Warum Sicherheitsdenken nicht immer gut ist

Vor einem Jahr habe ich einen Blog über das Thema Risiko verfasst. Dabei beschrieb ich das Beispiel zweier leichtsinniger Piloten, die meinten, ein Risiko eingehen zu können und das mit ihrem und mit dem Leben etlicher Passagiere bezahlt haben. 

Heute will ich von einer anderen Seite aufs Thema schauen. Denn Risiko muss sein. 

Wer es nach innen zu locker angehen lässt, wird bald Stagnation erleben

Ich gehöre zu denen, die gerne das Risiko überschauen. So habe ich mich schon als Kind verhalten. Lange habe ich die Theorie vertreten, dass es die Vorsichtigen waren, nicht die Draufgänger, die diese Welt vorangebracht haben. 

Aber Vorsicht kann dazu verleiten, dass ich mir angewöhne, die Anstrengung und auch das gelegentliche Risiko zu meiden. Die Folge sind Stagnation und Rückschritt. 

Das gilt für den Körper ebenso wie fürs Arbeiten im Team. Ich muss mir selbst etwas zumuten. Nur wenn ich meine Muskeln regelmäßig fordere, entwickle ich Kraft und Ausdauer. Ähnliches gilt für Teams. Sich für ein attraktives Ziel strecken und anstrengen zu müssen, tut gut. 

Auf Nummer sicher gehen bedeutet ein hohes Risiko einzugehen

Allgemein verbreitet ist die umgekehrte Auffassung: Wer nicht auf Nummer sicher geht, spielt mit dem Risiko. Aber das ist falsch. 

Auf Nummer sicher gehen, heißt, ich bewege mich auf bekanntem Terrain und schließe bewusst Neues aus. In unserer schnelllebigen Welt ist das ein Rezept für garantiertes Scheitern. 

Aber ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass ein allzu defensives Agieren den Schwung unterbindet, der notwendig ist, um vorwärtszukommen. 

Die versteckte Botschaft an die anderen

Für einen begrenzten Zeitraum defensiv zu agieren, also bewusst das Risiko zu meiden, mag richtig sein.  So kann es angebracht sein, nach einer herausfordernden Phase die Dinge etwas entspannter anzugehen.

Dauerhaft sende ich eine fatale Botschaft. Mein Verhalten wird dahingehend interpretiert, dass ich mit den aktuellen Verhältnissen zufrieden bin und kein Interesse an einer weiteren Entwicklung oder Verbesserung habe. Das kann Mitbewerber auf den Plan rufen und mich langfristig in eine schwierige Lage bringen. 

Wer ausschließlich auf Sicherheit setzt, arbeitet hart. Aber hat er Erfolg?

Ich behaupte, dass man durchaus erfolgreich sein kann, wenn man hart arbeitet und dabei ausschließlich auf Sicherheit setzt. 

Allerdings glaube ich, dass ich ohne den bewussten Schritt ins Risiko keine nennenswerten qualitativen Fortschritte erzielen kann. 

Wie meine ich das? 

Denken Sie an die Mönche, die über Jahrtausende in mühevoller Arbeit Manuskripte abschrieben. Diese Kopiermethode sorgte für die detaillierte, nahezu fehlerfreie Weitergabe von Information. Ein zweiter Vorteil: Schriftliche Information blieb wenigen vorbehalten. 

Die Druckerpresse hob die Informationsweitergabe auf eine neue Qualitätsstufe. Allerdings war das mit einem hohen Risiko verbunden. Denn mit einem Mal konnten sich unerwünschte Inhalte in Windeseile verbreiten. – Johannes Gutenbergs Druckerpresse sorgte dafür, dass sich die reformatorischen Gedanken von Luther, Zwingli und Calvin in ganz Europa verbreiten konnten.   

Die nette Geschichte eines Risikos

Zum Abschluss ein schönes Beispiel dafür, dass man auch mal das Sicherheitsdenken hinter sich lassen und ins Risiko gehen ein Risiko eingehen darf: 

Als am 7. Dezember 1835 die Lokomotive Adler der Königlich privilegierten Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft zum ersten Mal mit circa 200 Ehrengästen von Nürnberg nach Fürth verkehrte, läutete sie den Siegeszug der Eisenbahn ein. Um 9 Uhr wurde das Startsignal gegeben: Ein Kanonenschuss am Nürnberger Ludwigsbahnhof. Dann brauste der Zug mit 28 km/h die 6 km Distanz von Nürnberg ins benachbarte Fürth. Er benötigte dazu sensationelle 9 Minuten. Eigentlich hätte die Dampflok sogar 65 km/h geschafft, aber das hielt man zu diesem Zeitpunkt für zu gefährlich. 

Begleitet wurde das Ereignis von Warnungen einiger Mediziner. Sie äußerten Bedenken hinsichtlich der für Menschen unnatürlich hohen Geschwindigkeit. Das könnte der Gesundheit schaden, orakelten die Experten. – Wer trotz gut gemeinten medizinischen Rats die Waggons des Adlers bestieg und dabei das vermeintliche gesundheitliche Risiko einging, erlebte am eigenen Leib die Vorteile der revolutionären Idee des Zugverkehrs. 

Neulich fiel mein Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige. Ich war im ICE mit 247 km/h irgendwo zwischen Hannover und Berlin unterwegs. – Mein (nach Meinung der Ärzteschaft vor 180 Jahren) unvorstellbar leichtsinniger Umgang mit der eigenen Gesundheitentpuppte sich für mich als entspannte Reiseform, die mich nicht nur pünktlich an mein Ziel beförderte. Mehr noch, sie war deutlich gesünder als die Alternative (einer Autobahnfahrt bei ähnlichem Tempo).

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