Schuldig geworden – Was jetzt?

Podcast

Zusammenfassung

Heute geht es mir um ein kniffliges Thema. Es wird kaum darüber gesprochen, kann jedoch ein sehr großes Problem sein: Wie geht man eigentlich mit Schuld um, die sich nicht mehr in Ordnung bringen lässt? 

Ich denke an folgende Situation: 

  • Man hat sich im Streit getrennt und bevor man sich versöhnen konnte, ist das Unaussprechliche passiert. Der andere ist nicht mehr da oder nicht mehr erreichbar. 
  • Man hat eine gravierende Fehlentscheidung getroffen und muss jetzt hilflos zusehen, wie Konsequenzen ihre Wirkung entfalten. 
  • Manchmal muss man buchstäblich zwischen Pest und Cholera wählen. Egal, wie man entscheidet, die Konsequenzen sind für irgendjemandenkatastrophal.   

Situationen wie diese wünscht sich keiner, denn sie belasten ungemein. 

Die Frage stellt sich: Wie kann man mit solchen Situationen umgehen? Was sollte man vermeiden, was beachten? Ich habe 5 Anregungen für Sie.

Hinschauen

Ich gehöre zu den Menschen, die empfehlen, genau hinzuschauen. Und das auch und gerade dann, wenn’s wehtun könnte. Ich rate das nicht deshalb, weil ich einem morbiden Wesenszug fröne, sondern weil ich aus schmerzhafter Erfahrung weiß, dass das Verdrängen von Schuld das Allerschlimmste ist, was man sich selbst antun kann. 

Schuld lastet schwer. Sie kann zu einer Verkrümmung führen, erst innerlich, dann äußerlich. 

In der Bereitschaft, sich schonungslos und nüchtern dem zu stellen, was passiert ist, liegt der Anfang von Heilung. – Ein Stift und ein leeres Blatt Papier sind ein guter Anfang. 

Ein vertrauenswürdiges Ohr suchen

Es wichtig, einen Menschen des eigenen Vertrauens zu finden, der bereit ist, zuzuhören. Es versteht sich, dass Verschwiegenheit eine Grundvoraussetzung ist. 

Je nach persönlicher Präferenz kann dieses Ohr einem Therapeuten oder einem Geistlichen gehören. Wer einen guten Freund oder Freundin hat und sicher ist, dass die persönliche Not die Freundschaft nicht zu sehr belasten wird, kann dankbar für dieses Privileg sein. 

Gläubige Menschen haben den unschätzbaren Vorteil, dass ihnen in einer Beichte Vergebung zugesprochen wird. Das kann sehr entlastend sein. 

Eine symbolische Handlung tun

Es gibt Situationen, in denen es für die eigene Seelenhygiene wichtig ist, eine symbolische oder konkrete Handlung zu vollziehen.        

In unserer kirchlichen Jugendgruppe haben wir das eine oder andere Mal in einem Gottesdienst handgeschriebene Zettel mit einem Nagel an ein Holzkreuz gepinnt. Als Jugendliche haben wir so zum Ausdruck gebracht, dass wir etwas bekennen und damit abschließen bzw. ein neues Kapitel aufschlagen wollten. 

Im Rahmen bestimmter Gottesdienste im Wetzlarer Dom habe ich erlebt, dass die Gemeinde eingeladen wurde, symbolisch (für die persönliche Last) einen kleinen Kieselstein auf den Altar zu legen oder eine Kerze anzuzünden. Ich war erstaunt, wie viele Gottesdienstbesucher von diesem Angebot Gebrauch gemacht haben. 

Ich habe wenige Wochen nach dem plötzlichen Unfalltod meiner Tochter während einer Geschäftsreise eine Kerze im Mailänder Dom angezündet. Auch wenn ich sonst keinen Zugang zu so etwas habe, in diesem Fall fühlte es sich richtig an.

Der eigenen Fantasie sind an dieser Stelle keine Grenzen gesetzt. Tun Sie das, was Ihnen guttut.

Loslassen 

Hier ist der schwierigste Teil: Das loszulassen, was unabänderlich zu sein scheint. 

Auch hier hat ein gläubiger Mensch den Vorteil, dass er sich bei aufkeimenden Vorwürfen an die zugesprochene Vergebung erinnern kann. Mit einem “dir ist vergeben” lassen sich Schuld und Selbstvorwürfe leichter loslassen. Es lässt sich aber auch leichter gegen schwere Gedanken ankämpfen.

Als wertvoll empfinden manche es, jemanden zu haben, dem gegenüber sie Rechenschaft ablegen und der direkt und korrigierend in ihr Leben sprechen darf. Etwa so: “Du, ich merke, dass deine Gedanken in eine ungute Richtung unterwegs sind. Hör auf damit. Und zwar jetzt. Lass die Gedanken los.” 

Bewusst neue Wege einschlagen

Bewusst mit etwas Neuem beginnen, ist ein gutes Mittel, etwas abzuschließen bzw. es zu überwinden. Dabei halte ich es für wichtig, dass der neue Weg / die neue Aktivität bewusst am Ende des Prozesses zum Tragen kommt.   

Zu guter Letzt

Sollten Sie sich in einer solchen Situation wiederfinden, möchte ich Ihnen dringend ans Herz legen, dass sie den Weg nicht alleine gehen. Suchen Sie jemanden, der Ihnen mit Ihrer Last hilft. Es liegt eine tiefe Wahrheit in dem Satz: “Geteiltes Leid ist halbes Leid.”  

Bildquellen

  • Bild-ID 254691436: Piotr Marcinski / Shutterstock

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