Lasten tragen

Eine verantwortliche Position innezuhaben, bringt es manchmal mit sich, dass man einsam ist. Die Last schwieriger Entscheidungen beispielsweise wiegt schwer. Oft ist niemand da, an den man sich wenden könnte. Man fühlt sich allein gelassen und einsam.     

Wie dankbar war ich neulich, dass sich jemand Zeit genommen hat, um mir zuzuhören. Ich konnte meine innere Last jemandem anvertrauen, der mich verstand. Allein die Tatsache hat mir gut getan. Klar ich wäre auch allein irgendwie zurechtgekommen. Aber mein Gegenüber war mir eine echte Hilfe. Ich konnte abladen und nach dem Gespräch deutlich erleichtert wieder meines Weges gehen.  

Genau darum geht es dem Apostel Paulus, wenn er in seinem Brief an die Christen in Galazien, in der heutigen Türkei, schreibt: “Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen”, Galater 6,2. 

Nicht allein unterwegs 

Das ist das Geniale am christlichen Glauben. Ich bin nicht allein unterwegs. Andere gehen den Weg des Glaubens mit mir. Jesus Christus möchte, dass ich für meinen Nächsten da bin. Das meint Paulus, wenn er vom Gesetz Christi spricht.  

Aber ich glaube, dass dieses Gebot noch weiter reicht. Es gilt nicht nur für jene, die an Jesus Christus glauben. Immer wieder begegne ich Menschen, die schwere Lasten zu tragen haben: Ein Schicksalsschlag, schwierige Umstände, eine Krankheit, Flucht vor gewalttätigen oder fanatischen Menschen, Arbeitslosigkeit – die Liste möglicher Lasten ist lang.      

Lasten tragen ist nicht gleich Lasten tragen 

Lasten tragen kann unterschiedlich aussehen: Für den einen reicht es, wenn er seiner Not Luft machen kann. Zeit nehmen, anderes zurückstellen und einfach zuhören, mehr ist nicht nötig.  

Für einen anderen kann Lasten tragen bedeuten, dass ich ihn berate. Meine eigene Lebenserfahrung, mein Wissen oder mein Abstand zu seiner Last können einem Menschen in Not zur wertvollen Hilfe werden. Meine Erfahrung und mein Wissen können eine Menge Gutes bewirken.   

Bei wieder anderen muss ich zupacken. Hören und Reden reichen nicht aus. Praktische Hilfe ist angesagt. Das kann mich Kraft, Zeit und sogar Geld kosten.  

Merke: Geteiltes Leid ist halbes Leid. 

Glück finden 

Fragt man Leute, was ihnen wichtig ist, wird man immer wieder hören: Ich will glücklich sein. – Stimmt, denke ich mir. Das will ich auch. Mein Glück ist mir wichtig.   

Glück werde ich aber nicht erreichen, wenn ich danach strebe. Wirklich glücklich bin ich auch nicht, wenn ich eine bestimmte Menge Besitz angehäuft habe oder mich ausgelassen fühle. Glück ist ein Nebenprodukt. Es entsteht von allein, wenn ich in meiner Bestimmung lebe.  

Wir Menschen sind soziale Wesen, d.h., auf das Du angelegt. Indem wir aufeinander achten, füreinander da sind und gemeinsam unsere Lasten schultern, stellt sich Glück wie von selbst ein.  

Wenn der Apostel Paulus also von dem “Gesetz Christi” spricht, dann ist das nicht als Einschränkung meines Lebens gedacht. Etwa nach dem Motto: Du musst jetzt die Lasten deines Nächsten tragen. Nein, es ist letztlich eine Anleitung, wie ich Glück erfahren kann.  

Indem ich aufmerksam lebe, werde ich anderen helfen können. Und genau dieses helfen Können wird als Segen auf mich zurückfallen.   

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