Anstellungskriterien aus dem amerikanischen Profisport

Wenn Lysa TerKeurst[1] neue Mitarbeiter anstellen will, schlägt sie einen ungewohnten Weg ein. Sie sagt von sich selbst, dass sie diese Methode aus dem Sport von den Talent-Scouts diverser Profimannschaften übernommen hat. Ihre Methode lässt sich auf zwei Worte reduzieren: und, aber.  

Von Talent-Scouts lernen

Unter amerikanischen Talent-Scouts ist es üblich, die sportlichen Fähigkeiten und sonstige wissenswerte Information auf einer Seite zusammenzufassen. 

Zunächst einmal werden die Fakten präsentiert, also der sportliche Werdegang, besondere Stärken und Erfolge. Im unteren Teil des Bewertungsbogens steht unter der Rubrik Verschiedenes weitere Information.  Lysa TerKeurst nennt diese Information die Und- und die Aber-Faktoren. 

Ein paar Beispiele 

  • Spieler A ist ein Offensiv-Mann, der schnell auf Defensiv umschalten kann und dabei immer mit Umsicht zu Werke geht.
  • Spieler B arbeitet zielstrebig und hat einen motivierenden Einfluss auf seine Mannschaftskameraden.  
  • In Spieler X steckt großes sportliches Potenzial, das aber noch entwickelt werden muss.
  • Spieler Y hat ein extrovertiertes Wesen, aber es fällt ihm schwer, sich unterzuordnen.   
  • Spieler Z ist laufstark, hat aber in der Vergangenheit mit Problemen am  Meniskus laboriert.    


Was “und” und “aber” über einen Kandidaten aussagt

Die Unterscheidung zwischen “Und”-Kandidaten und “Aber”-Kandidaten ist bei der Einstellung deshalb wichtig, weil “Aber”-Kandidaten in der Regel mehr Betreuungsaufwand erfordern. 

Deshalb sagt Lysa TerKeurst, dass sie, sobald sie ein deutliches “aber” liest,  genau hinschaut und sich die Frage stellt, ob die anderen Qualifikationen des Kandidaten es rechtfertigen, das “Aber” in Kauf zu nehmen. Im Regelfall kommt sie zu dem Schluss, dass das nicht der Fall ist und trifft dann eine Entscheidung zu Ungunsten des Kandidaten. 

Mich hat Lysa TerKeursts Methode nachdenklich gestimmt. 

Fachkompetenz lässt sich im Bedarfsfall antrainieren. Dafür gibt es Mittel und Wege. Anders ist es bei den sogenannten “Softskills”, den Kopfnoten, die man aus der Schulzeit kennt. Die lassen sich nicht auf Fortbildungen vermitteln. Sie entstehen durch Prägung.  

Ich denke beispielsweise an vorteilhafte Charaktereigenschaften, wie Verlässlichkeit oder Ehrlichkeit, aber auch an soziale Fertigkeiten. – Vielleicht wird klarer, was ich meine, wenn ich den Spieß umdrehe und frage: Was nützt ein kompetenter Spezialist, der nicht teamfähig ist? 

Ich glaube, dass Lysa TerKeurst Recht hat. “Und”- und “Aber”- Faktoren haben ihren Platz. Sie sind eine wertvolle Ergänzung, um eine gute Personalentscheidung zu fällen. Mehr noch, sie können helfen, viel Geld zu sparen.  


[1] Lysa TerKeurst ist amerikanische Unternehmerin. Sie ist Gründerin und Präsidentin von Proverbs 31 Ministries.

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