Bin ich langweilig?

Das ist eine Frage, die sich vor allem Teenager stellen: Bin ich langweilig? Es gibt wenig, was für Jugendliche schlimmer zu sein scheint, als das soziale Stigma der Langweile.

Aber – was für junge Menschen gilt, sollten sich auch ältere Menschen immer wieder einmal fragen, vor allem, wenn Sie Verantwortung tragen: Was zeichnet einen langweiligen Menschen aus?

Hier eine kleine Auswahl an Merkmalen, die mir wichtig erscheint:

Langweilige Menschen beteiligen sich nicht am Gespräch

Sicher kennen Sie solche Menschen. Mit ihnen lässt sich kein Gespräch führen. Hier mal ein Satz oder dort ein Ja, vielleicht ein Nein, das scheint alles zu sein, was diese Leute beizutragen haben.

Ich möchte an dieser Stelle ein paar Einschränkungen machen, denn es gibt ein paar Situationen, in denen man schmallippig werden kann. Zwei Beispiele aus meinem eigenen Leben:

  1. Wenn ich müde bin, werde ich schweigsam.
  2. Wenn das Thema soweit von meiner Lebenswirklichkeit oder meinen Interessen entfernt ist, dass ich einfach nichts zu sagen weiß, ziehe ich mich aufs Zuhören zurück oder schalte ganz ab.

Wenn Sie bei sich beobachten, dass Sie grundsätzlich am Gespräch nicht teilnehmen, sollten Sie sich überlegen, wie Sie das ändern können. Weiter unten habe ich ein paar Vorschläge für Sie.

Ich, mich, mein und mir – Herr, segne uns vier!

Die Rede ist von Menschen, die sich kommunikativ so verhalten, als seien sie der Fixstern, um den sich alle anderen quasi als Planeten zu drehen haben. Permanent geht es nur um sie und ihre Belange.

Weil es anstrengend ist, solchen Menschen dauerhaft zuzuhören und ihr Verhalten außerdem noch den üblichen sozialen Gepflogenheiten widerspricht, checken Gesprächspartner früher oder später innerlich aus. Der Vielredner mutiert zum Ventilator, der ungebeten vor sich hin bläst.

Negative Menschen

Menschen sind neugierig und natürlich gilt der journalistische Grundsatz: Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.

Sicher kennen sie den Klassiker: Hund beißt Postboten – keine Nachricht. Postbote beißt Hund – Schlagzeile.

Einmal abgesehen von unserer menschlichen Neugierde gibt es eine Verhaltensweise, die auf die Dauer Langweile verbreitet: ständiges Nörgeln und Jammern. Irgendwann ist der “Empathietank” leer und spätestens dann schwindet die Lust, dem Gegenüber weiter Beachtung zu schenken.

Vielleicht kennen Sie den Spruch: Die Klage ist es Kaufmanns Gruß. – Nach meinem Dafürhalten eine treffende Charakterisierung einer Berufsgattung, deren Äußerungen man irgendwann nicht mehr ernst nimmt, weil sie vorhersehbar sind.

Paragraph 1: Der Chef hat Recht…

Sicher kennen Sie dieses Phänomen: Führungskräfte sind von sich selbst und ihrer Sicht der Dinge überzeugt und tun das allseits kund. Dieses Phänomen führt direkt in die Langweile. Warum? Weil jeder weiß, was kommt: Ein ernsthafter Austausch ist nicht vorgesehen, häufig überhaupt nicht gewünscht. Also zieht man sich aufs Schweigen zurück oder, schlimmer noch, stellt auf Durchzug.

Hand aufs Herz: Wünschen Sie sich diese Haltung bei Ihren Mitarbeitern? Ich glaube nicht! Deshalb:

Was kann ich tun, um Langeweile vorzubeugen?

Machen Sie eine Bestandsaufnahme. Beginnen Sie damit, sich selbst zu beobachten. Seien Sie ehrlich und ziehen Sie ggf. die nötigen Konsequenzen.

1. Achten Sie auf “Köder”

Wie ein Angler legen Menschen “Gesprächs-Köder” aus. Ich meine Informationshäppchen, die dazu dienen sollen, einen Dialog in Gang zu setzen.

Lassen Sie sich darauf ein. Ihr Gegenüber wird (unbewusst) dankbar sein.

2. Stellen Sie Fragen

Achten Sie darauf, dass Sie das Gespräch nicht an sich reißen. Das können Sie beispielsweise erreichen, indem Sie Fragen stellen. Das hat den Vorteil, dass Sie nicht nur jede Menge Information von und über Ihr Gegenüber erfahren. Mehr noch, Ihr Gesprächspartner wird Sie als aufgeschlossen und interessiert erleben. Damit vermitteln Sie genau das Gegenteil von Langeweile.

Bei dieser Gelegenheit: Hüten Sie sich vor allzu schnellen Bewertungen.

3. Halten Sie Gesprächspausen aus

Das braucht ein bisschen Übung, vor allem für stark extrovertierte Menschen ist das herausfordernd. Aber es ist gut, wenn Sie Pausen zulassen. Denken Sie an Musik: Die gekonnte Positionierung und Länge der Pausen macht ein Musikstück erst interessant!

4 Finden Sie heraus, was Ihrem Gegenüber wichtig ist

Wenn Sie das tun, werden Sie erleben, die sich Ihr Gesprächspartner mit einem Mal öffnet. Sie werden unter Umständen Dinge erfahren, die Sie verblüffen. Quasi als Nebeneffekt werden Sie als ein interessanter Mensch wahrgenommen.

Ich fasse zusammen:

5. Machen Sie Ihr Gegenüber zum Helden

Anstatt selber als Held aufzutreten, empfehle ich Ihnen, Ihr Gegenüber zum Helden zu küren. Richten Sie Ihre ehrliche Aufmerksamkeit auf den Anderen. Teilen Sie Bühne und Rampenlicht für einen Moment.

Wenn Ihnen das gelingt, werden Sie garantiert nie als langweiliger Mensch erlebt. Im Gegenteil, man wird Ihnen Interesse bescheinigen, Sie als bemerkenswerten Menschen erleben.

Bildquellen

  • Bild-ID 1302585145: shutterstock.com

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