Raus aus dem alten Trott

Es gibt Zahlen, die einen nachhaltig irritieren können. Dazu gehört für mich die Nummer 43. Sie bildet den Anteil von Handlungen in Prozentpunkten ab, die ich täglich, ohne nachzudenken, aus Gewohnheit verrichte. Herausgefunden hat das Professorin Wendy Wood von der University of Southern California

Wenn es nach Wendy Woods Erkenntnissen geht, verrichte ich 43 % meiner Handlungen, ohne wirklich bei der Sache zu sein. Zähneputzen ist ein treffliches Beispiel: Während ich in der Frühe meine Beißwerkzeuge schrubbe, wandern die Gedanken in alle Himmelsrichtungen. In den seltensten Fällen achte ich auf das, was ich gerade tue. Es läuft automatisch ab. Und wenn ich morgens mit dem Auto im Büro ankomme, frage ich mich manchmal erschrocken, wie ich von Zuhause aus hergefahren bin. Ich kann mich nur vage an einzelne Momente während der Autofahrt erinnern. – Verantwortlich dafür sind Gewohnheiten. Teile meines Gehirns sind so trainiert, dass sie selbstständig und ohne viel  Aufhebens wiederkehrende, teils hochkomplexe Tätigkeiten, im Hintergrund abarbeiten. 

Nun leuchtet es ein, dass viele Gewohnheiten dazu da sind, mir das Leben zu erleichtern. Was ist aber mit jenen, die ich gerne verändern möchte? Stichwort Neujahrsvorsätze. 

Ich vermute einmal, dass es Ihnen wie mir geht: Der Januar ist besonders herausfordernd. Und zwar vor allem dann, wenn es darum geht, die Vorsätze für’s neue Jahr umzusetzen, also unvorteilhafte Gewohnheiten abzulegen und sich neue anzueignen. Plötzlich stellt sich heraus, wie unglaublich schwer Gewohnheiten zu überwinden sind.  

Ich möchte Ihnen heute aus einer Vielzahl von Impulsen, die Wendy Wood ihren Lesern vermittelt, eine kleine Auswahl präsentieren. Wer mehr wissen will und mit der englischen Sprache gut vertraut ist, dem empfehle ich die Lektüre des Buchs Good Habits – Bad Habits

Wie Gewohnheiten entstehen

Wer Gewohnheiten verändern will, sollte sich zunächst bewusst machen, wie sie entstehen. 

Gewohnheiten werden aus bewussten Handlungen geformt, an deren erfolgreichem Abschluss anfangs eine Belohnung steht. Wichtig für die Entstehung von Gewohnheiten ist der Kontext, in dem die Handlungen stattfinden. Ein Beispiel: Das Verlangen nach »Trost« verleitet mich, besonders in der Advents- und Osterzeit, zur Schokolade zu greifen. Meine Belohnung? Nun, das Verlangen nach Süßem wird durch den wundervollen Schokogeschmack für einen kurzen Moment gestillt. Das Verlangen in mir wird für einen Moment befriedigt. – Wo wir gerade über Süßigkeiten sprechen. Sie wissen ja: Schokolade stellt keine Fragen. Schokolade versteht. 

Mein Unterbewusstsein lernt schnell und bald wird der »Trostgriff« automatisch. Das Schlimme an der Gewohnheit besteht darin, dass die Wirkung der Belohnung sich mit der Zeit abnutzt. Mehr noch, sie verschwindet irgendwann komplett. Die Gewohnheit bleibt jedoch bestehen. Zu guter Letzt tue ich etwas nur noch aus dem Grund, weil ich es immer schon getan habe und mir ohne die Gewohnheit im Leben etwas fehlen würde bzw. mein Körper danach verlangt. 

Ein folgenschwerer Fehler

Nun könnte man meinen, dass Gewohnheiten genauso aus dem Leben geschafft werden können, wie sie ursprünglich entstanden sind, nämlich durch bewusste Handlungen, also einen Willensakt. Leider ist dem nicht so und deshalb scheitern wir mit unseren guten Vorsätzen zum Jahresanfang.

Eine Gewohnheit zu ändern braucht Willensanstrengung, Aufmerksamkeit und Fokus in einem Maße, das die meisten zu leisten nicht bereit sind.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Morgens, wenn mein Wille frisch ist, gelingt ein Nein viel leichter als abends mit verbrauchten Kräften. 

Kontext, Hindernisse und Schmiermittel

Es gibt gute Nachrichten! Die bestehen darin, dass es Hilfsmittel gibt, die einen darin unterstützen, mit althergebrachten Gewohnheiten zu brechen. 

1. Kontext

Als Erstes ist hier der Kontext zu nennen. Er spielt beim Erlernen und Auslösen von Gewohnheiten eine wesentliche Rolle. Ein Beispiel: Mein Weg zur Arbeit wird weitgehend im Autopilot-Modus abgearbeitet. Der bewusste Wille schaltet sich nur dann steuernd ein, wenn die Verkehrssituation es erforderlich macht. Einmal angenommen, es wäre aus irgendeinem Grund wichtig, bewusster zu fahren, dann wäre das Mittel der Wahl, den Kontext zu ändern. Ich könnte eine andere Fahrstrecke wählen oder ein anderes Fortbewegungsmittel (ein Fahrrad?). Beides würde gewohnheitsmäßiges Handel unterbinden. 

2. Hindernisse

Manche Gewohnheiten kann ich dadurch beeinflussen, indem ich ein Hindernis aufbaue, das ich überwinden muss. Beispielsweise die TV-Fernbedienung in ein anderes Zimmer legen oder die Tüte Chips weit weg von meinem gewohnten TV Sessel verstauen. Der Umstand, dass ich aufstehen und vielleicht sogar aufwendig nach den Chips suchen muss, wirkt wie eine Bremse und schafft Raum und Gelegenheit für das Erlernen neuer Gewohnheiten.

3. Schmiermittel

In gleicher Weise kann ich mit der Hilfe von »Schmiermitteln« die Einübung neuer Gewohnheiten begünstigen. Ein Beispiel: Um sicherzustellen, dass ich mehrmals in der Woche mich sportlich betätige, sorge ich dafür, dass immer eine gepackte Sporttasche im Kofferraum liegt. So entfällt die Ausrede, erst nach Hause fahren zu müssen. Außerdem trage ich das Vorhaben als externen Termin in meinen Kalender ein und reduziere damit die Möglichkeit, dass andere spontan ein Meeting am späten Nachmittag anberaumen.   

Bildquellen

  • Bild-ID 1033273945: fizkes/shutterstock.com

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