Ausreden

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Transkript

Wenn es etwas gibt, das mich persönlich ärgert, dann sind das faule Ausreden. Ich frage mich dann: Warum haben die Leute nicht den Mut, die Wahrheit zu sagen? Was steckt hinter ihrem Verhalten? Manchmal geht es so weit, dass ich mich regelrecht gekränkt fühle. 

Ich hatte neulich wieder einmal eine solche Situation. Die hat mich zum Nachdenken gebracht, weil ich bei mir ein ähnliches Verhalten entdeckt habe.  

Hier ist eine Auswahl von vier typischen Ausflüchten, Redewendungen, die ich vorgeschoben habe, wenn jemand von mir etwas wollte. Heute weiß ich, dass das nicht gut war, denn es waren Ausreden. Ich habe das gewusst und meine Gesprächspartner haben’s oft geahnt. 

1. “Ich muss …”

Kein Thema: Manchmal mussman tatsächlich etwas tun und kann sich deshalb nicht um eine Bitte kümmern. Aber, Hand aufs Herz, das ist doch eher selten der Fall. Die Redewendung “ich muss” gaukelt eine Alternativlosigkeit vor, die in Wahrheit nicht besteht. Es scheint leichter zu sein, sich hinter irgendwelche Sachzwänge zurückzuziehen, als beispielsweise jemandem einen kleinen Gefallen zu tun. 

Ich habe hin und wieder Regeln vorgeschoben oder Zwänge angeführt, die eigentlich keine Zwänge waren. Wäre ich ehrlich gewesen, hätte ich sagen müssen: “Ich habe keine Lust”  oder “Das ist mir im Moment zu viel.”

2. “Ich kann nicht …”

Diese Ausrede geht in die gleiche Richtung. Mein persönliches Unvermögen dient hier als Ausflucht, obwohl ich – hätte ich gewollt – die Bitte mit Leichtigkeit (oder mit ein bisschen Anstrengung) hätte erledigen können. Stattdessen zeige ich mich hilflos und spekuliere sogar auf ein bisschen Mitleid. 

3. “Ich hatte keine Gelegenheit dazu …” 

Bei dieser Ausrede bemühe ich meinen vollen Terminkalender. Das Raffinierte an dieser Ausrede ist, dass sie teilweise wahr ist. Ich habe tatsächlich viel zu tun. 

Aber, und das ist die andere Seite, ich hätte in Wirklichkeit durchaus Gelegenheit finden können, wäre mir das Anliegen des anderen wichtig gewesen. In Wahrheit ist es doch so, dass mir andere Dinge wichtiger waren. 

Vielleicht kennen Sie das ja aus Ihrem eigenen Leben: Für das, was ich wirklich will, finde ich immer die nötige Zeit. 

4. “Ja, ich übernehme das …”

Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die es gerne anderen recht machen möchten. Deshalb lasse ich mir Aufgaben aufbürden, die mich bzw. mein Zeitbudget überfordern. Die Folge ist, dass ich ins Schleudern gerate. Anderes bleibt liegen oder kann nicht mit der erforderlichen Sorgfalt erledigt werden. 

Manchmal bin ich versucht, Ja zu einer Aufgabe zu sagen, bloß um aus der Situation herauszukommen. Gar nicht gut! 

Worum es mir eigentlich geht

Ich plädiere für ein bisschen mehr Ehrlichkeit. – Das muss ich mir selber predigen, denn ich weiß: Externe Gründe sind selten das Problem. In Wahrheit geht es um meine Prioritäten. 

Ich finde, das darf, ja, sollte unser Gegenüber ruhig wissen. Sie und ich haben bestimmte Maßstäbe, anhand derer wir unsere Zeit und Kraft einteilen. Wir dürfen erwarten, dass unser Gegenüber das respektiert. 

Wie wäre es mit folgenden Antworten?

1. Bei einem Interessenskonflikt 

Wenn der Chef mit einer bestimmten Aufgabe kommt, die er sofort erledigt haben will, kann man ihm mit einer Bitte begegnen. Etwa so: “Auf meiner Agenda steht XY als nächstes an. Wenn ich Ihren Wunsch beherzige, muss ich das, was ich erledigen soll, zurückstellen. Das könnte folgende Auswirkungen haben.” Und dann erläutern Sie Ihre Situation und welche Auswirkungen es haben würde, wenn Sie die Bitte des Chefs vorziehen. Nehmen Sie ihn mit in die Verantwortung. 

Ich kenne das aus der eigenen Erfahrung: Manchmal ist es einfach bequemer, jemand anderes an eine Aufgabe zu stellen, weil man meint, so das Problem vom Tisch zu haben. Wenn einem aber die Konsequenzen vor Augen geführt werden, ändern sich die Dinge.

2. Bei fehlender Fachkompetenz

Es kostet Mut, einem Vorgesetzten zu sagen, dass man in der einen oder anderen Angelegenheit nicht über die notwendige Fachkenntnis verfügt. Je nachdem, wie die eigene Persönlichkeit beschaffen ist, kann einen das zu schaffen machen. Man befürchtet, dass das einem nachteilig ausgelegt werden könnte.

Aber, ist es nicht besser, wenn Sie auf jemanden verweisen, der für die Bearbeitung der Aufgabe der oder die Geeignetere ist?  

3. Nein ist ein kompletter Satz

Ich muss mir das immer wieder vor Augen halten. Ein freundliches und gut begründetes Nein kann absolut in Ordnung sein. Wenn ich nicht über die ausreichenden Ressourcen verfüge oder das Anliegen des Chefs ethische Grenzen überschreitet, ist ein – wohlgemerkt – freundliches, aber klares Nein die beste Antwort. Und das auch dann, wenn ich mit nachteiligen Konsequenzen rechnen muss. 

Die persönliche Integrität ist ein hohes Gut. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass in den meisten Fällen eine ehrliche Antwort beim Gegenüber Respekt auslöst; jedenfalls mehr als eine unglaubwürdige Ausrede.

Der erste Schritt

Werden Sie sich darüber klar, was Ihnen wichtig ist. Was sind Sie bereit aufzugeben, zu investieren oder an Mehrbelastung zu tragen? Wägen Sie das mit den berechtigten Interessen Ihres Gegenübers ab. Signalisieren Sie Wertschätzung, aber bleiben Sie konsequent in der Sache. 

Bildquellen

  • 600472094: www.shutterstock.com

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