Eine mutige Frau

Joyce Lin ist eine außergewöhnliche und sehr mutige junge Frau gewesen. Eine Pilotin, Buschpilotin, um genau zu sein. Sie hat Orte auf dieser Welt angeflogen, die jedem erfahrenen Airline-Kapitän Respekt abverlangen würden. Holprige, unbefestigte Pisten im Bergland von Papua, dem indonesischen Teil der Insel Neuguinea, beispielsweise.  

Das „Arbeitstier“, die einmotorige Quest Kodiak 100 im Landeanflug. Foto: Mission Aviation Fellowship

Joyce Lin startete am Montag, dem 12. Mai, mit einer einmotorigen Quest Kodiak der Mission Aviation Fellowship (MAF), um medizinisches Material in einen entlegenen Teil des Landes zu bringen. Mit an Bord: Corona Schnelltests. Kurz nach dem Start meldete sie einen schweren Notfall. Weil ihr keine andere Wahl blieb, musste Joyce Lin im nahe gelegenen See Sentani notwassern. Wie inzwischen seitens der Behörden bestätigt wurde, hat Joyce Lin diesen Unfall nicht überlebt. 

Mich hat diese Nachricht betroffen gemacht, obwohl ich Joyce Lin nicht persönlich gekannt habe.

Warum solche Risiken eingehen?

Was bringt Menschen dazu, ihren lukrativen Beruf aufzugeben und in fernen Winkeln der Welt beispielsweise als Piloten zu arbeiten und womöglich ihr Leben zu riskieren? – Bevor Joyce Lin bei MAF anheuerte, hatte sie immerhin eine Führungsposition in einem IT-Unternehmen innegehabt.

Ich kenne einige Buschpiloten. Mit einem von ihnen sind meine Frau und ich befreundet: Mathias Glass und seine Frau Mandy. Sie sind im östlichen Teil Neuguineas, in Mount Hagen, Papua Neuguinea, stationiert. Auch sie fliegen für MAF. 

Das Erste, was mir auffällt: Das sind keine Draufgänger vom Typ eines Bud Spencer oder Indiana Jones. Es sind verantwortungsbewusste und sehr fähige Menschen, die einen inneren Auftrag leben. Alle MAF -Piloten, Joyce Lin eingeschlossen, motiviert ihr christlicher Glaube. Ihm fühlen sie sich verpflichtet. Er treibt sie an, Risiken einzugehen, um beispielsweise Menschen medizinisch zu helfen oder das Evangelium bis in entlegene Orte zu fliegen. Pilot Mathias Glass formuliert es so:  

„Niemand würde tun, was wir tun, ohne den Glauben an einen Gott, dem jedes einzelne Menschenleben so wertvoll ist, dass er Himmel und Erde bewegt, um zu helfen.“

So ist es auch bei Joyce Lin gewesen. Sie hatte den Eindruck gehabt, über ihre erfolgreiche Karriere als IT-Spezialistin hinaus ihr Leben in den Dienst einer besonderen Mission stellen zu sollen, der Mission Aviation Fellowship (MAF). 

Joyce Lin während eines Einsatzes im Bergland von Papua. Foto: Mission Aviation Fellowship

Meine Erfahrungen

Meine Gedanken gehen zurück in meine Kindheit. Ich bin als Sohn von Missionaren mitten im Busch Westafrikas aufgewachsen. Wir haben öfters die Dienstleistung von MAF in Anspruch genommen. Mit ihrer Hilfe schrumpften beschwerliche, tagelange Reisen zu kurzen Trips. MAF-Piloten waren meine Helden. So einer wollte ich später auch einmal werden.

Daraus ist allerdings nichts geworden. Ich habe mit meinem Leben eine andere Richtung eingeschlagen. Aber der Respekt und die Bewunderung für das, was diese Piloten leisten, ist geblieben.

Joyce Lin hinterlässt ihre Eltern und zwei Schwestern. Aber da ist noch mehr: Da sind Menschen, denen sie mit ihrem beherzten Einsatz das Leben gerettet hat. Zum Beispiel eine schwerkranke Frau. Gleich beim ersten Einsatz überhaupt hat sie deren Leben gerettet, indem sie die Patientin – außerplanmäßig – kurzerhand ins nächste Krankenhaus geflogen hat.

Wer wird wohl Joyce Lins Platz einnehmen?  

Bildquellen

  • Quest Kodiak 100: Mission Aviation Fellowship
  • Pilotin Joyce Lin in Papua: Mission Aviation Fellowship
  • Pilotin Joyce Lin: Mission Aviation Fellowship

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