Launischer Chef? Das geht gar nicht! 

Podcast: Launischer Chef? Das geht gar nicht! 

Während draußen der Chef vorfährt, raunt drinnen ein Kollege dem anderen zu: „Mal sehen, wie der Alte heute drauf ist“. Hinter diesem vielsagenden Satz verbirgt sich die bedauerliche Tatsache, dass der Boss launisch ist. 

Ein bisschen werde ich an die Menschen in Grindavík, im Südwesten von Island erinnert. Die mussten neulich mitten in der Nacht evakuiert werden. Seither treibt sie die Frage um: Wird der bevorstehende Vulkanausbruch unsere kleine Stadt zerstören? 

Mit jedem neuen Erdbeben und von denen hat es in den vergangenen Wochen reichlich gegeben, drängt sich die Frage erneut in den Vordergrund. 

Heute ist allgemein anerkannt, dass neben einem passablen IQ (Intelligenzquotient) ein ausgeprägter EQ für gute Führung verantwortlich ist. EQ bezeichnet hier die emotionale Intelligenz eines Menschen, also vereinfacht: die soziale Dimension einer Persönlichkeit. 

Und damit noch einmal zurück nach Grindavík und dem Grummeln tief unter der Erde. 

Was Gefühlsausbrüche und Vulkane gemeinsam haben

Mir kommt einiges in den Sinn: 

  • Menschen werden empfindlich und beginnen Signale zu interpretieren. 
  • Die Bereitschaft zum Risiko schwindet.
  • Unsicherheit macht die Lage nur noch schlimmer. 
  • Kommt es zur Eruption, sucht jeder das Weite. Wer kann, bleibt so gut, das geht in Deckung. 
  • Das zerstörerische Potenzial ist gewaltig. 

Weil das so ist, lohnt es sich, im Vorfeld über ein paar Dinge nachzudenken. Ich möchte vier Aspekte nennen: 

1. Emotionen sind ansteckend

Sowohl fröhliche wie auch traurige Gefühlsäußerungen können andere Menschen beeinflussen. 

Dazu ein Beispiel: Wenn mir der Kundendienst am Telefon unhöflich oder unwillig begegnet, kann das daran liegen, dass im Unternehmen ein oder zwei Hierarchiestufen weiter oben Führungskräfte sich gereizt oder verärgert verhalten haben. 

Was der missgelaunten Führungskraft vermutlich nicht bewusst ist: Ihr Verhalten nimmt indirekt Einfluss auf mein Kundenerlebnis. 

Selbst wenn das niemand beabsichtigt, Emotionen bahnen sich ihren Weg auch dorthin, wo niemand das will. Deshalb ist es wichtig, dass ich mich selbst unter Kontrolle habe. 

2. Ungewissheit

Ist er heute gut gelaunt? Sollte ich auf Nummer sichergehen und Abstand zu ihr halten? Kann ich es mir leisten, meinen Vorgesetzten mit unangenehmen Tatsachen zu konfrontieren oder sollte ich damit vielleicht noch warten? 

Die wenigsten Menschen können mit Unsicherheiten umgehen. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen: Fliehen, kämpfen oder sich möglichst unsichtbar machen? 

Die Ungewissheit kostet sie viel Kraft; Kraft, die sie lieber anders investieren würden. 

3. Spiegelneuronen 

Spiegelneuronen sind spezielle Gehirnzellen, die Menschen veranlassen, zielgerichtetes Verhalten nachzuahmen.

Sie glauben mir nicht? Probieren Sie es aus: Lächeln Sie einfach jemanden freundlich an. In den meisten Fällen wird ihr Gegenüber das Lächeln erwidern. 

Ein anderes Beispiel, das ich schon öfters erlebt habe: Wenn ich gähne, neigen die Leute in meinem Umfeld dazu, ebenfalls unbewusst zu gähnen. Dieses Verhalten ist jedoch nicht auf Gähnen und Lächeln beschränkt. Wenn eine Führungskraft ständig missbilligend die Stirn runzelt, entsteht eine angespannte Stimmung am Arbeitsplatz. 

In gleicher Weise kann ein echtes Lächeln Spannungen abbauen oder die Stimmung heben, indem es eine positive, produktive Arbeitsumgebung fördert.

Das führt mich zu einem wissenschaftlichen Konzept, das als Theory of Mind bekannt ist. 

4. Theory of Mind 

Als psychologisches Konzept besagt die Theory of Mind, dass ich erahnen kann, was andere denken und fühlen. Obwohl es sich dabei nicht um Gedankenlesen handelt, gelingt es mir, das Befinden anderer zu verstehen. Ich vermag mir die Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle und Ziele meines Gegenübers vorzustellen und zu interpretieren. Diese Fähigkeit wird bereits im Kindesalter angelegt.

Weil das aber nicht jedem gleich gut gelingt, kann das zum Problem werden.

Bringe ich als Führungskraft Launenhaftigkeit in meine Beziehungen ein, kann das Mitarbeiter dazu verleiten, fälschlicherweise negative Pläne zu unterstellen. Das kann so weit gehen, dass Absichten oder Wünsche vermutet werden, von denen ich nicht im Entferntesten möchte, dass irgendjemand sie denkt, geschweige denn glaubt.

Zu guter Letzt… 

Weiteren Lesestoff finden Sie in den Rubriken leitenlebenpersönliche Entwicklung und Produktivität.

Bildquellen

  • pexels-gantas-vaičiulėnas-3712574: Foto von Gantas Vaičiulėnas: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-mysterios-auge-schau-3712574/

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