Das Böse mit Gutem überwinden

Manchmal kann ich richtig zornig werden. Wenn mir jemand die Vorfahrt nimmt, beispielsweise mich hintergeht oder ich merke, dass ich über den Tisch gezogen werde. 

Ich bin aber auch gut im Austeilen. Ist erst einmal die rote Linie überschritten, muss ich aufpassen, dass ich in meiner Wut nicht mehr Schaden anrichte, als mir zugefügt worden ist. 

Ärger und Zorn. – Diese Gefühle passen gut zu dem, worum es heute, am 21. Sonntag nach Trinitatis geht: Konflikte und wie man sich angemessen verhält. 

In der Bibel lese ich einen Satz, der aus einem Brief an die Christen in Rom stammt. Der Apostel Paulus hat ihn niedergeschrieben. Im 12. Kapitel rät er seinen Lesern: „Ist es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Vers 18)

Dann fügt er seinem Ratschlag eine Aufforderung hinzu. Die ist als Leitgedanke für diesen Sonntag ausgewählt worden: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, Römer 12,21

Was heißt das? 

Ich habe mich gefragt, was das bedeutet. Muss ich alles runterschlucken, was andere mir antun? Mich gemäß dem Motto verhalten: „Immer schön demütig sein und den unteren Weg gehen?“ 

Nein, ich glaube nicht, dass Paulus das so gemeint hat. Ich muss nicht alles widerspruchslos und unterwürfig hinnehmen. „Kreide fressen“ ist kein Gebot für Christen. Nach meinem Dafürhalten geht es Paulus um etwas anderes. Darauf deutet das Tätigkeitswort „überwinden“ im zitierten Vers hin. 

Ich sehe das so: Wenn ich eine Person oder ein Hindernis überwinden will, dann werde ich mir zunächst einmal bewusst, dass sich mir etwas in den Weg stellt. Weder ignoriere noch verleugne ich das Problem, sondern stelle mich ihm, schaue genau hin und mache mir Gedanken.

Mit anderen Worten, ich agiere nicht aus dem Affekt heraus, sondern besinne mich meiner Werte und Glaubensüberzeugungen. Viktor Frankl hat es einmal so beschrieben: Ich nutze den kurzen Zeitraum zwischen Stimulus (also den Ärger, den ich erlebe) und meiner Reaktion. In diesem Moment blicke ich auf meinen inneren Kompass, anstatt meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Erst danach handle ich. 

Wie ich im konkreten Fall vorgehe, ist dann von der Situation abhängig. Vielleicht muss ich mich unmissverständlich äußern, unter Umständen sogar in den Konflikt reingehen. Es kann aber auch sein, dass ich mich entscheide, Fragen zu stellen. Merke: Wer fragt, der führt! Oder aber ich trete innerlich zur Seite und lasse die Wucht der Attacke an mir vorbei ins Leere rauschen. Schließlich bin ich nicht verpflichtet, jeden Angriff persönlich zu nehmen. – Wie auch immer ich mich verhalte, ich agiere wohlüberlegt.

Der nächste Schritt

In seinem Brief geht Paulus noch einen Schritt weiter. Sein Anliegen ist nicht nur der angemessene Umgang mit dem Konflikt. Er ermutigt mich, das Böse mit Gutem zu überwinden. 

Das heißt, bereits während des Konflikts auf das stark belastete Beziehungskonto einzuzahlen. Und zwar auch dann, wenn der andere noch nicht in der Lage ist, das zu würdigen. 

Warum sollte ich das tun? Was bringt es mir, wenn ich versuche, Böses mit Gutem zu überwinden? Dazu zwei Gedanken. 

  1. Manchmal ist es das einzig Richtige in einer Situation. 
  2. Versöhnte Beziehungen sind die Voraussetzung dafür, dass sich Leben in seiner Schönheit entfalten kann. Versöhnung setzt jedoch ihrerseits die Überwindung des Bösen zwangsläufig voraus. 

Zusammengefasst geht es an diesem Sonntag also um Lebensqualität. Und die sollte nach meinem Dafürhalten alle meine Anstrengung wert sein. 

Bevor wir uns verabschieden: 

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