Podcast: 5 Tipps für den langen Marsch

Wer sein berufliches Handeln vom Ende her sieht, dem wird schnell bewusst, dass Leitung kein Sprint ist. Der Beruf gleicht eher einem Langstreckenlauf. Er erfordert von einem die Fähigkeit, die eigenen Kräfte gut einzuteilen und dabei weder das Ziel noch die Mitbewerber aus den Augen zu verlieren.

Nachfolgend habe ich ein paar praktische Punkte zusammengestellt, die mir für das Gelingen des Arbeitslebens wesentlich zu sein scheinen.   

Die große Perspektive

Das wird vielleicht ein wenig überraschend klingen. Ich sage es trotzdem: Nehmen Sie sich selbst nicht so wichtig. So wie jeder andere auch, sind Sie und ich ersetzbar. Nicht lange nachdem wir unseren Arbeitsplatz geräumt haben werden, wird jemand anderes an unsere Stelle treten. Um sich ins rechte Licht zu rücken, kann es passieren, dass der Nachfolger das, was vor ihm geleistet wurde, relativiert oder sogar in ein ungünstiges Licht stellt.

Mir hilft an dieser Stelle eine Erkenntnis, die mir mein christlicher Glaube ermöglicht: Der besagt, dass Gottes Berufung in meinem Leben größer ist als meine aktuellen Umstände … und damit auch meine gegenwärtige Arbeit. 

Was meine ich damit: Sie und ich haben einen göttlichen Auftrag, der auf den ersten Seiten der Bibel festgehalten ist: Seit Anfang an gilt dieser Auftrag für alle Menschen. Wir sollen uns die Erde untertan machen. – Nicht im Sinne von ausbeuten, sondern: Wir sollen mit dem arbeiten, was wir vorfinden.

Lassen Sie mich die biblische Aussage in ihrem Zusammenhang erläutern: Die damalige Gesellschaft war von der Landwirtschaft geprägt. Für den Bauern spielte es keine Rolle, auf welchem Acker er arbeitete. Seine Berufung war die, mit Hilfe der Landwirtschaft Nahrungsmittel anzubauen.

Bei mir und bei Ihnen geht es im übertragenen Sinn um das Gleiche: Es spielt eine untergeordnete Rolle, auf welchem Acker (=Arbeitsstelle) wir arbeiten. Solange wir unserer inneren Berufung (=unserer Lebensaufgabe) treu sind, ist alles gut!

Deshalb habe ich zu Anfang dieses Textes gesagt, dass wir uns nicht so wichtig nehmen müssen: Natürlich liefern wir gute Arbeit ab. Selbstverständlich zeigen wir volles Engagement, sind gewissenhaft, kreativ und couragiert bei der Sache. Aber der Acker ist und bleibt nur ein Acker. Wir sind nicht der Acker! Wenn die Zeit gekommen ist, dass wir weiterziehen, dann wird jemand anderes an unsere Stelle treten und den Acker weiter bewirtschaften. 

Denken Sie an diese simple Wahrheit, wenn Sie sich für den langen Marsch Ihres Arbeitslebens rüsten.   

Das Warum vor Augen

Nichts motiviert mehr als eine befriedigende Antwort auf die Frage „Warum“? Sie hat Menschen zu erstaunlichen Opfern bewegt.

Halten Sie sich regelmäßig die Warum-Frage vor Augen. Das wird Ihnen helfen, auch Durststrecken zu überwinden.

Thematisieren Sie das Warum auch bei Ihren Mitarbeitern. Erinnern Sie immer wieder an den tieferen Grund, weshalb sie zusammen arbeiten.  Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die eine schlüssige Antwort auf das Warum gefunden haben, zufriedener leben und arbeiten.  

In seinem Buch „Drive: Was Sie wirklich motiviert“ argumentiert  Daniel Pink überzeugend, dass materielle Kompensation im Vergleich zur Klärung der Warum-Frage deutlich weniger wichtig ist. Der Grund dafür ist einfach: Ist für ein komfortables Auskommen gesorgt, werden Menschen zu Sinn-Suchern. 

Zuverlässigkeit

Kaum etwas ist schlimmer als jemand, dessen Wort nichts gilt, der permanent zu spät kommt und alle warten lässt, der Zusagen macht und diese nicht einhält. 

Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen. Der versprochene Rückruf, die in Aussicht gestellten Dokumente, die Empfehlung bei einem Dritten usw. – Kleinigkeiten, die aber eine große Wirkung entfalten.

Unzuverlässigkeit kommuniziert eine Haltung, die sich meinem Nächsten mitteilt. Ohne es zu wollen, sage ich: “Du bist mir unwichtig” oder: “Ich nehme dich nicht ernst”. Für eine spätere, erneute Begegnung kann das zur Hypothek werden.   

Menschenliebe

Mir geht es nicht um emotionale Gefühlsduselei, sondern um eine Haltung. Wie sehe ich meine Mitarbeiter? Sind sie Erfüllungsgehilfen, um die gesteckten Ziele zu erreichen? Unbedeutende Zahnräder im Getriebe, die letztlich meinem Fortkommen dienen?  

Übrigens – meine innere Haltung kommuniziert sich ohne mein bewusstes Zutun ganz von alleine. Mitarbeiter spüren schnell, welche Rolle sie einnehmen.

Wer Menschen liebt, sucht Wege, um seine Wertschätzung angemessen zum Ausdruck zu bringen. Dabei muss das nichts Außergewöhnliches sein: ein ehrlicher Dank hier, ein Entgegenkommen dort, echtes Interesse an der Arbeit des anderen und an seinem Ergehen ist alles, was es braucht.

Ein dickes Fell

Zu Ihrer Rolle als Leiter gehört schließlich auch ein dickes Fell. Genauso, wie es salopp heißt: “der Chef hat immer Recht”, gilt: “im Zweifelsfall ist der Chef schuldig”.

Machen Sie sich darauf gefasst, dass das Missverständnis der Regelfall Ihrer Kommunikation ist und Sie für Dinge verantwortlich gemacht werden, für die Sie nichts können und die Sie auch nicht wirklich steuern können.

Bildquellen

  • Jacek Chabraszewski: www.shutterstock.com

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