Erfolgreich und doch die Zukunft verpasst

Mit 8 Jahren habe ich meine erste Kamera geschenkt bekommen, eine Kodak Instamatic 220. Es war genau das richtige Geschenk für einen Knirps wie mich, um das Fotografieren zu entdecken. 

Ich weiß nicht, wie viele Kodak Filmrollen ich über die Jahre in die verschiedenen Kameras eingelegt und belichtet habe. Es müssen viele gewesen sein. Aber ich weiß noch ganz genau, als sich das geändert hat.

Es passierte während eines Kanadaurlaubs im Jahr 2004. Ich hatte mir eine kleine Digitalkamera gekauft und war scharf darauf, sie auszuprobieren. Sicherheitshalber fotografierte ich auf traditionelle Weise und parallel dazu digital. Es sollte das erste und einzige Mal sein. Denn auch wenn die Qualität der Bilder noch zu wünschen übrigließ, wurde für mich in diesem Urlaub klar, dass ich zur digitalen Fotografie wechseln würde. 

Offensichtlich bin ich nicht der einzige gewesen, der so gedacht hat. Die Digitalfotografie trat ihren Siegeszug an. Die nächsten Jahre sahen eine gewaltige Verschiebung im Fotomarkt. Bereits 8 Jahre später musste der einst stolze Kodak-Konzern Insolvenz anmelden. 

Was war geschehen? Ganz einfach: Man hatte die Zukunft verschlafen, und das, obwohl ausgerechnet Kodak die erste Digitalkamera entwickelt und auf den Markt gebracht hatte! In einem Artikel, der im SPIEGEL am 19.01. 2012 erschien, fasste Stefan Schultz zusammen, was damals wenige Tage zuvor passiert war: „Mit Kodak stürzt ein Konzern in die Insolvenz, der über Jahrzehnte Technologieführer war – und dann die Chance verstreichen ließ, sich neu zu erfinden.“

1. Die Methode mit der Mission verwechseln

Nach meinem Dafürhalten hatte man einen schweren Fehler begangen und die Methode mit der Mission verwechselt. 

Die Methode beschreibt, wie ein Ergebnis erzielt wird, also das Geschäftsmodell. Die Mission hingegen klärt die Warum-Frage. 

Hätte man seinerzeit nicht das Herstellen, Verkaufen und Entwickeln belichteter Negativfilme (Methode) in den Mittelpunkt gestellt, sondern die Fotografie (Mission), wäre Kodak vermutlich noch immer der marktbeherrschende Player im Markt. 

Das führt mich zum zweiten Punkt: 

2. Die Unfähigkeit, die tatsächliche Mission zu erkennen

Wie oben ausgeführt, war man bei Kodak seinerzeit nicht in der Lage gewesen, die tatsächliche Mission des Unternehmens zu erkennen. Das operative Geschäft dominierte alles. Solange sich Dollars verdienen ließen, kümmerten niemanden die sich abzeichnenden Trends. 

Anders als Kodak erkannten die Hersteller von Smartphones schnell, dass die Fotografie zum Kern ihres künftigen Geschäftsmodells gehören würde. Und das, obwohl Fotos zunächst einmal nichts mit dem Telefonieren zu tun zu haben scheinen. Befeuert wurde diese Entwicklung durch die sogenannten Sozialen Medien, Instagram, Facebook und andere mehr. Dem Selfie und der Videotelefonie ist der Umstand zu verdanken, dass heute jedes Smartphone über mindestens zwei Kameras verfügt. 

Schaue ich auf mein eigenes Verhalten, stelle ich fest, dass weit über 90 % meiner Bilder mit dem Handy fotografiert werden. Die teure DSLR-Kamera liegt derweil ungenutzt im Schrank.    

Übrigens, ein ähnlicher Umbruch vollzieht sich seit Jahren in der Presselandschaft. Neben die traditionellen Vertriebswege Zeitung und Zeitschrift treten neue Formen der Verbreitung journalistischer Inhalte, beispielsweise Podcasts oder ePaper. 

Manch ein Verlag scheint sich mit diesen neuen, andersartigen publizistischen Vertriebswegen schwerzutun, was mich zu meinem dritten Punkt führt: 

3. Die mangelnde Bereitschaft, die Methoden zugunsten der Mission zu ändern.  

  Menschen lieben Gewohnheiten. Umdenken fällt schwer. Für einige ist es unmöglich. Jedenfalls hat es den Anschein. Die vordergründig berechtigte Frage lautet: Warum sich einlassen auf neue und risikobehaftete Methoden und Technologien, wenn man mit den herkömmlichen bestens Geld verdienen kann? 

Diese Haltung ist weit verbreitet und entwickelt enorme Beharrungskräfte. Hinzu kommt vielfach die Angst vor dem Unbekannten und dem Unberechenbaren. Das Ergebnis kann man in Deutschland landauf und landab besichtigen. Lieber wird an Performance und Herstellungsprozessen optimiert, als ich auf etwas völlig Neues einzulassen. Kodak lässt grüßen! 

4. Mit der Mission fest im Blick die Zukunft erobern 

Was für die Wirtschaft gibt, kann man auch in der Gesellschaft und im Raum der Kirchen beobachten.  

Ich bin vor einigen Jahren direkter Zeuge davon geworden, wie die Beharrungskräfte innerhalb einer Organisation diese binnen kurzer Zeit zerlegt und an den Rand der Auslöschung gebracht haben. Bedenkt man, welcher europaweite Einfluss einst von dieser über einhundertjährigen Organisation ausgegangen war, kann man nur erschüttert den Kopf schütteln.

Umso wichtiger ist es, sich immer wieder neu des Warums zu versichern und anpassungsfähig zu bleiben, während man der eigentlichen Mission nachjagt.

Noch ein Hinweis

Neben Artikeln über Führungsthemen, persönliche Entwicklung und Produktivität  veröffentliche ich sonntags Gedanken über Texte aus der Bibel. Schauen Sie sich doch einfach einmal um.

Bildquellen

  • Mature man in suit showing an alarm clock. Businessman with an alarm clock in a hand looking at camera: Copyright: hbrhs

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