Ich wollte nicht ins Museum, aber dann …

Podcast: Ich wollte nicht ins Museum, aber dann …

Ist heute nicht ein perfekter Museumstag? Diese ungewöhnliche Frage stellt ein Fremder namens Thomas Derale morgens an der S-Bahnhaltestelle. Und so beginnt eine interessante Entdeckungsreise, zu der John Strelecky in seinem Buch „The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben“ einlädt. 

Ich möchte bei dieser Frage stehen bleiben: Ist heute nicht ein perfekter Museumstag? 

Kein Kulturtag

Nein, es geht nicht darum, heute „einen Tag auf Kultur zu machen“. Die Frage ist symbolisch gemeint. Stellen Sie sich gedanklich ein kleines Museum vor. Vielleicht so etwas wie das Heimatmuseum in meinem Nachbarort, das vollgestopft ist mit Haushalts- und Arbeitsgegenständen aus längst vergangenen Zeiten.    

 John Strelecky geht davon aus, dass Menschen durchschnittlich 28.200 Tage leben. Was wäre, fragt er sich, wenn jeder dieser Tage beispielsweise fotografisch dokumentiert wäre und in einem „Lebensmuseum“ der Nachwelt erhalten bliebe? Welche Bilderwelt würden die Museumsbesucher zusehen bekommen? Mit welchen Eindrücken würden sie abreisen? 

Welchen Anteil hätten Glück und Freude? Auf wie vielen Fotos wäre ich mit Freunden zu sehen? Wie häufig würde man mitbekommen, dass ich das ausgeschöpft habe, was mir das Leben angeboten hat? Und wie groß wäre der Anteil der Ausstellung, der sich mit meiner Unzufriedenheit befasst? Wo man mir dabei zuschauen kann, wie ich mein Leben verplempere? Und was ist mit meinen Versuchen, Menschen und Umstände für meine Agenda zu missbrauchen? 

Ich bin John Streleckys Anregung gefolgt, habe mich eingelassen auf dieses kleine Gedankenexperiment und dabei folgendes beobachtet: Je länger ich darüber nachdachte, desto unruhiger wurde ich. Mich überkam das ungute Gefühl, dass vieles von dem, was ausgestellt werden würde, mir zutiefst peinlich wäre. 

Der virtuelle Museumsbesuch steht nur am Anfang dessen, worum es Strelecky geht.

Was aus dem Museumsbesuch folgt

Der Autor entwickelt aus diesem Gedankenexperiment die Idee, dass jedem Menschen ein ZDE innewohnt. Damit meint er einen „Zweck der Existenz“. 

Diesen gilt es herauszufinden. Nur dann, wenn ich meinen ZDE kenne und ihm nachstrebe, werde ich Zufriedenheit erleben.

Möglich wird das mithilfe der „Big Five for Life“, den fünf überragend bedeutsamen Dingen des Lebens. In jedem Menschen und in jeder Organisation, sagt Strelecky, ist ein individueller ZDE zu Hause. Und je besser der persönliche und der betriebliche ZDE zueinander passen, umso günstiger ist das sowohl fürs Unternehmen als auch für den einzelnen Menschen. 

Wer dicht an seinem ZDE dran ist, der arbeitet nicht. Besser gesagt, seine oder ihre berufliche Tätigkeit fühlt sich nicht als „Arbeit“ an. Der oder die arbeitet auch nicht für einen Vorgesetzten oder ein Unternehmen, sondern mit ihm. Strelecky verwendet eine gewöhnungsbedürftige Metapher: Er spricht von einer Reisegesellschaft, die gemeinsam unterwegs ist in eine bessere Zukunft.

Sie merken: Der virtuelle Museumsbesuch steht lediglich am Anfang einer spannenden Lebens- und Arbeitsreise. Trotzdem ist er wichtig. Denn es geht um sehr viel. 

Wenn ich will, dass mein Leben gelingt, muss ich es mir leisten, mich mit dem großen Bild auseinanderzusetzen. Und da gilt die Faustregel: je früher, desto besser!

Warum das wichtig ist

Aber warum soll das wichtig sein? Die Antwort darauf fällt leicht. 

Wer sich mit dem auseinandergesetzt hat, was sein Vermächtnis einmal sein soll und für sich die entsprechenden Schlüsse gezogen hat, der oder die geht mit einer anderen Haltung zu Werke. Der fokussiert sich auf Wesentliches, eben seinen ZDE. Er wird sich die passende Wirkungsstätte suchen und dort hochproduktiv wirken. Das wiederum wird den Unternehmensertrag steigern helfen. 

Fazit

John Strelecky ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der es meisterhaft versteht, Wahrheiten und Sachverhalte gut zu portionieren. Wer sich auf sein Angebot eines „Museumsbesuchs“ einlässt, kann erstaunliche Entdeckungen machen.

Ich habe vor einiger Zeit über einen Mann geschrieben, auf den das zutrifft, was ich heute vorgestellt habe. Der Artikel trägt die Überschrift „Vom Ende her denken“.  

Zum Schluss noch ein Hinweis. Sollten Sie Thomas Derale googeln wollen, dann können Sie sich das sparen. Es gibt ihn nicht. Autor John Strelecky, der Schöpfer von Derale, sagt über seine Figur: „Er ist real. Er ist ein Charakter, der aus den besten Eigenschaften vieler echter Führungskräfte kombiniert wurde, die ich kennengelernt habe.“ Übrigens, der Name „Derale“ ist ein Anagramm für Leader.

Bildquellen

  • scott-webb-ab80p262fFM-unsplash: Photo by Scott Webb on Unsplash

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