Persönliche Entwicklungspläne

In einem Interview hörte ich dieser Tage etwas Ungewöhnliches. Es wurde darüber gesprochen, dass es in dem betreffenden Unternehmen verpflichtende sogenannte “Persönliche Entwicklungspläne” (PEP) für jeden Mitarbeiter gibt. Diese Pläne, hieß es, sind offizieller Teil der Personalentwicklung.

Die Idee

Jeder Mitarbeiter legt im Rahmen seines Jahresmitarbeitergesprächs einen Plan vor, aus dem hervorgeht, wie er sich im kommenden Jahr weiterzubilden gedenkt. Die Weiterbildung muss mit der Tätigkeit im Unternehmen zu tun haben oder ein noch ungenutztes Potenzial des Betreffenden entwickeln helfen.

Für die persönlichen Entwicklungspläne der Mitarbeiter gibt es einen eigenen Budgetposten.

Mir ist eine solch konsequente Mitarbeiterentwicklung bisher noch nicht begegnet. Dass man “Hausaufgaben” von Schulungsterminen mitbringt, das  kenne ich. Aber von einem derart systematischen Vorgehen hatte ich noch nicht gehört. Vielleicht war das ein Grund, warum ich hellhörig wurde.

Bemerkenswert war die Begründung für die Einführung der persönlichen Entwicklungspläne. Im Interview sagte der Betreffende, dass es das Ziel sei, als Unternehmen ganz vorne mitzumischen. PEP seien lediglich ein Hilfsmittel, um dieses Ziel zu erreichen, denn vorne mitzumischen setze eine agile und innovative Bereitschaft voraus. Diese Haltung werde dadurch am besten gefördert, dass man die Mitarbeiter selbst auf Entdeckungsreise schickt.

Ein Fallbeispiel

Offen gestanden habe ich PEP zunächst für eine dieser modischen amerikanischen Managementmethoden gehalten. Aber dann habe ich mir überlegt, was das für meinen Verantwortungsbereich bedeuten würde. Während ich darüber nachdachte, kam mir der Gedanke, dass es vielleicht hilfreich für den einen oder anderen Leser sein könnte, wenn ich einfach einmal “laut denke”, d.h., PEP-Themen aufzähle, die beispielsweise für meine berufliche Tätigkeit bzw. mein Team relevant sind.

Ich muss vorwegschicken, dass ich eine multimediale Redaktion leite. In meinem Verantwortungsbereich könnten persönliche Entwicklungspläne folgende Lernfelder einschließen (Auswahl):

  • Blind Schreibmaschine schreiben
  • Schreiben fürs Hören erlernen
  • Stimmbildung
  • Videojournalismus mit einer Handykamera
  • Den Umgang mit einer Videoschnitt-Software erlernen
  • Kenntnisse im Medienrecht auffrischen
  • Grundkenntnisse des Schminkens für die Videokamera

Es versteht sich, dass die Lernfelder in Ihrem Verantwortungsbereich andere sein würden.

Warum die Mühe?

Auf die Frage, warum man den zusätzlichen Aufwand mit persönlichen Entwicklungsplänen betreibt, kamen diese Antworten:

  1. Eine lernende Organisation ist geistig beweglicher. Sie kann sich Marktveränderungen besser anpassen.
  2. Die Beschäftigung mit neuen Themen kann Neugierde bei den Mitarbeitenden wecken. Der Entdeckergeist wird entfacht.
  3. Menschen geraten aus eigenem Antrieb in Bewegung.
  4. Neue Erkenntnisse, vor allem aber die veränderte Haltung der Mitarbeitenden, kommen dem Unternehmen zugute.

Entscheidend ist m.E. das Signal an die Mitarbeiter: Hinter der Idee der betriebsweiten persönlichen Entwicklungspläne steckt eine unmissverständliche Botschaft, die besagt: Wir sind eine lernende Organisation, die Ressourcen zur Verfügung stellt, damit unsere Mitarbeiter ihre Fachkompetenzen erweitern können. Wir halten jeden an, sich weiter zu entwickeln. Stillstand tolerieren wird nicht. Wer dazu nicht bereit ist, kann nicht im Team mitarbeiten.

Nach meinem Dafürhalten ist das eine anspruchsvolle und weitreichende Haltung, die Umdenken auf allen Ebenen erfordert.

Wäre PEP etwas für Ihr Team oder sogar das Unternehmen?

Um Bedenken und Widerstände anderer abzubauen, können Sie einen einjährigen Feldversuch vorschlagen. Dokumentieren Sie den Verlauf des Versuchs und die erreichten Veränderungen. Ich kann mir vorstellen, dass das überzeugen wird.

Bildquellen

Mehr zu entdecken

Neue Beiträge, die helfen werden

Sie haben ein Herz für das Thema leiten und leben. Oftmals hilft hier und da keine kleine Strategie, inspirierende Impulse. Ich schreibe jede Woche frische Beiträge, die helfen im Leben und der Leiterschaft erfolgreich zu sein.
Menü schließen