Indizien einer ungesunden Firmenkultur

Ich habe in letzter Zeit viel über einige Beobachtungen nachdenken müssen, die Carey Nieuwhof als Merkmale ungesunder Unternehmenskultur identifiziert hat. Nachfolgend gebe ich seine Beobachtungen wieder und kommentiere sie aus meinem eigenen Erleben.  

Kalkuliertes politisches Verhalten

Wenn sich politische Winkelzüge als die beste Strategie empfehlen weiterzukommen, wird’s schwierig.

Damit ich nicht missverstanden werde: Ich schätze politische Arbeit und ich weiß auch, dass in der Politik der Kompromiss der effektivste Weg ist, ein gestecktes Ziel zu erreichen. Hier ein bisschen nachgeben, um an anderer Stelle die eigenen Interessen durchsetzen zu können. So läuft das. Verstanden.

Aber im Unternehmen stößt dieses Verhalten an seine Grenzen, wenn persönliche Interessen auf Kosten der des Unternehmens verfolgt werden.

Wer in einem Unternehmen feststellt, dass er/sie nur so sein Ziel erreicht, sollte sich ein paar ernste Fragen gefallen lassen.

Gespaltene Zunge

Wenn öffentliche und private Rede sich deutlich unterscheiden, ist der Tod im Topf.

Menschen haben ein untrügliches Gespür dafür, ob ehrlich kommuniziert wird oder “Schönsprech” die wahren Verhältnisse verschleiern sollen. – Man kann ja in einer Wolke von wohlklingenden Worten manches verstecken.

Wer einmal mitbekommen hat, wie beispielsweise die öffentliche Beurteilung einer Person sich von der Beurteilung hinter verschlossenen Türen unterscheidet, der ist sensibilisiert. Misstrauen macht sich breit. Irgendwann traut niemand mehr Verlautbarungen von oben.

Die Schwierigkeit in der Führungsrolle besteht darin, berechtigte Kritik gesichtswahrend und zugleich ehrlich an den Mann oder die Frau zu bringen. Das ist eine Spannung, die es auszuhalten gilt.

In Konfliktsituationen redet man übereinander, nicht miteinander

Ja, es wird gekämpft, aber auf heimtückische Weise. Konflikte werden ausgetragen, aber nie direkt. Im Konferenzraum beißt man sich auf die Zunge und lässt nachher, hinter verschlossenen Türen, dem Ärger freien Lauf.

Der Grund für dieses Verhalten liegt häufig in persönlichen Erfahrungen. Einmal verletzt oder – schlimmer noch – öffentlich bloßgestellt, wagt man sich fortan nicht mehr aus der Deckung. Lieber wird gewartet, bis die Luft rein oder doch wenigsten die Tür verschlossen ist.

Mich bedrückt, dass ein normaler Schutzreflex dazu führt, dass sich die Arbeitsatmosphäre mit der Zeit von allein vergiftet. Nach meiner Erfahrung sind es weniger charakterliche Defizite als schlechte Erfahrungen mit einer Führungsperson, die dieses Verhalten auslösen und mit der Zeit verfestigen.

„Die“ und „wir“

Was im Mannschaftssport gut ist, nämlich eine klare Gruppenidentität und damit verbunden eine deutliche Abgrenzung vom Gegner, ist im Unternehmen nicht zielführend, denn sie führt zur Silobildung. „Die vom Marketing“ stehen irgendwann „denen aus der Produktion“ oder „der Entwicklung“ gegenüber. Fronten werden aufgebaut. Nichts davon hat formellen Charakter, ist aber äußerst wirksam. Plötzlich ist das Interesse des eigenen Teams bzw. die Wahrung des eigenen Einflusses wichtiger als das Wohl der gesamten Arbeitsgemeinschaft. 

Übrigens, es spielt keine Rolle, ob die Hierarchien flach sind oder nicht, denn anstelle von drei oder vier großen Silos entstehen in flachen Organisationsstrukturen im Handumdrehen viele kleine Silos.   

Niemand ist bereit, Verantwortung zu übernehmen

Auslöser dieses Phänomens sind meistens Angst oder Enttäuschung. Es kann beispielsweise sein, dass Mitarbeiter in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben und jetzt aus Gründen des Selbstschutzes es vorziehen, in der Deckung zu bleiben. Frei nach dem Motto: Ein toter Held ist ein toter Held. Deshalb ist es besser, im Zweifelsfall die Deckung nicht zu verlassen.

Hinter der fehlenden Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, kann aber auch Enttäuschung stecken. Ein Mitarbeiter hat sich in der Vergangenheit besonders eingebracht, musste aber erleben, dass sein Engagement nicht gewürdigt wurde. Es soll ja auch vorkommen, dass Vorgesetzte sich mit den Lorbeeren, die eigentlich ihren Mitarbeitern zustünden, feiern lassen. 

Die fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen ist zunächst einmal ein Indiz dafür, dass im Führungsstil etwas nicht stimmt. Sollten Sie das in Ihrem Team feststellen, empfehle ich Ihnen, genau und vor allem ehrlich hinzuschauen.   

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