Selbstverständlich? Von wegen!

Meine tägliche Qual

Seit mehreren Wochen quäle ich mich morgens und abends durch einen Stau, den Bauarbeiten an einer Brücke ausgelöst haben. Vorher war mein Weg zur Arbeit schnell und bequem. Sieben Minuten habe ich mit dem Auto bis ins Büro gebraucht. Jetzt sind es mindestens 25 Minuten. Gerne auch mal mehr. Zu allem Überfluss befindet sich ein Bahnübergang auf der Umleitung. Manchmal bekomme ich die Krise, weil ständig die Schranken runtergehen. 

Schmerzlich vermisse ich den schnellen Weg zur Arbeit, der mir so selbstverständlich schien. Aber ich habe Hoffnung, denn die  Straßenbauarbeiten machen Fortschritte. Vielleicht wird ab nächster oder übernächster Woche der Verkehr wieder so rollen, wie vor den Bauarbeiten. 

Apropos Selbstverständlichkeiten: 

Es gibt viele Dinge im Leben, die ich wie selbstverständlich hinnehme. 

Ich habe heute zum Thema Selbstverständlichkeit einen interessanten Satz in der Bibel gefunden. 

Der Apostel Paulus erinnert die Christen in Korinth an zwei Dinge, die gerne als selbstverständlich genommen werden, es aber überhaupt nicht sind. Er schreibt:

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1. Korinther 1,9)

Nochmal: Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.

Drei Dinge fallen mir auf: 

  1. Gottes Treue 
  2. Meine Berufung
  3. Gemeinschaft 

Bei Nachdenken über Gottes Treue kommt mir die Frage in den Sinn: Wieso sollte Gott treu sein und wieso sollte ich zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus berufen sein? 

Im Religionsunterricht habe ich gelernt, dass Gott heilig und Menschen sündig sind. Beides zusammen geht nicht. Und wenn ich mein Leben anschaue, dann ist da tatsächlich wenig, weshalb Gott treu sein sollte. Ich sehe auch nicht viel, weshalb er mit mir Gemeinschaft haben sollte.

Aber – und das ist das Wunderbare am Evangelium – es kommt nicht auf mich und meine Leistungen an. Gott ist treu. Punkt. Das entspricht seinem in der Bibel beschriebenen Charakter. 

Und dass Sie und ich zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus berufensind, das ist Gott souveräner Entschluss.

Ich bin berufen … und Sie sind es auch. 

Im Wort Berufung steckt ja das Rufen. Wenn jemand ruft, dann geschieht das absichtsvoll. – Ich rufe Leuten in der Ferne zu, weil ich auf mich aufmerksam machen will, weil ich ihnen etwas sagen will. 

Ich verstehe den Bibelvers so: Gott macht auf sich und sein Anliegen aufmerksam. Er tut das absichtsvoll, laut und verständlich für alle, die es hören wollen.

Und was ist sein Anliegen? Ganz einfach Gemeinschaft. Der Schöpfer und Erhalter des Universums, Gott höchst persönlich, sucht meine Gemeinschaft. – Ist doch krass, oder?! Genau so steht es in der Bibel. 

Diese Gemeinschaft soll nach Gottes Willen in einer bestimmten Weise gestaltet werden: Sie passiert durch Jesus Christus.

Bleibt die Frage:

Wie kann ich Gemeinschaft haben mit jemandem, den ich nicht sehe? 

Seit Ostern weiß ich, dass der an einem römischen Kreuz hingerichtete Jesus Christus von den Toten auferstanden ist und lebt. Der Feiertag Christi Himmelfahrt erinnert mich daran, dass Jesus zu Gott in den Himmel zurückgekehrt ist. Mit dem Pfingstfest ist der Geist Gottes zu den Menschen auf diese Erde gekommen. Der Geist Gottes, in der Bibel wird er der Heilige Geist genannt, ermöglicht mir die Gemeinschaft mit Gott. Wenn ich bete, garantiert er, dass diese Gebete dort ankommen, so wie hinsollen. 

Und damit zurück zum Ausgangsgedanken: Selbstverständlichkeiten. 

Ich nehme mir vor, das nicht für selbstverständlich zu nehmen, was nicht selbstverständlich ist. Ich will Gott heute bewusst dafür danken, dass er treu ist und Sie und mich zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus einlädt.

Bildquellen

  • mic-2105643_1920: Robert Fischer

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