadionrunde. Das Staffelholz muss jeweils innerhalb eines definierten Bereichs übergeben werden. Das schnellste Team über die 400 m gewinnt.

Was spielend leicht aussieht, ist in Wirklichkeit Präzisionsarbeit, die wie ein Uhrwerk abläuft. Beispielsweise ist der Start des jeweils nächsten Läufers genau geplant und darf weder zu früh noch zu spät erfolgen. 

Das Tempo ist extrem hoch. Die schnellsten Staffeln laufen unter 37 Sekunden, was immerhin eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 39 km/h bedeutet. Übrigens, die Durchschnittsgeschwindigkeit von Usian Bolt betrug bei seinem Weltrekord über 100 m lediglich 37,58 km/h. Das bedeutet, dass das Team über 400 m schneller unterwegs ist, als der einzelne Läufer über die 100 m Distanz. Entscheidend ist hierfür die Stabübergabe bei vollem Lauftempo bzw. der Umstand, dass das Staffelholz nur einmal aus dem Stand beschleunigt werden muss. 

2. Trainieren und noch mehr trainieren

 Ich sagte es bereits oben, der Staffellauf ist Präzisionsarbeit und will genau eingeübt werden. Seit zwei Jahren gilt eine Zone von 20 m vor und 10 m hinter dem jeweiligen 100-Meter-Abschnitt als Wechselraum. Das mag zunächst als recht viel erscheinen, ist es aber nicht, wenn die Sportler sprinten. 

3. Der Trainer (der objektive Blick von außen)

Anders als im Fußball, wo der Trainer deutlich mehr mit strategischen und psychologischen Themen befasst ist, spielen bei der Staffel Lauf- und Übergabetechnik eine große Rolle. Auch werden Trainer nicht so schnell ausgetauscht. Denn, anders als beim Fußball, wo der Coach schnell als Bauernopfer herhalten muss, wenn’s einmal nicht so gut mit der Mannschaft läuft, liegt die zu erbringende Leistung ausschließlich bei den Sprintern. Man kann den Trainer schlecht dafür verantwortlich machen, wenn die Wettbewerber schneller laufen oder man selber bei der Staffelübergabe patzt. 

Was das mit mir zu tun hat

Auf mein Leben und Arbeiten angewendet, fallen mir eine Reihe von Vergleichspunkten für meinen Alltag ein.

  1. In einem eingespielten Team, in dem jeder auf den Nächsten achtet, ist man schneller unterwegs, als wenn man alleine kämpft. 
  2. Auch in meinem Verantwortungsbereich gibt es Abläufe, die unbedingt reibungslos geschmeidig ablaufen sollten. 
  3. Ich brauche den objektiven, kritischen Blick eines außenstehenden Fachmanns, um in meiner eigenen Performance besser zu werden.
  4. Die Schuld für Minderleistung jemand anderem in die Schuhe zu schieben, wie das gerne beim Fußball praktiziert wird, ist auf die Dauer nicht zielführend. Im Gegenteil, wenn ich das tue, werde ich anderen dauerhaft hinterherlaufen. 
  5. Der gemeinsam errungene Sieg ist deshalb so erfüllend, weil man ihn gemeinsam erkämpft hat. 
  6. Einem erfolgreichen Wettbewerb darf, soll, nein, muss eine Siegesfeier folgen! Und die macht im Team einfach mehr Spaß, als wenn man alleine feiert.

Bildquellen

  • Bild-ID 655353_1920: ThomasWolter / Pixabay.com

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