Positives Emotionsmanagement – ein heißer Tipp

Es gibt Momente, in denen ich sehr aufpassen muss, dass ich mich nicht um Kopf und Kragen rede; vor allem dann, wenn ich kurz davor bin, meinem Zorn freien Lauf zu lassen, weil ich mich ungerecht behandelt fühle oder mich über irgendwen furchtbar ärgere. 

Vielleicht kennen Sie das aus eigener Erfahrung:  Man meint, ein ausgeglichener Mensch mit ausreichend langer „Zündschnur“ zu sein und trotzdem passiert es immer wieder, dass man kurz davor ist auszurasten.  

Wie man in den Wald hineinruft

Wie ich mit Gefühlen umgehe, kann meine Lebensqualität enorm beeinflussen. Es kann sogar über das Wohl und Wehe meiner Karriere entscheiden. Und schon deshalb ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen.  

Die Psychologin Dr. Susan David von der Harvard Medical School hat ein paar ungewöhnliche, aber sehr hilfreiche Gedanken parat. Sie behauptet nämlich, dass Gefühle Daten sind. Sie seien keinesfalls Direktiven. Susan David fährt fort: Es kommt darauf an, richtig mit Gefühlen umzugehen, denn ein erwachsener Umgang mit Emotionen bietet enorme Chancen. 

Wie ist das zu verstehen? Wie sieht ein erwachsener Umgang mit Emotionen aus?

Der erwachsene Umgang mit Emotionen

Susan David bezieht sich auf den Psychiater Viktor Frankl, der gezeigt hat, dass zwischen einer Gefühlsregung und der darauf folgenden Handlung ein kurzer, aber wesentlicher Moment liegt. In diesem Moment kann ich entscheiden, wie ich reagiere. Lasse ich mich unreflektiert von meinen Emotionen steuern, wird mein Handeln anders sein, als wenn ich den Moment des Innehaltens nutze und meine Entscheidung beispielsweise anhand von Prinzipien treffe. 

Im Gegensatz zu Tieren sind Menschen in der Lage, ihre Handlungen an Werten zu orientieren. Tiere müssen, ich muss gar nichts! Ich kann frei entscheiden. Das zeichnet mich als Menschen aus.

Ein solcher Wert könnte durch folgende Frage ausgedrückt werden: 

Wer will ich sein? Wer will ich werden?

Ein Beispiel: Angenommen, mir ist übel mitgespielt worden. In dem Moment, in dem mir das bewusst wird, sinne ich reflexartig nach Genugtuung. Je nachdem, was vorgefallen ist, könnte meine Reaktion schlimme Folgen nach sich ziehen. Eine Reaktion von beißenden Sarkasmus bis hin zu lautstarken Verbalattacken, ja, sogar körperlicher Gewalt, wäre möglich, wenn ich entsprechend provoziert würde. Eine Eskalation des Konflikts wäre die Folge, denn meine Reaktion würde ihrerseits Vergeltung hervorrufen.

Nutze ich jedoch diesen kurzen Moment zwischen empfundener Emotion und Handlung, um mir meiner Werte bewusst zu werden, kann ich die drohende Eskalation verhindern. Ich könnte den Moment beispielsweise nutzen, um mir die Fragen zu stellen: Wer will ich sein? Bringt mich die beabsichtigte Reaktion meinem Ziel näher? 

Im Gegensatz zu Menschen sind Tiere so veranlagt, dass sie unreflektiert handeln. Für sie sind Emotionen Direktiven. Dagegen kann ich meine Gefühle wahrnehmen und bewerten, so als wären sie Daten, die man betrachtet. 

Das heißt nicht, dass ich Gefühlen einen niedrigen Stellenwert zuweise. Nein, im Gegenteil, Emotionen kommunizieren einen Sachverhalt schnell und präzise. Sie lassen mich unzweideutig wissen, dass beispielsweise etwas im Argen liegt. 

Der Moment der Freiheit

In gewisser Weise ist dieser Augenblick zwischen empfundenem Gefühl und meiner Handlung der Moment, in dem ich Freiheit erleben kann. In dieser Freiheit liegt sehr viel Kraft. 

Viktor Frankl konnte so trotz KZ Schikanen in einer inneren Freiheit leben, die seine Peiniger nie kennengelernt haben. Bis heute sind Menschen in der Lage, denen zu vergeben, die ihnen schlimmes Unrecht zugefügt haben. Wenn man sich fragt, warum ihnen das möglich ist, entdeckt man, dass sie diesen kurzen Moment zu nutzen vermögen. Sie lassen sich führen von einem Prinzip, das ihnen so wichtig ist, dass sie Genugtuung zurückstellen können. 

Menschen, die dazu in der Lage sind, haben eine beneidenswerte innere Freiheit erreicht.   

Bildquellen

  • Bild ID 1023568351: Rawpixel.com / Shutterstock

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