Ich bin Chef geworden – und jetzt?

Sie sind befördert worden. Meinen Glückwunsch! Sicher haben Sie es sich verdient. Sie haben hart gearbeitet und – ja, da war auch ein Quäntchen Glück im Spiel – dürfen sich jetzt über den Erfolg freuen. Das erweiterte Aufgabenfeld, die zusätzliche Verantwortung, der höhere Verdienst – das alles ist Ausdruck dafür, dass Sie jetzt Chefin bzw. Chef sind.  Sie sind jetzt Vorgesetzter geworden und dürfen – je nach Aufgabenzuschnitt – andere führen.

Darf ich Sie etwas fragen? Ist Ihnen bewusst, dass ein Vorgesetzter einem Team häufig von höherer Stelle vorgesetzt worden ist? Ich weiß, das klingt zunächst einmal nicht gut. Aber es ist so: Sie sind als Vorgesetzter noch keine Führungsperson. Es kann sogar sein, dass Sie im Organigramm zwar der oder die Vorgesetzte sind, aber jemand anderer im Team die Führung inne hat. – Wenn das dauerhaft so bleibt, haben Sie und Ihre Chefs ein Problem. Ein ernstes Problem.

Das klingt ein bisschen seltsam. Ich weiß. Aber, wenn Sie genau auf das achten, was die deutsche Sprache mit beiden Worten anzeigt, werden Sie verstehen, was ich meine: ein Vorgesetzter ist anderen vorgesetzt. Eine Führungsperson ist eine Person, die führt.

Der Posten

Unternehmensberater John C. Maxwell beschreibt in seinem Buch „5 Levels of Leadership“, worum es mir geht. In der ersten Stufe als Leiter hat man eine Position allein aufgrund des Dienstgrads in der Organisation. Es ist die schwächste Form der Leitung, denn Mitarbeiter folgen nur, weil sie das müssen. Außer dem Titel gibt es nichts, was Ihnen Autorität verleiht. Sie müssen in Vorleistung gehen!

Die Erlaubnis

Das bessert sich in der zweiten Stufen. Jetzt erlauben Ihnen Mitarbeiter, Sie zu führen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Nicht der Chef befiehlt oder fordert, Mitarbeiter erlauben! Auf dieser Stufe müssen sie Ihnen nicht nur folgen. Sie wollen es aus. Das bedeutet, dass Sie Ihre Kollegen irgendwie überzeugt haben. Vielleicht ist es Ihr persönliches Charisma oder Ihre Fachkompetenz, die Ihre Mitarbeiter schätzen. Glückwunsch! Sie sind auf einem guten Weg.

Die Leistung

In der Stufe drei folgt man Ihnen wegen dem, was Sie für die Organisation geleistet haben. Sie sind mit Ihren Mitarbeitern produktiv gewesen. Alle haben gemerkt, dass die Zusammenarbeit mit Ihnen gut, ja, vorteilhaft ist. Die erkannten Vorteile sind: das Arbeitsergebnis kann sich sehen lassen und der erzielte Erfolg scheint wie die Strahlen der warmen Frühjahrssonne auf die einzelnen Teammitglieder. Ihre Position als Vorgesetzter wird nicht in Frage gestellt. Sie sind der Chef, die Chefin und werden dafür geachtet und vielleicht sogar geliebt.

Der Zenit

Der Vollständigkeit will ich noch kurz die anderen beiden Stufen erwähnen: Bei Stufe vier geht es darum, was Sie für Ihre Mitarbeiter getan haben. Sie fühlen sich gefördert, wertgeschätzt und sinnvoll eingesetzt. Deshalb akzeptieren Sie Ihren Führungsanspruch. In Stufe fünf geht es ausschließlich darum, wer Sie sind. Menschen folgen Ihnen beispielsweise aufgrund Ihrer Lebensleistung oder Ihrer Persönlichkeit. – Man wird Ihnen Ihre Wünsche erfüllen, weil Sie sind, wer Sie sind.

Zu guter Letzt

Ehrlich gesagt habe ich mir nie träumen lassen, dass es unterschiedliche Stufen von Autorität gibt, als mir vor Jahren meine erste Rolle als Vorgesetzter übertragen wurde. Aber ich habe bald gemerkt, dass zwischen Chef und Chef ein himmelweiter Unterschied sein kann. Mein erster Unternehmenschef steht beispielsweise bis heute auf der fünften Stufe. Und das, obwohl er schon viele Jahre nicht mehr im Unternehmen tätig ist.

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