Podcast: Mit 40 gescheit. Mit 50 altes Eisen?

Kaum ist man nach schwäbischen Maßstäben „gescheit“, da droht man kurze Zeit später, als altes Eisen aussortiert zu werden. Es trifft uns alle. Wir altern. Niemand kann diesen Prozess aufhalten.

Da stellt sich die Frage: Warum sollte ich mir dann Gedanken machen über etwas, das man nicht ändern kann? Schließlich weiß ich schon seit längerem, dass es abwärts geht auf der Leistungsskala. Anfangs habe ich es kaum gemerkt. In der zweiten Lebenshälfte, so ab Mitte Vierzig, habe ich ihn dann aber deutlich gespürt: den Zahn der Zeit. Schlagartig klar ist mir meine Vergänglichkeit bewusst geworden, als ich mit Blaulicht im Rettungswagen zur Klinik gebracht wurde. Herzprobleme … 

Aber nicht nur die körperlichen Kräfte lassen nach. Ich merke auch, wie die mentale Leistungsfähigkeit zurückgeht. Beispielsweise nimmt mein Konzentrationsvermögen ab. Wenn ich mehreren Dingen gleichzeitig folgen muss, ermüde ich schneller als früher. Manchmal nervt das!

Ich habe mir die Frage gestellt, was ich tun könnte, um meine Lebensqualität und auch Leistungsfähigkeit zu erhalten. Bei meiner Suche bin ich drei simplen Anstößen und ein paar praktischen Tipps begegnet. Vielleicht ist ja für Sie auch etwas dabei: 

1. Den Prozess des Alterns annehmen

Der katholische Religionsphilosoph Romano Guardini spricht von den verschiedenen Lebensphasen, die – jede für sich – besondere Herausforderungen und auch Glücksmomente haben. Jeder Lebensabschnitt nötigt einem aber auch einen „Rucksack“ auf, den es zu tragen gilt. Mit Rucksack sind Herausforderungen gemeint, die typisch sind für die jeweilige Lebensphase.

Wohl dem, der nicht zwei Rucksäcke trägt, den der aktuellen und den der vorangegangenen Lebensphase.

Wie von Guardini beschrieben, habe ich die Zeiten zwischen zwei Lebensphasen als Krisenzeit erlebt. Ich wollte die Veränderung nicht annehmen, von der ich wusste, dass sie jetzt auf mich zukam. Ich war mehrmals versucht, zwei Rucksäcke zu schultern und habe es sogar ein Weile lang getan. – Glauben Sie mir: Es war keine gute Idee!

2. Dankbar sein für Erreichtes

Ist es nicht gut, wenn man beispielsweise auf erwachsene Kinder schauen und sagen kann: Diesen Menschen habe ich den erfolgreichen Start in ein eigenständiges Leben ermöglicht? Meine Kinder treffen jetzt gute Entscheidungen, sie sind jetzt lebensfähig, weil meine Frau und ich sie das gelehrt haben. – Ich finde, dafür kann ich dankbar sein! Das ist ein Gut, das mir niemand nehmen kann. 

Suchen Sie sich vergleichbare Dinge aus. Etwas, an dem Sie maßgeblich mitgewirkt haben und das Sie mit Stolz erfüllt. Reflektieren Sie darüber und kultivieren Sie ganz bewusst Dankbarkeit. Das wird Ihre Lebensqualität aufwerten.

3. Weisheit – reflektierte Lebenserfahrung

Als jüngerer Mensch hatte ich zwei Mentoren. Beide waren Führungskräfte und herausragende Persönlichkeiten. Besonders beeindruckt hat mich in beiden Fällen das eigenständige Denken und Urteilsvermögen meiner Mentoren.

Als ein besonderes Geschenk habe ich empfunden, dass beide Mentoren mich aus nächster Nähe teilhaben ließen an ihrem Leben und Denken. Ich durfte sie sogar in ihrem privaten Umfeld erleben. So konnte ich aus nächster Nähe lernen.

Heute bin ich in der Situation, dass jüngere Menschen mich um Rat fragen. Ich erlebe es als Privileg, andere an meiner Lebenserfahrung teilhaben zu lassen. Das Beste ist, dass ich selbst von der Begegnung mit meinen Mentees  profitiere.

Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen will ich ein paar praktische Tipps geben, was man tun kann und was es besser zu lassen gilt:

Raum schaffen

Entrümpeln Sie Ihr Leben. Werden Sie Zeug los und schaffen Sie Raum fürs Wesentliche. Darum sollte es in der zweiten Lebenshälfte gehen. Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass materielle Güter einen nicht glücklich machen, ist ein armer Tropf.

Was das Leben reich macht, sind Begegnungen mit Menschen und gemeinsame Erfahrungen. Dafür braucht man Platz. Und zwar im Kopf,  in der Wohnung, am Arbeitsplatz, schließlich in den weiteren Lebensbezügen.

Wo ich gerade beim Entrümpeln bin: Investieren Sie in ausgewählte Kontakte, in Menschen, die Ihr Leben bereichern. Die anderen können Sie ruhig vernachlässigen.   

Ruhezonen

Weil die Erholungszyklen länger werden, empfiehlt es sich, diese bewusst zu planen. Für mich heißt das beispielsweise, zwei Mal pro Woche jeweils einen Tag etwas kürzer treten, weil ich am Tag vorher intensiv Sport getrieben habe.

Apropos Sport: Für mich ist es schwer gewesen, mir einzugestehen, dass ich nicht mehr so leistungsfähig wie früher bin. Nach einem Workout habe ich mich damals für eine Stunde hingelegt und bin anschließend wieder fit gewesen. Heute braucht der Körper ein Mehrfaches an Zeit, um zu regenerieren. 

Beweglichkeit vor Schnelligkeit

Nehmen Sie das Tempo zurück. Fahren Sie die Kraftanstrengung ein bisschen runter. Achten Sie dafür auf Gelenkigkeit.

Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch für den Kopf: Wichtiger als Tempo ist mentale Agilität. Ein zu hohes Tempo wird Sie mit der Zeit auslaugen. Ein ausgeschlafener, flexibler Verstand, der aus einem reichen Fundus an Erfahrung schöpft, ist unbezahlbar. – Außerdem: Überlegen Sie einmal. Was nützt Ihnen Schnelligkeit, wenn Sie auf dem Holzweg sind?  

Fazit

Es ließe sich noch manches schreiben. Über Ernährung und Schlafgewohnheiten beispielsweise. An dieser Stelle will ich es mit folgendem Rat bewenden lassen: Tun Sie sich etwas Gutes. Fragen Sie sich: Wie wird sich mein Lebensstil in fünf oder zehn Jahren auswirken? Wie werde ich dann zurückblickend urteilen?

Glauben Sie mir: Vom Ende her denken ist der sicherste Weg zu einem gelingenden Leben.        

Bildquellen

  • 300291731: Shutterstock.com

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