Die vier Säulen eines erfüllten Lebens

Kurz & knapp: Emily Esfahani Smith unterscheidet zwischen flüchtigen Glücksmomenten und dem guten und lange anhaltenden Gefühl, das der Sinn im Leben vermittelt. Sie bezieht unter anderem Forschungen des Psychologen Martin Seligmans in ihre Überlegungen ein. 


Vor einigen Tagen bin ich zufällig auf ein Buch gestoßen, das mich nachdenklich gestimmt hat. Wie das manchmal so ist, hat eins zum anderen geführt. Ehe ich mich versehen hatte, war ich bei einem sehr grundsätzlichen Thema angekommen.

Emily Esfahani Smith ist Psychologin und Autorin. Die Kanadierin wurde in Zürich geboren, lebte viele Jahre in Montreal und später in Washington D.C.  

Sie hat ein interessantes Buch verfasst, das den Titel trägt: »Die vier Säulen eines erfüllten Lebens«, Goldmann Verlag.  Ursprünglichist es als Hardcover unter dem Titel »Glück allein macht keinen Sinn« 2018 im Mosaik Verlag erschienen. 

Nachfolgend fasse ich kurz ihre Gedanken zusammen und ergänze sie durch eigene Beobachtungen. 

Das Problem 

Obwohl der Lebensstandard weltweit wächst, erleben immer mehr Menschen eine innere Leere. Hoffnungslosigkeit, emotionale Verstimmungen und Einsamkeit sind auf dem Vormarsch. Den Grund dafür sieht Smith in einer zunehmenden Anzahl von Menschen, die Sinn in ihrem Leben vermissen. 

Psychologen definieren Glück als einen flüchtigen Zustand, in dem umfassendes Wohlsein erlebt wird. Sinn speist sich jedoch aus einer anderen Quelle. 

Emily Esfahani Smith beschreibt vier Säulen, auf denen ihrer Auffassung nach sinnerfülltes Leben ruht: 

Säule 1: Dazugehören

Dazugehören heißt zweierlei. Zum einen weiß ich mich einer Gemeinschaft verbunden, in der ich mich angenommen fühle. Und zwar brutto. Mit allen Ecken und Kanten. Zum anderen bedeutet es, dass ich mein Gegenüber als das annehme, wer er oder sie ist. 

Zu einer Gruppe dazugehören ist für Kleinkinder ebenso wichtig wie für erwachsene Menschen. Es ist ein zutiefst menschliches Verlangen. 

Wahrhaftes Dazugehören entspringt der Erfahrung von vorbehaltloser Liebe, sagt Smith. 

Säule 2: Die eigene Bestimmung finden

Die zweite Säule, auf der nach Auffassung von Emily Esfahani Smith Sinn ruht, ist das Wissen um die eigene Bestimmung. 

Um ein Gefühl für die eigene Bestimmung entwickeln zu können, ist es hilfreich, wenn ich einerseits ein weitreichendes und stabiles Ziel anstrebe und andererseits den Eindruck habe, dass ich einen Beitrag für die Welt leiste.

Ich schöpfe aus mir selbst und gebe anderen von dem, was ich zum Wohl des Großen und Ganzen beitragen kann. Dabei setze ich meine Stärken und Fähigkeiten ein. Also das, was ich bin und das, was ich kann.    

Säule 3: Transzendenz

Gemeint sind jene seltenen Momente, in denen es mir gelingt, mich über das tägliche Einerlei zu erheben. Ich mache die Erfahrung, dass ich mit etwas Größeren verbunden bin. Indem ich mich dem größeren Anliegen verpflichte, richte ich mein Handeln darauf aus. Was ich tue, wird mit einem Mal sinnvoll (in der Bedeutung von „voller Sinn“). 

Der eine mag in der Beschäftigung mit Kunst Transzendenz erleben. Andere erfahren sie in der Ausübung ihrer Religion oder in der freien Natur. 

Säule 4: Meine Geschichte

Die vierte Säule entsteht aus der Antwort auf die Frage, welche Story ich über mich selbst erzähle. 

Wenn ich mir meiner Lebensgeschichte bewusstwerde, schaffe ich so die Voraussetzung dafür, dass Klarheit darüber entsteht, wer ich bin und wer ich sein will. 

Das Schöne ist, dass ich der Autor meiner eigenen Geschichte bin. Ich kann Einfluss nehmen auf meine Story, sagt Smith. Ich kann sie deuten, umschreiben und ihr sogar ein anderes Ziel geben.  

Wie ich das sehe

Gerade in unserer Gesellschaft, die die Selbstverwirklichung als Tugend feiert, ist es wertvoll, daran erinnert zu werden, dass Menschen nur in der Gemeinschaft Erfüllung finden. 

Als Geschöpf bin ich auf das Du angelegt. Und weil das so ist, kann ich Sinn und Erfüllung in der Regel nur dann erleben, wenn ich mich als Teil eines größeren Ganzen verstehe.

Das gilt auch für meinen Beruf. Nur wenn ich mich für das gemeinsame Ziel einsetze, wird mich dies nachhaltig erfüllen. Wenn ich das einbringen kann, was ich zu geben habe, wird meine Mitarbeit sinnstiftend. Ansonsten bleibe ich innerlich auf Abstand und das Erreichen von Zielen wird zu etwas Seelenlosem. Sinnentleerte Kennzahlen und Scorecards, die mit mir nichts zutun haben. 

Spannend finde ich die vierte Säule. Sie verleiht mir Verantwortung und Würde. Aber sie bürdet mir auch die Verpflichtung auf, die eigene Lebensgeschichte bewusst zu gestalten. – An dieser Stelle verweise ich auf meinen Blog mit dem Titel „Neulich ist mir was passiert.“ 

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