Ein Telefon? Wer braucht denn sowas?

Ein britischer Exportschlager

Downton Abbey ist eine britische Serie, die mit viel Aufwand und Liebe zum Detail in 56 Folgen à 50 Minuten die fiktive Geschichte von Lord Grantham, seiner Ehefrau Cora und ihren drei Töchtern Mary, Edith und Sybil, sowie den Bediensteten des Anwesens erzählt. Die Geschichte spielt in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Julian Fellowes hatte die Idee zur Serie. Die meisten Drehbücher stammen aus seiner Feder. 

Für die Herstellung der Serie wurde sehr viel Geld in die Hand genommen. Man schätzt das Produktionsbudget auf etwa 1 Million Pfund Sterling pro Folge. 

Worum geht es? Die Folgen durchzieht ein Thema: Veränderung. Beginnend mit dem Untergang der Titanic 1912, den Jahren des 1. Weltkriegs, der Zeit der Spanischen Grippe bis Mitte der Zwanziger werden die Auswirkungen einer sich rasch verändernden Welt nachgezeichnet. Sie treffen das idyllische Landleben der Grafschaft mit voller Wucht und führen zu allerhand unterhaltsamen Verwicklungen.  

Aus der heutigen Sicht ist man versucht, den Kopf zu schütteln über die Ansichten der Menschen jener Zeit. Die einen zeigen sich offen für Veränderung, andere verharren in alten Denkstrukturen. Ein lustiges Beispiel kommt mir gerade in den Sinn: „Ein Telefon“, fragt sich Butler Carson, „wozu soll das gut sein?” Die Frage erübrigt sich jedoch schnell, denn schon bald wird eines dieser neumodischen Geräte in Carsons Büro installiert und erweist sich als überaus nützlich. 

 Mir sind noch ein paar andere Dinge aufgefallen. Fließend warmes und kaltes Wasser, beispielsweise, war selbst in herrschaftlichen Häusern jener Zeit nicht die Regel. 

Kopfschütteln über mich

Aber dann kommt mir eine Frage in den Sinn: Worüber werden die Menschen in einhundert Jahren den Kopf schütteln, wenn sie an die Zwanzigerjahre des 21. Jahrhunderts zurückdenken? Was kann ich mir nicht vorstellen oder tue es als nutzlos ab, was später einmal vielleicht als das Normalste der Welt angesehen werden wird? 

Und, ehe ich mich versehe, beschäftigen mich weitere Fragen: Wo hängst du Vergangenem nach? Was willst du nicht loslassen, wo dich nicht ändern?   

Ein peinliches Beispiel aus meinem eigenen Leben kommt mir in den Sinn: Ich habe lange Zeit mit Twitter nichts anfangen können. Ehrlich gesagt, ist das immer noch so. Ich habe mich oft gefragt: Wozu sollte es gut sein, Minibotschaften von maximal 280 Zeichen in die Welt hinauszuposaunen? Und warum sollten Tweets von anderen Einfluss auf mein Denken ausüben?  

Ich gebe zu, dass es reichlich kurzsichtig von mir gewesen ist, so zu denken. Spätestens seit Barack Obama, und erst Recht seit Donald Trump, spielt dieser Messenger-Dienst eine herausgehobene Rolle bei der Einflussnahme auf die öffentliche Meinung. 

Meine Selbsterkenntnis: Nur, weil etwas nicht in meine Welt passt, heißt das nicht, dass meine Sicht die richtige ist. Die Frage ist vielmehr, wo gleiche ich in meiner Geisteshaltung dem oben erwähnten Butler Carson von Downton Abbey?  

Was kann ich tun?

Da ich aber genau das nicht will, nämlich als ein im gestern verhafteter Mensch zu gelten, stelle ich mich dem Thema und überlege, wie ich mit Veränderungen umgehen kann, die sich mir aufnötigen. Ich denke da besonders an jene, mit denen ich mich schwertue. 

Franz Alt hat den klugen Satz geprägt: „Unsere Annahmestrukturen sind die Gitterstäbe unseres Denkens.“ – Heißt in diesem Zusammenhang, mich freiwillig hinter Gitterstäben einschließen zu lassen, quasi Gefangener meiner selbstgebastelten Weltanschauung zu werden; das will ich unter keinen Umständen.  

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Gelassenheit und Offenheit eine Schlüsselrolle zukommen, wenn es um Veränderung geht. 

Nicht jede technische Erfindung wird die Welt verändern, so wie Autos, Telefone oder Computer es getan haben. Auch nicht jeder gesellschaftliche Trend wird die Welt auf den Kopf stellen. Manches wird ohne viel Aufsehens wieder verschwinden. Einfach so. Deshalb ist Gelassenheit meines Erachtens eine gute Haltung. 

Andererseits wird es sie auch weiterhin geben, die sogenannten „Game Changer“. Gemeint sind jene Errungenschaften, die wesentlichen Einfluss ausüben auf unser Leben. Sie werden sich binnen kürzester Zeit durchsetzen. Ich denke beispielsweise an Handys oder Streaming-Dienste wie Spotify oder Netflix. – Vergangenen Samstag bin ich an den leeren Verkaufsräumen unserer ehemaligen Videothek vorbeigefahren. Unwillkürlich klangen die Worte von Butler Carson in meinen Ohren: „Ein Telefon? Wozu soll das gut sein?” 

Bildquellen

  • Highclere Castle, Hampshire, England, Bild-ID_663012016: Emily Marie Wilson / Shutterstock.com

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