Übermüdet, weil am Schlaf „gespart“? Nicht gut!

Russell Forster lehrt als „Professor of Circadian Neuroscience“ an der Oxford University in Großbritannien. Er ist Schlafexperte. Kürzlich machte Forster von sich reden, als er mit Ergebnissen einer Langzeitstudie aufwartete, der zufolge Menschen heute durchschnittlich zwischen einer und zwei Stunden weniger schlafen als noch vor 60 Jahren.

Wieso soll das ein Problem sein?

Das passt zum Zeitgeist, habe ich mir gedacht. Man nimmt so viel wie möglich vom Leben mit und spart, wenn es nicht anders geht, am Schlaf. Aber warum sollte das ein Problem sein?

Die einfache Antwort lautet:  Weil man am Schlaf nicht „sparen“ kann.

Russel Forster bringt es so auf den Punkt: Eine Gesellschaft, die im großen Stil permanent die innere Uhr ignoriert, nimmt Schaden. Sie gibt sich arrogant, denn sie setzt sich wider besseres Wissen über das hinweg, was der Mensch von Natur aus braucht. Menschen, die zu kurz schlafen, laufen Gefahr, sich ernste Gesundheitsprobleme einzuhandeln und sie sehen mit der Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes, alt aus. 

Ich habe eine Auswahl dieser Probleme zusammengetragen:

  • Wer wenig schläft, läuft beispielsweise Gefahr, sich unnötiges „Hüftgold“ zuzulegen, denn das Hormon Leptin kann seine Wirkung nicht ausreichend entfalten
  • Wer wenig schläft, verfügt über reduzierte Hirnkapazität und leidet an Konzentrationsschwäche. Schlafmangel ist in seiner Wirkung einem Alkoholrausch zu vergleichen und vor allem im Straßenverkehr höchst bedrohlich
  • Vor allem für Menschen, die an Diabetes Typ 2 erkrankt sind, gilt: Schlafmangel kann zu enormen Blutzuckerschwankungen führen
  • Die Leistungsfähigkeit des eigenen Immunsystems lässt bei Schlafmangel nach
  • Die Beschaffenheit der Haut verändert sich zum Nachteil. – Und damit meine ich nicht nur dunkle Augenringe, sondern auch eine fahl wirkende, schlaffe Haut, die sich bei Schlafmangel einstellt.   

Der innere Widerstand

Wie kommt es, dass man meint, sich ungestraft über die Natur hinwegsetzen zu können? Ein kleiner Selbstversuch offenbarte mir schnell die Antwort: Das Problem ist ein Phänomen, das ich als „inneren Widerstand“ beschreiben möchte. Vielleicht kennen Sie das auch: Irgendwie sind die Tage immer zu kurz. Wenn es abends Zeit wird, spüre ich in mir den Drang, schnell noch dieses und jenes zu tun. Plötzlich tauchen interessante Artikel wie aus dem Nichts auf meinem iPad auf. Eine Fernsehsendung oder die Spätnachrichten ziehen mich unversehens in ihren Bann. Bin ich einmal über den müden Punkt hinweg, kann schnell noch eine weitere Stunde dazukommen. 

Dabei weiß ich nur zu gut, dass ich der Natur kein Schnippchen schlagen kann. Morgens liege ich bleiern im Bett, und schlafe ich über mehrere Tage weniger als sieben Stunden, mutiere ich zu einem gänzlich unsozialen Menschen.  

Ein paar hilfreiche Tipps

Was ist zu tun? Man muss dem „inneren Widerstand“ etwas entgegensetzen. Und da hilft ein kleines Ritual. 

  1. Setzen Sie sich einen festen Zeitpunkt, den Sie unter der Woche einzuhalten versuchen. 
  2. Nehmen Sie sich vor dem Zubettgehen ein paar Minuten Zeit, in denen Sie bewusst zur Ruhe kommen. Dann sind Sie „offline“, für E-Mails, Internet und Fernseher nicht mehr erreichbar. Mir tun ein paar genussvolle Momente auf der Couch mit einen Glas Rotwein gut. Dann lasse ich den Tag Revue passieren. 
  3. Wenn möglich, „schließen Sie Frieden mit dem Tag“. Das wird nicht immer gelingen. Aber allein der Versuch, sich mit dem auszusöhnen, was tagsüber lief, wird Ihnen helfen. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass das, was ich innerlich abgeschlossen habe, mich nicht mehr im Schlaf verfolgt. 
  4. Als gläubiger Mensch habe ich gelernt, mich meinem Schöpfer vertrauensvoll  für die Nacht anzuempfehlen. Mir tut das gut.

Bevor Sie sich verabschieden, möchte ich Ihnen noch ein paar Fragen mitgeben: 

Kennen Sie den „inneren Widerstand“? Wie gehen Sie mit diesem Phänomen um? Haben Sie das schon einmal ausprobiert: sich bewusst mit dem Tag auszusöhnen? 

Bildquellen

  • Bild-ID 136830527: Stokkete / Shutterstock.com

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