Drei Meter unter Wasser – trocken

Vergangenen Sommer habe ich etwas getan, was ich vorher nicht für möglich gehalten hätte.  

Meine Frau und ich waren bei Freunden in Düsseldorf zu Besuch gewesen und die hatten mit uns einen kleinen Ausflug an den nahegelegenen Rhein unternommen.   

Ein Fluss nahezu ohne Wasser

Sicher erinnern Sie sich an die dramatischen Meldungen vom Herbst 2018. Der Pegelstand war über Wochen und Monate langsam gesunken und hatte nun alarmierende Zustände erreicht.  

Die Rheinschifffahrt war nur noch mit begrenzter Ladung in einer ausgebaggerten Fahrrinne möglich. Wir alle haben die Auswirkungen an den steigenden Rohstoffpreisen gemerkt. Wegen der anhaltenden Trockenheit leistete der Fluss nicht mehr das, wozu er gebraucht wurde: er konnte nicht mehr als  leistungsfähiger Transportweg für große Mengen von Wirtschaftsgütern benutzt werden.  

Nun sind Medienmeldungen das eine. Etwas ganz anderes ist es, wenn man Augenzeuge eines Geschehens wird.  

Erst als ich mitten im Flussbett stand und mir vergegenwärtigte, dass an dieser Stelle normalerweise gut drei Meter Rheinwasser über mir fließen sollten, dämmerte mir das Ausmaß dessen, was sich diesen Sommer in der Natur ereignete.   

Ich möchte dieses Erlebnis in eine bestimmte Richtung weiterdenken.  

Ohne Zuflüsse kein Rhein

Wer Verantwortung trägt, also in irgendeiner Weise leitend in Beruf oder Ehrenamt tätig ist, den kann man mit Flüssen, wie dem Rhein, der Mosel oder dem Main vergleichen.  

Ein Strom von der Größe des Rheins speist sich aus unzähligen kleinen, mittleren und größeren Zuläufen. Ohne diese Flüsse würde der Rhein das bleiben, was er anfangs war: ein kleiner Gebirgsbach vom Tomasee im Kanton Graubünden in der Schweiz.    

Es sind die zahllosen Zuflüsse, die die Größe, Leistungsfähigkeit und Einzigartigkeit des Rheins ausmachen.  

Das System entscheidet

Der Rhein ist mit seinem Einzugsgebiet ein gewaltiges Flusssystem. Es reicht vom Berner Oberland im Süden bis zum Ijsselmeer in den Niederlanden und vom Fichtelgebirge im Osten bis hinter die Ardennen im Westen. Alles hängt zusammen und voneinander ab.  

Bitte erlauben Sie mir, dieses Bild auf Ihr und mein Leben zu übersetzen.  

Auch Ihr Leben speist sich aus einer Vielzahl von Quellen und Zuflüssen. Ihre Vergangenheit und Ihr Umfeld üben enormen Einfluss auf Sie aus. Es gibt viele Faktoren, die Ihr Leben und Wirken prägen und möglicherweise extrem komplex werden lassen.  

Defizite in einem Gebiet können beispielsweise stromabwärts, also später im Leben, gravierende Auswirkungen haben.  

Sorgen Sie auch im kommenden Jahr dafür, dass Ihnen der Zufluss nicht versiegt, sprich, fähige Menschen auch weiterhin in Ihr Leben sprechen.  

Was Sie tun können

Ich sehe mehrere Möglichkeiten:  

  • Treten Sie bewusst heraus aus Ihrer Komfortzone. Erweitern Sie Ihren Horizont durch Menschen, die anders denken und empfinden. Man muss ja nicht gleich deren Überzeugungen annehmen. Es reicht schon die Auseinandersetzung mit ihnen.  
  • Nehmen Sie jeden Menschen erst einmal als das, was er ist: ein Zugewinn für Ihr Leben. Ich schreibe das sehr bewusst, denn ich weiß, dass mancher Zugewinn sich als überaus anstrengend entpuppt. Trotzdem gilt: So wie ein Zufluss die Wassermenge im Rhein vermehrt, wird die Begegnung mit Menschen Ihre Persönlichkeit bereichern.  
  • Nur wenn stromaufwärts ausreichend Nachschub vorhanden ist, fließt am Unterlauf genügend Wasser. Im Oberrhein und Mittel-Rhein wird entschieden, wieviel Last vom Unter-Rhein flussaufwärts befördert werden kann.  
  • Betrachten Sie das Flusssystem des Rheins als Bild für Ihr Leben. Was an der Mündung ins Meer gespült wird, ist zwangsläufig irgendwann vorher in den Fluss gekippt worden. Ihre schaffensstarken Jahren werden Ihr Alter im Guten wie im Schlechten prägen.  

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes und gesegnetes neues Jahr.

Nun noch schnell zu einem anderen Thema:  

Leiterschaft mit Herz

Ich habe ein Angebot für Sie. Zu meinem beruflichen Verantwortungsbereich bei ERF Medien gehören auch die Workshops. Das sind Online-Kurse, die zum Teil gratis, in einigen Fällen aber auch kostenpflichtig angeboten werden.   

Wenn Sie sich mit folgenden Fragestellungen beschäftigen und eine Schippe tiefergraben möchten, dann ist dieser Kurs möglicherweise genau das Richtige für Sie:  

Was macht gute, werteorientierte Mitarbeiterführung aus? Wie können Leiterinnen und Leiter krisenfest werden und Mitarbeiter motivieren?  

Der Kurs ist in erster Linie für Ehrenamtliche in kirchlichen Leitungspositionen gedacht.  

Der Kurs Leiterschaft mit Herz  startet nächste Woche, am 16. Januar. Ich lade Sie zu diesem Kurs ein. Es entstehen keine Kosten für Sie. Hier finden Sie weiterführende Information.

Bildquellen

  • Foto aus dem Flussbett des Rheins bei Düsseldorf: Wolf-Dieter

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