Gefährliche Stolperfallen für Führungskräfte

Ich möchte gerne ein gelingendes Leben führen. Sie vermutlich auch. Oder? Und wenn die Zeit für den Ruhestand gekommen ist, möchte ich auf erfolgreiche Berufsjahre zurückschauen. 

Um das Ziel sicher zu erreichen, sind unterwegs ein paar Stolperfallen zu beachten. Hier ist eine Auswahl:    

Zynismus

Wer schon länger Führungsverantwortung trägt, weiß um die Gefahr, zynisch zu werden. 

Zynismus keimt nicht in mir auf, weil mir etwas egal ist. Vielmehr entsteht er gerade deshalb, weil ich mich gekümmert habe, in etwas investiert und wenig oder nichts zurückbekommen habe. 

Vielleicht habe ich etwas im Gegenzug bekommen, das das Gegenteil von dem gewesen ist, was ich mir gewünscht hatte. 

Die meisten Zyniker sind übrigens ehemalige Optimisten. Man würde es jetzt nicht vermuten, aber es gab eine Zeit, in der diese Leute hoffnungsvoll, enthusiastisch und fröhlich waren. Aber irgendwann wurde in ihnen ein Schalter umgelegt und seitdem haben sie eine andere Haltung entwickelt. 

So sehr ich es vielleicht nicht wahrhaben will, Zynismus ist eine Wahl. Das Leben macht mich nicht zynisch. Ich erlaube es mir, zynisch zu werden. Und deshalb liegt es an mir, meine Einstellung zu ändern.

Faule Kompromisse

Jeder sucht sie, die Abkürzung zum angestrebten Ziel. Und wenn sich eine Gelegenheit anbietet, warum nicht von ihr Gebrauch machen?

Meist beginnt es mit einem kleinen Kompromiss, der einen oder anderen Halbwahrheit, den zwei- oder dreimal gezielt eingesetzten Ellbogen, um sich durchzusetzen.

Leider schafft das einen Graben zwischen der Person, die ich sein will und der, die ich durch mein Verhalten werde. 

Natürlich bin ich kein schlechter Mensch. Allerdings bin ich auch nicht mehr die beste Ausgabe meiner selbst. Es bleibt ein schaler Geschmack, der mich zunehmend anwidert, je mehr Kompromisse ich zulasse.

Irrelevanz

Was wäre, wenn ich aufgrund verschiedener Umstände meine berufliche Stellung verlieren würde? Angenommen, ich müsste erschrocken zur Kenntnis nehmen, dass sich der Markt weiterentwickelt hat und mir wichtige Kompetenzen fehlen, um mithalten zu können. Infolgedessen wäre ich kaum oder überhaupt nicht mehr vermittelbar. 

Das Gefährliche an Irrelevanz ist, dass sie sich schleichend entwickelt. Niemand ist von heute auf morgen out. Es ist ein kaum zu merkender, kriechender Prozess, der schlussendlich in eine Sackgasse führt. Erst schwindet die Fähigkeit mitzuhalten, dann sich den Veränderungen anzupassen. Schließlich nimmt der Einfluss ab. Irgendwann wird man nicht mehr ernst genommen. Man gilt als veraltet, vielleicht sogar als merkwürdig. Spätestens dann nützt das Pochen auf die eigene Erfahrung nichts. Siehe dazu meinen Blog über Erfahrung, das zweischneidige Schwert.

Den wenigsten ist klar, dass sich alles um uns herum verändert. Das Arbeitsleben genauso wie die Gesellschaft und mit ihr die Kultur. Ich habe die Wahl: Entweder passe ich mich an oder ich werde zurückgelassen. 

Es ist wie ein gemächlich dahinfließender Strom. Entweder schwimme ich mit oder aber ich werde zurückgelassen. 

Stolz

Einen stolzen Menschen erkenne ich aus großer Distanz. Bei mir selber habe ich da schon mehr Probleme. Ich behaupte, dass es vermutlich den meisten Menschen ähnlich geht. 

Es gibt zwei Varianten des Stolzes: 

Die eine erfreut sich beispielsweise einer Errungenschaft (mein Team hat Außerordentliches geleistet). Gegen diese Form des Stolzes ist nichts einzuwenden. 

Bei der anderen Variante dreht sich alles um mich. Sie ist der Ausdruck einer ungesunden Selbstzentriertheit. Ein Hinweis kann die häufige Verwendung der Worte ich, mein, mich und mir sein. 

Stolz ist weit verbreitet. Einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika, Benjamin Franklin, hat es einmal treffend auf den Punkt gebracht (sinngemäß aus der Erinnerung zitiert): 

„Stolz ist so allgegenwärtig, dass man, wenn man jemals den Punkt erreicht, an dem man demütig wird, sich selbst dabei ertappen könnte, dass man damit prahlen möchte, wie sanftmütig man ist.“

Stolz ist gefährlich für mich als Führungskraft, weil er mich blind machen kann für meine Umwelt. 

Innere Leere

Innere Leere ist ein Gefühl, das vor allem erfolgreiche Menschen überkommt, und zwar häufig nach einem erzielten Erfolg. Sie tritt auf, wenn man auf der anderen Seite steht, zurückschaut, sich am Erfolg freut und feststellt, dass das Gefühl der Erfüllung flüchtig ist und man sich bald nach der nächsten Herausforderung umschaut. 

Ich habe das erste Mal ein starkes Gefühl der inneren Leere nach meinem Abitur erlebt. Es hat mich seinerzeit aus der Bahn geworfen. Das große Ziel, worauf ich als Schüler viele Jahre zu gelebt hatte, war mit einem Mal vorbei.   

Inzwischen habe ich gelernt, dass innere Leere überwunden werden kann durch eine Lebensaufgabe, die viel größer ist, als ich es bin. 

Letztlich ist das auch der Grund, warum sehr reiche Menschen – wie beispielsweise Bill und Melinda Gates – sich wohltätigen Aufgaben verschreiben. 

Bildquellen

  • Bild-ID 1648250788: khak/shutterstock.com

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