Handlungsspielraum trotz Einschränkungen

Von Tim Elmore habe ich einige Anregungen mitgenommen, die ich Ihnen gerne weitergeben möchte. Ich tue das, weil ich vermute, dass die vor Ihnen liegenden Monate anstrengend werden und ich ein bisschen dazu beitragen möchte, dass Sie in der Krise mehr Handlungsspielraum gewinnen. – Ja, da ist er wieder, dieser Begriff, der mich seit geraumer Zeit beschäftigt: Handlungsspielraum.

Hier sind fünf Anregungen für Sie: 

Der Rückspiegel 

Wenn man beim Autofahren in den Rückspiegel schaut, dann sieht man in der Regel nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der Wirklichkeit. Anders als beim Autofahren gibt es im Leben ein Phänomen, das einem ab der Lebensmitte auffällt: Der Rückspiegel, der auf das vergangene Leben gerichtet ist, scheint zu wachsen. Gleichzeitig beginnt die Frontscheibe, also der Blick in die Zukunft, zu schrumpfen.

Anfangs misst man diesem Phänomen keine Bedeutung bei oder man verdrängt es. Schließlich will man ja nicht wie alte Herrschaften wirken, die immer nur von früher erzählen. Aber mit der Zeit ändert sich das. Es ist ein ganz normaler Vorgang, wenn mehr Lebensstrecke hinter einem als vor einem liegt. 

Wie wäre es, wenn Sie sich einmal bewusst diesen Blick in den Lebensrückspiegel gönnen? Sie könnten sich beispielsweise fragen: Was sehe ich in meinem Rückspiegel? Vermutlich jede Menge Veränderung. Gut so!

Sie haben Veränderung erlebt, waren Teil davon – hoffentlich mehr gestaltend als passiv erlebend. Vergleichen Sie. Was hat sich zum Besseren gewendet? Was möchten Sie auf keinen Fall mehr haben, was früher gang und gäbe war? Inwieweit könnte die Corona Pandemie helfen, eine Zäsur zu machen? 

Es geht mir nicht darum, die Vergangenheit  schön zu reden. Nein! Ich will lediglich dafür sensibilisieren, was alles entstanden ist. Sie und ich, wir waren Teil davon, haben die Entstehung erlebt, vielleicht sogar mitgestaltet. Noch einmal: Gut so! 

Das große Bild 

Denken Sie an das, was im Leben wirklich zählt. Die kleinen Dinge sind es nicht Wert, eingehend beachtet zu werden. Konzentrieren Sie sich lieber auf das Wesentliche.

Hier ist eine Idee: Das nächste Mal, wenn sie einen Bambus sehen, dann achten Sie bitte auf die Wachstumsknoten. Sie sind am Haupttrieb der Pflanze alle 15 bis 20 cm zu finden. Die Aufgabe der Wachstumsknoten ist es, der Pflanze Stabilität zu geben. Außerdem helfen diese Wachstumsknoten, Flüssigkeit und Nahrung bis hoch in die Spitze der Pflanze zu befördern.

Ich sehe eine Analogie zu meinem und Ihrem Leben: Auch ich kenne sogenannte Wachstumsknoten und Sie vermutlich auch. Schauen Sie bitte genau hin. Es sind oft einschneidende Ereignisse gewesen, die Ihnen womöglich alles andere als willkommen gewesen waren, sich aber im Nachhinein als segensreiche Erfahrungen entpuppt haben. Könnte Corona sein solcher Einschnitt sein? 

Das bringt mich zu meiner nächsten Anregung: 

Nachdenken und danken

Der Blick in den Rückspiegel bzw. auf die Wachstumsknoten wird Ihnen vermutlich manches zeigen, wofür Sie dankbar sein können. Ich denke an schöne Momente, aber auch an Schweres in meinem Leben.

Mir sind Menschen in den Sinn gekommen, für die ich dankbar bin. In meinem Fall sind das Menschen gewesen, die mir etwas zugetraut bzw. mir eine Chance gegeben haben. Aber ich kenne auch andere Erfahrungen: Verlusterfahrungen. Situationen, in denen ich bitter enttäuscht worden bin, die zu akzeptieren mir äußerst schwergefallen sind.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie sich fragen, wie man bei Enttäuschungen Dankbarkeit empfinden soll. Nun, die Lösung liegt im Wort Enttäuschung. Eine Enttäuschung ist ja nichts anderes als das Ende einer Täuschung. Und schlimmer als die Erfahrung der Enttäuschung wäre doch das unwissende Weiterleben in einer Täuschung, womöglich sogar in einer Selbsttäuschung. Da ich das aber keinesfalls will, habe ich für mich beschlossen, dass die schmerzliche Erfahrung Grund für Dankbarkeit ist. – Klar, das ist nichts, was man mal so nebenbei macht. Diese Haltung muss langsam reifen, vielleicht muss man sie sich sogar erarbeiten. Aber, und da bitte ich Sie, mir das einfach zu glauben, sie macht innerlich frei und schafft Handlungsspielraum. 

Denken Sie langfristig

Die Tyrannei des Dringenden verzerrt oft den Blick fürs Wesentliche. Deswegen ist es gut, einen Schritt zurückzutreten und dann langfristige Pläne zu schmieden.

Zwei Fragen können hilfreich sein:

  1. Wird sich das, was mich jetzt beschäftigt, auf die nächsten zehn Jahre meines Lebens auswirken? Anders herum gefragt: Welche Bedeutung wird das, was mich jetzt beschäftigt, in zehn Jahren gehabt haben? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Perspektive Dinge, die ach so wichtig schienen, plötzlich in ihrer Bedeutung hat schrumpfen lassen.
  2. Wer will ich in zehn Jahren sein? Wie beeinflusst das, was ich im Moment erlebe, die Person, die ich einmal sein will?

Zu guter Letzt 

Handlungsspielraum entsteht im Kopf. Es kommt auf meine Haltung an. Und da hat Tim Elmore eine hilfreiche Anregung parat. Er empfiehlt, für einen Moment das Ernste der Arbeit beiseitezulegen und stattdessen sich eine neugierige, spielerische Haltung anzueignen.

Wenn wir spielen, werden andere Partien unseres Verstands angesprochen. Außerdem entsteht eine gewisse Leichtigkeit, die beispielsweise Kreativität fördert.

Mir war dieser Gedanke neu. Aber ich finde, er hat etwas. Deshalb werde ich Tim Elmores Rat befolgen. Mal sehen, welche Erfahrungen ich machen werde. 

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  • Bild-ID 1463768246: fizkes / shutterstock.de

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