Aus der deutschen Provinz an die Weltspitze

Ich habe neulich über diesen Mann geschrieben und will es heute noch einmal tun, denn ich bin der Überzeugung, dass man von ihm und seiner Haltung viel profitieren kann.

Von Horst Schulze, dem Mitgründer und langjährigen Präsidenten der Luxushotelkette Ritz-Carlton und Gründer der Ultraluxushotels Capella Hotel Group stammt der Satz: „Wir sind Damen und Herren, die Damen und Herren bedienen.“ Gemünzt war dieser Satz auf seine Mitarbeiter. Und zwar auf alle, von der Chefetage bis zum Reinigungspersonal. 

Mich hat dieser Satz nicht zuletzt deshalb beeindruckt, weil er nicht einer Sonntagsrede entstammt, sondern für Horst Schulze seit vielen Jahrzehnten gelebter Alltag ist.

Von ganz unten nach ganz oben

Der Mann, der diesen Satz geprägt hat, stammt aus Winningen an der Mosel und hat es mit einem Hauptschulabschluss bis nach ganz oben im Hotelgewerbe geschafft. Zweimal wurde Horst Schulze von amerikanischen Präsidenten mit dem „Malcolm Baldrigde“ Wirtschaftspreis ausgezeichnet.

Ich finde, einem Mann mit dieser Lebensleistung sollte man zuhören, auch wenn das, was er zu sagen hat, zunächst ungewöhnlich klingt.

Was fürs Hotelgewerbe mit seiner naturgemäß hohen Personalfluktuation gilt, trifft in abgewandelter Weise auch auf andere Branchen zu.

Wie schafft man es, nicht einfach nur Angestellte zu beschäftigen, die sich in ihrem Job dann irgendwie „anstellen“? Wie schafft man es, Mitarbeitern so viel Achtung und Wertschätzung entgegenzubringen, dass sie eben diese Wertschätzung verinnerlichen und zum Motto ihres eigenen Handelns machen? 

Einen ersten Hinweis habe ich erhalten, als ich mitbekam, dass Mitarbeiter für Horst Schulze keine Funktion ausüben. Das überlässt er beispielsweise Stühlen, die die Funktion haben, dass man auf ihnen sitzt. „We hire a human being to be part of dream and part of a vision“, sagt Schulze:  „Wir stellen Menschen ein, damit sie Teil eines Traums und einer großartigen Vision werden.“

Des Pudels Kern

Nach meinem Dafürhalten beginnt alles mit dem inneren Kompass der Führungskraft. Ihr Weltbild und ihr Menschenbild prägen, was sie denkt und wie sie handelt.

In einem Interview mit Horst Schulze hat Andy Stanley einmal gestanden, dass er an zwei Schulungsterminen mit Schulze teilgenommen hat. Im ersten Fall war es ein Treffen mit Mitarbeitern, die einfache Aufgaben zu verrichten hatten, im anderen Fall Führungspersonal. Stanley fiel auf, dass Horst Schulze in der Lage war, sich in beiden Fällen auf sein Publikum einzustellen und so Rapport zu schaffen. Mehr noch, er segelte nicht als der große Chef zur Tür herein, um eine Ansage zu machen und dann wieder zu entschwinden. Nein, er erarbeitete mit den Mitarbeitern deren Handlungsprinzipien.

Seinen Mitarbeitern prägt Horst Schulze ein: „Wir haben Sie nicht einfach nur angestellt. Wir haben Sie sorgfältig ausgewählt.“ Und dann beginnt er den Zuhörern zu vermitteln, was sich so zusammenfassen lässt: Aus Angestellten müssen Teilhaber am Unternehmen werden. Warum? Weil Angestellte tun, wozu sie angestellt sind. Teilhaber hingegen haben einen größeren, verantwortungsvollen Blick für die Belange des Unternehmens. 

Der Ausgangspunkt

Das Menschenbild, das Horst Schulze über Jahrzehnte geleitet hat, findet sich auf den ersten Seiten der Bibel wieder. Dort heißt es, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf: 1. Mose 1,27 .

Wenn diese Sicht mein Denken prägt, wird es Auswirkungen auf mein berufliches Handeln haben. Denn wenn alle Menschen nach dem Bilde Gottes geschaffen sind, bedeutet das zweierlei:

  1. Meine Mitarbeiter sind vom Allerhöchsten geadelt. Sie sind nicht irgendwer, sondern ein Ausdruck Gottes in dieser Welt. Das wiederum prägt die Haltung, mit der ich meinen Mitarbeitern gegenübertrete.
  2. Meine Bedeutung schrumpft zusammen auf eine temporäre Rolle, die ich einnehme, weil sie mir vorübergehend anvertraut worden ist. Und das kann ganz schön ernüchternd sein. 

Fazit

Sich aufs Geldverdienen zu konzentrieren, ist in den Augen von Horst Schulze zu kurz gesprungen. Nach seiner Auffassung sollte man sein Augenmerk darauf richten, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass man Geld verdienen kann. Und dazu gehört an erster Stelle, die Menschen zu stolzen Teilhabern des gemeinsamen Unternehmens zu machen. 

3 Fragen zum Weiterdenken

  • Wie begegnen Sie Ihren Mitarbeitern? 
  • Fühlen sich die Mitarbeiter Ihres Teams, der Unternehmensgruppe, für die Sie Verantwortung tragen oder der Organisation, der Sie vorstehen, als Teilhaber oder haben sie eine Angestelltenmentalität?
  • Wenn Letzteres der Fall ist, was müssen Sie ändern, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, die Ihre Mitarbeiter zu Teilhabern werden lassen? 

Lesetipps:

  • Der Stern hat ein schönes Porträt von Horst Schulze gezeichnet. Klicken Sie hier, um es zu lesen.
  • Horst Schulze hat in diesem Jahr ein Buch veröffentlicht, in dem er über sein Leben, seine Erfahrungen und Überzeugungen schreibt. Es trägt den Titel Excellence Wins und ist für 15,74 € erhältlich. Das Buch liegt derzeit leider nur in Englisch vor. 

Bildquellen

  • : Horst Schulze, Breidenbacher Hof

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