„Blick heben“ – in Schwäbisch Gmünd

Wenn man in Schwäbisch Gmünd die Konferenzhalle auf dem Schönblick verlässt, sieht man vor sich auf den Steinen einen Spruch angebracht: »Blick heben«.

Soweit mir bekannt ist, wurden die Worte im Rahmen einer Künstlertagung angebracht und erinnern seit einigen Jahren Konferenzbesucher daran, aufzuschauen, wenn Sie das Gebäude verlassen. 

Eine Idee macht Schule

Inzwischen habe ich auch in Köln diesen Spruch entdeckt: Dort macht er „auf die alltägliche Architektur aufmerksam und schärft die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit für Baukultur“, schreiben die Initiatoren Reinhard und Monika Lepel.

Zurück zum Konferenzzentrum Schönblick: Normalerweise rechnet man mit Hinweisen wie »Vorsicht, Stufen« oder »Rutschgefahr«, nicht aber mit der Aufforderung, den Blick zu heben. Aber es stimmt schon: Man ist in Gedanken versunken. Das, was man eben noch gehört hat, arbeitet in einem. Der Blick ist nach unten und innen gerichtet. Jetzt, vor der Ausgangstür ist es Zeit, ihn zu heben, die Umwelt wahrzunehmen, sich dem Leben zu stellen, denn was immer man im Konferenzsaal an Impulsen mitbekommen hat, das will und muss »ins Leben«.

Mein Führungsalltag verlangt von mir zügiges und umsichtiges Handeln. Ich muss mich konzentrieren, genau hinschauen, Details beachten, ohne komplexere Zusammenhänge zu vernachlässigen und in der Lage sein, schnell zu reagieren. Infolgedessen verengt sich mein Blick, die Wahrnehmung auf einen kleinen Ausschnitt.

Warum den Blick heben? 

Da stellt sich schnell die Frage: Warum sollte ich den Blick heben? Hier eine Auswahl von fünf Gründen:

  1. Mit erhobenem Blick weitet sich die Perspektive. Angesichts des größer werdenden Gesichtsfelds schrumpft das, was mich beschäftigt, auf ein gesundes Maß.
  2. Den Blick heben hilft mir, Abstand zu dem zu gewinnen, was mich vereinnahmen will.
  3. Wenn ich den Blick hebe, kann ich Neues entdecken, nehme Menschen um mich herum wahr. Begegnungen werden möglich, die das Potenzial in sich tragen, mich zu bereichern.
  4. Den Blick heben macht mich auf Gefahren aufmerksam, die in meinem »toten Winkel« lauern.
  5. Als gläubiger Mensch erlebe ich das Aufblicken als wohltuenden Moment. Ich erkenne mich als einen geliebten Menschen, der seinen Platz und seine Aufgabe in dieser Welt hat und dabei nicht allein ist.

Wie kann dieses »Blick heben« aussehen?

Es gibt Situationen, in denen es völlig ausreicht, kurz aufzuschauen und sich zu orientieren. Andere Momente machen es erforderlich, innezuhalten: Wenn ein riesiger Schwarm Kraniche übers Haus gen Süden fliegt. Der Blick auf eine herrliche Gebirgslandschaft, der mir den Atem stocken lässt oder winzige Tauperlen an einem Spätsommermorgen, die ein Spinnennetz in ein Kunstwerk verwandeln. Kurz, die besonderen Momente des Lebens.

Gelegentlich kann es richtig sein, einige Stunden, einen Tag oder sogar ein Wochenende dem »Blick heben« zu widmen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, dass ich am Anfang eines Quartals mir bewusst Zeit nehme, die vergangenen drei Monate zu reflektieren.

Ich möchte Ihnen Mut machen. Heben Sie heute den Blick bewusst. Treten Sie einen Moment innerlich zurück. Gönnen Sie sich das größere Bild. Und wenn es Ihrer Glaubensüberzeugung entspricht, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was droben ist. Es wird Ihnen guttun, da bin ich mir sicher.

Ein kleiner Hinweis in eigener Sache

Sonntags veröffentliche ich oft kurze Impulse zu spirituellen Themen. Dabei orientiere ich mich am Kirchenjahr. Ich greife aktuelle Themen auf oder schreibe einfach über das, was mir wichtig ist. Wenn Sie Interesse haben, mehr zu lesen, dann schauen Sie hier vorbei.

Bildquellen

  • 20120121_132943: privat

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