HERR, höre mich, wenn ich rufe 

Podcast: „Herr, höre mich, wenn ich rufe“

Wichtige Leute kennzeichnet, dass sie nur schwer zu erreichen sind. Ihre Mobilnummer ist üblicherweise geheim und der telefonische Zugang im Büro wird im Vorzimmer sorgfältig überwacht. E-Mails werden gelesen und ggf. aussortiert, bevor sie auf dem gewünschten Bildschirm erscheinen. Wohl dem, der mit dem Vorzimmer des Chefs gut kann!

Jedes Wort muss sitzen

Bekommt man dann ein paar Minuten Audienz, empfiehlt es sich, bestens vorbereitet zu sein. Gefragt ist jetzt Prägnanz. Dementsprechend sollte das Anliegen klar strukturiert und überzeugend vorgetragen sein.

In Managementkreisen ist die Rede vom sogenannten Elevator-Pitch, einer Präsentation im Fahrstuhl, während dieser ein paar Stockwerke nach oben rauscht. 

In der Filmbranche sind solche Kurzpräsentationen ebenfalls bekannt. Die Zauberformel für die Vorstellung einer Filmidee lautet: „Beginne mit einem Erdbeben und führe zum Höhepunkt … präsentiert in 120 Sekunden.“ 

Läuft das bei Gott ähnlich ab? Muss ich damit rechnen, dass der Schöpfer dieser Welt, weil er sich um so viele Anliegen kümmern muss, nur einen halben Moment Zeit erübrigen kann? Einen spirituellen Elevator-Pitch vielleicht? 

Gott, wie er mir in der Bibel begegnet, scheint anders zu sein. Er hat Zeit. Viel Zeit. David, eine der großen Persönlichkeiten des Alten Testaments, traute sich, ihm mit einer Bitte gegenüberzutreten: 

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ bete er in Psalm 27, Vers 7.

Eine besondere Beziehung

Seit grauer Vorzeit ist es üblich gewesen, sich einer vorgestellten Gottheit mit Geschenken zu nähern. Das übernatürliche Wesen erst einmal gewogen stimmen, bevor man mit dem eigenen Anliegen herausrückt. Ich finde es bemerkenswert, dass sich David völlig anders verhält. Er spricht den Allmächtigen in vertrautem Ton an. Gerade so, als würden sich beide, David und Gott schon lange kennen. 

Überhaupt, Psalm 27, aus dem ich das obige Zitat entnommen habe, lässt tiefe Einblicke zu in das Verhältnis Davids zu seinem Gott. Er spricht davon, dass Gott sein Licht ist. David sich wie auf einer Burg geborgen fühlt. Schutz empfindet. David beschreibt sein Lebensgefühl so: „Er, Gott, stellt mich auf einen hohen Felsen, unerreichbar für meine Feinde ringsumher.“ Vers 5

David geht sogar so weit, dass er Gott an dessen Zusagen erinnert. In Vers 8 klingt das so: „Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.“ 

Mehr als Schall und Rauch 

Nun ist es eine Sache, im Gebet Wünsche und Bitten zu äußern. Eine andere ist es, herauszufinden, ob diese von Gott beantwortet wurden. 

In meiner Beschäftigung mit Davids Biografie bin ich zu dem Schluss gekommen, dass er tatsächlich göttlichen Segen empfangen hat. Immer wieder hat Gott ihm in notvoller Lage zur Seite gestanden oder ihm vergeben, wenn er Schuld auf sich geladen hatte. 

Das Urteil der nachfolgenden Generationen über Davids Glauben und Leben lautete so: Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes. 

Ja, David hatte Ecken und Kanten, war weit weg davon, ein makelloser Heiliger gewesen zu sein. Aber er war ein aufrichtiger Mensch gewesen. Jemand, der versucht hat, der Spannung zwischen Gottes Anspruch und seinem Leben irgendwie gerecht zu werden. 

Und ich?

Was hat das mit mir zu tun? Kann ich für heute etwas mitnehmen? 

Da ist zunächst einmal der Bibelvers aus Psalm 27, Vers 7, den ich Einganges zitiert habe: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ 

Christen sind davon überzeugt, dass sie durch Jesus Christus Gott in gleicher Weise ansprechen können. In seiner Bergpredigt, die im Matthäus-Evangelium in den Kapiteln 5 bis 7 niedergeschrieben wurde, ermutigt Jesus seine Anhänger mit den Worten „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Matthäus 7, Verse 7 und 8

Nun kann ich mir vorstellen, dass nicht jeder, der diese Zeilen liest, mit dem Glauben, geschweige denn mit Gebet etwas anfangen kann. Deshalb möchte ich an dieser Stelle kurz erläutern, dass es nicht um religiöse Übungen geht, etwa dem Vortragen von vorformulierten Gebetstexten.

Das Gebet ist mehr. Es gleicht dem Ein- und Ausatmen. Ich lasse los und nehme auf. Ich gebe ab und empfange. Ich äußere Bitten oder Danksagungen und höre aufmerksam zu. Es ist also eine Beziehungsform, in der wechselseitig gegeben und empfangen wird. 

So weit meine Gedanken zu Psalm 27, Vers 7. Ich möchte mich für heute von Ihnen mit einem Segensgebet verabschieden. Es ist mein Wunsch, dass es sie in diesen Tag und in die kommende Woche begleitet. 

Ein Segensgebet für die Woche

Der Herr segne und behüte dich. Er lasse sein Antlitz über dir leuchten und schenke dir seinen Frieden. Er erfülle dich mit seiner Liebe. Er sei in dir als die Quelle, die nie versiegt. Er sei unter dir als die Hand, die dich hält. Er sei über dir als ein schützendes Dach, das alles Bedrohliche von dir abhält. Er sei in deiner Schwäche und in deiner Kraft, in deiner Ohnmacht und in deiner Hoffnung. Er sei mit dir, wohin dein Weg auch geht. Er durchdringe dein Herz mit seiner zärtlichen Liebe. Amen.⁠1

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Tag. Bleiben Sie behütet! Bis zum nächsten Mal. 

P. S.: Wussten Sie, dass ich neben den kurzen spirituellen Texten auch über andere Themen schreibe? Ich habe meine Artikel in die Kategorien Leiten, Leben, Produktivität und persönliche Entwicklung geordnet. Klicken Sie oben auf der Seite auf den entsprechenden Reiter. 


Dieser Segensspruch wird dem Benediktiner Anselm Grün zugeschrieben.

Bildquellen

  • pexels-luis-quintero-2258248: Foto von Luis Quintero von Pexels

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