Kein Handlungsspielraum? Sara hilft!

Seit zwei Wochen beschäftigt mich das Thema Handlungsspielraum. Der Grund dafür ist einfach. Ich habe festgestellt, dass ich zu wenig davon habe. Anders herum gesagt: Es gibt zu viele Sachzwänge oder Menschen, die meinen Handlungsspielraum einengen (wollen). 

Weil ich das unbedingt vermeiden will, ja, meine persönlichen Freiheiten sogar wieder ein bisschen ausbauen möchte, muss ich Mittel und Wege finden, um mehr Freiraum in meinem eng getakteten Leben zu schaffen.   

Fündig geworden bin ich bei zwei Psychologen, Paul Napper und Anthony Rao. Die beiden zitieren in ihrem Buch The Power of Agency eine spannende Methode, die sich hinter dem Namen Sara verbirgt. 

Die vier Buchstaben, die das Akronym Sara ausmachen, beschreiben eine Vorgehensweise, die dabei hilft, Wahrnehmungsfehler systematisch aufzuspüren und auszuschalten. 

Befolgt man diese Methode, eröffnen sich Gestaltungsräume, weil man umsichtiger arbeitet und infolgedessen weniger Fehler macht. Das wiederum hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man weniger nacharbeiten muss.  

Übrigens, William Spelman und John E Eck haben als erste die »Methode Sara«  öffentlich vorgestellt.  Ursprünglich ging es darum, die Polizeiarbeit zu verbessern, beispielsweise Kripo-Beamte beim Zusammenfügen von Indizien zu unterstützen. Herausgestellt hat sich zwischenzeitlich, dass die Methode sich bestens als Herangehensweise an Problemstellungen im Führungskontext eignet.

Die Buchstaben SARA stehen als Abkürzung für: 

S = scannen

A = analysieren

R = reagieren

A = anwenden

Scannen

Zunächst einmal geht es darum, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. In einem ersten Schritt werden Antworten auf folgende Fragen gesucht: Wie stellt sich die Situation dar? Welche Personen agieren? In welchem Verhältnis stehen die Personen zueinander? Was sind die groben Fakten?  

Analysieren

Der schnellen und oberflächlichen Erfassung der Gegebenheiten bzw. Fakten folgt eine intensivere Auseinandersetzung. Einzelne Faktoren gewinnen jetzt an Bedeutung. Widersprüchliche Information wird aufgespürt, muss abgewogen und gewertet werden. Die Analyse braucht Zeit und vor allem Ruhe und Konzentration. Jetzt ist der Zeitpunkt für Verstärkung gekommen. Ein zweites oder drittes Paar Augen ist gefragt. Teamarbeit. 

Reagieren

Nachdem Situation und Faktenlage gründlich betrachtet und bewertet worden sind, ist es an der Zeit, darauf zu reagieren. Man muss sich festlegen, eindeutig Stellung beziehen. Allerdings ist es wichtig, das nicht zu früh zu tun, um nicht eine Fehlentscheidung zu treffen. Sollten noch Zweifel bestehen, gehören diese ausgesprochen.   

Anwenden

Der vierte Schritt betrifft die konsequente Umsetzung dessen, was man erkannt hat.  

Ein Praxisbeispiel aus meinem Redaktionsalltag

Um das Ganze ein bisschen greifbarer zu machen, will ich nachfolgend ein Beispiel aus meinem Redaktionsalltag konstruieren. Nehmen wir einmal an, ein Kurzbeitrag, der für die Morgensendung am nächsten Tag vorgesehen ist, fehlt. Das fällt am späten Nachmittag auf.

Scannen würde in diesem Fall bedeuten, dass ich mir einen Überblick über die Lage verschaffe. Was für ein Beitrag fehlt? Ist es ein Kommentar, ein »gebauter« Beitrag, eine Kurzandacht? Wer ist dafür verantwortlich? Wieviel Zeit bleibt, bis der Beitrag gesendet werden soll?  

Analysieren: Jetzt schaue ich genau hin: Warum konnte der Beitrag nicht entstehen? Hat es technische Probleme gegeben? Liegt ein Missverständnis vor? Welche Ressourcen stehen mir zu später Stunde überhaupt noch zur Verfügung, um entsprechend zu reagieren? Wie könnte Plan B aussehen? 

Reagieren: Nach Abwägung aller Faktoren treffe ich eine Entscheidung. 

Anwenden: Da es im konkreten Fall für einen völlig neuen Beitrag zu spät gewesen ist, wird ein passender Ersatz aus dem Sendungsarchiv geholt. Gleichzeitig überlegen wir, wie wir diesen Fehler künftig vermeiden können. 

Fazit

Eingangs sprach ich von Handlungsspielraum. Das Ziel muss es sein, einerseits eine tragfähige Lösung für den Moment zu finden, andererseits Vorkehrungen für künftige Fälle zu treffen. Dadurch entstehen die Voraussetzungen für Handlungsspielraum. 

Bildquellen

  • lifebelt-1463427_1920: dimitriwittmann / pixabay.com

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