Sie können weiterstrampeln. Ob’s was bringt?

Vielleicht kennen Sie die Legende vom Frosche, der in einen Sahnebehälter fiel. Nach dem ersten Schrecken über sein Missgeschick beschloss er zu strampeln, was das Zeug hält. Die Sahne verfestigte sich zunehmend und wurde schließlich zur Butter, der er entsteigen konnte. Der Frosch hatte sich mit vollem Einsatz selbst gerettet. 

Manchmal komme ich mir vor, als würde ich in meiner Sahne strampeln. Nur mit dem Unterschied, dass diese nicht zur Butter werden will. Es ist so viel zu tun und ich gebe mir die größte Mühe, trete aber auf der Stelle. Projekte können nicht abgeschlossen werden. Die Bearbeitung mancher Vorgänge ähnelt eher einem Kreisverkehr. Es gelingt mir nicht, Meter zu machen. 

Muss das mein Schicksal sein? Ich hoffe nicht! 

Benjamin Hardy richtet meine Blicke auf einen Dreiklang, der nicht zu unterschätzen ist. Das Fehlen von einem oder mehreren dieser Faktoren kann zur Folge haben, dass ich auf der Stelle trete. Um nicht zu sagen: in der Sahne untergehe. 

Aufmerksamkeit, Beweggründe und Verlangen bilden drei wichtige Eckpunkte, behauptet der Psychologe Benjamin Hardy, wenn es darum geht, dass ich meine gesteckten Ziele realisieren kann.  

Aufmerksamkeit

Kann es sein, dass ich zu sehr abgelenkt bin von allen erdenklichen Impulsen, die regelrecht um Beachtung buhlen? Ist es vorstellbar, dass ich nicht die nötige Disziplin aufbringe, um Überflüssiges wegzudrücken oder abzuschalten? 

Manchmal ist es aber nicht die Vielzahl der Einflüsse, sondern die Richtung meiner Blicke. Ich denke an meine erste Fahrstunde. Irgendwann, weil ich ständig das Auto in Richtung Bordstein steuerte, griff mein Fahrlehrer unwirsch ins Lenkrad: „Du musst auf die Straße achten, nicht auf das, was auf dem Bürgersteig passiert“, sagte er genervt. Stimmt. Meine Lenkbewegungen waren meiner Aufmerksamkeit gefolgt.

Das Geheimnis besteht darin, mich auf das Wesentliche zu fokussieren. Dann gilt es, dieses fest im Blick zu halten, komme, was da wolle.          

Beweggründe

Warum will ich etwas erreichen? Was bewegt mich, etwas zu tun oder zu lassen? Meine Motive haben wesentlichen Anteil an meiner Zukunft. 

Die entscheidende Frage lautet: Sind meine Motive schlüssig? Weiß ich wirklich, warum ich etwas will? Ist das nicht der Fall, werden meine Beweggründe nicht reichen, um mir über die nächste Hürde hinwegzuhelfen. 

Benjamin Hardy macht eine interessante Unterscheidung. Er fragt: Ist meine Orientierung zugewandt oder bin ich vermeidungsorientiert? 

Im ersteren Fall bin ich aktiv und interessiert. Meine Grundhaltung ist positiv. Ich gehe innerlich und äußerlich auf etwas zu, weil ich es will.  

Ganz anders verhält es sich bei der Vermeidungsorientierung. Hier bewege ich mich innerlich weg. Ich versuche, Abstand zu gewinnen. Meine Gedanken sind damit beschäftigt, etwas vorzubeugen oder zu verhindern. Das können Verlusterfahrungen, Schwierigkeiten oder potenzielles Scheitern sein.   

Für Hardy ist es klar: Nur wer eine zugewandte Orientierung im Leben praktiziert, realisiert seine Ziele. Vermeidungsorientierung als Beweggrund ist keine überzeugende Ausgangsbasis, von der aus man auf ein gesetztes Ziel zu lebt.  

Verlangen

Wie ernsthaft ist mein Verlangen? Will ich das, was ich mir vornehme, wirklich mit der nötigen Ernsthaftigkeit? Was ist mit meiner Leidenschaft? Um das herauszufinden, reicht eine einfache Frage: Welche Opfer bin ich bereit zu bringen? 

Anders herum gesagt: Nicht meine Worte zählen. Die sind billig. Nein, was zählt, ist das, was ich tue oder wozu ich bereit bin. 

Ein selbstkritischer Blick auf meine aktuelle Situation gibt Aufschluss darüber, wie es im Moment um mein Commitment steht. Nehme ich in meinem Leben keine Bewegung wahr, ist meine Bereitschaft zur Veränderung entsprechend gering ausgeprägt. 

Fazit

Im Grunde ist das, was ich oben beschrieben habe, gesunder Menschenverstand, den man nur praktizieren muss. Die Schwierigkeit besteht, wie so oft im Leben, nicht im Verstehen, sondern im Umsetzen des Erkannten. 

Zurück zum Frosch in der Sahne. Vielleicht übersehe ich in der Anstrengung und Geschäftigkeit meines Alltags, dass ganz andere Faktoren wesentlich sind.  

Bildquellen

  • Bild-ID 1432090787: zenstock / Shutterstock.com

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